Katz-Geschichten

Mich hat folgende hier fast wörtlich wiedergegebene Kritik erreicht. Sie muss sich wohl beinahe ausschließlich (ich habe auch ein, zwei "Bruder Hyazinth-Geschichten" verfasst und ebensoviel/wenig im buddhistischen Kontext angesiedelt) auf die Katz-Geschichten beziehen:

 

"Ich war richtig entsetzt, als ich erfahren habe, dass viele der angeblich aus anderen Kulturen stammenden Geschichten/Gleichnisse im Weg-Arbeit Blog (und in den Kreisgedanken 2) nicht aus spiritueller Literatur/Tradition stammen, sondern von Circle-Mitgliedern ausgedacht wurden und werden."

 

Es stimmt, bei einer alleinstehenden Veröffentlichung - die wir ja zur Zeit anstreben - müssten wir ein umfassenderes Vorwort schreiben, in dem die Entstehung der Geschichten erklärt würde. Ob man dabei faktisch vorgehen würde, oder auch eine Rahmengeschichte entwerfen könnte, scheint mir zweitrangig, aber gleichwertig. Wichtig wäre der Verweis darauf, dass die Geschichten nicht aus einem original chassidischen Kontext kommen, sondern eher in der literarischen Tradition der buberschen Geschichten (und der Faszination durch selbige) verstanden werden wollen. Allerdings mit noch wesentlich größerer Traditionsferne, als bei Buber selbst, dem ja selbst schon vorgeworfen wurde, er habe die Quellen zurechtgebogen und eigenen Interessen angepasst.

 

Absichtliche Verschleierung liegt meines Erachtens im Blog und in den Kreisgedanken nicht vor. Die Blogbeiträge sind alle - wie auch die Katzgeschichten - namentlich gekennzeichnet, wenn sie von anderen Autoren als mir verfasst wurden. Von mir selbst verfasste Texte - wie auch  Katzgeschichten - habe ich nicht namentlich gekennzeichnet, da es sich sozusagen um "meinen" Blog wie auch insgesamt "meine" Webseite handelt und ich daher als Autor quasi vordefiniert bin.

 

Entsprechend sind auch alle anderen Texte auf der Webseite nicht namentlich gekennzeichnet, wenn sie von mir persönlich sind.

 

Zitate aus irgendwelchen anderen Quellen habe ich zumindest immer mit dem Autor, nach Möglichkeit auch mit dem zitierten Buch kenntlich gemacht.

 

Ebenso bin ich in den "Kreisgedanken 2" verfahren. Ich stehe als Autor auf dem Umschlag - wenn auch nicht ganz korrekt als "Hendrik Normann et al.", da bei dieser Verkürzung von Autorenlisten von mehr als drei Autoren eigentlich der alphabetisch erste Name zu wählen ist. Da ich aber den größten Teil der Texte verfasst habe, habe ich mir diese Freiheit erlaubt. Im Buch sind, wie auf der Webseite, alle autorenmäßig unbenannten Texte von mir. Andere Texte sind wie im Blog über die Autoren gekennzeichnet.

 

Sonderfall bezüglich Webseite und Buch: Wenn zweite Personen dritte Personen zitieren, tauchen beide auf - zitierende Person und Autor des Zitates. Entweder in der Überschrift, im Text oder unter dem Text.

 

Das ist vielleicht nicht ganz leicht, folgt aber einer meiner Ansicht nach nachvollziehbaren inneren Logik.

 

Wenn wir Katzgeschichten und andere (?) "angeblich" als aus anderen Kulturen stammend bezeichnen sollen, dann wüsste ich gerne mal, wo wir das den angeblich angeben. ^^ Dass ich/wir uns davon unabhängig mit unseren Katztexten nicht anmaßen wollen, für real existierende Chassiden zu sprechen, muss uns wohl einfach geglaubt werden! Dass es nicht erlaubt sein soll, spirituelle Erkenntnisse in irgendeiner literarischen Form zu verpacken, würde ich von mir weisen. Es würden auch wahrscheinlich 98% sämtlicher spirituellen und religiösen Texte (auch beispielsweise Mengen von Texten aus der Bibel!) vom Markt verschwinden müssen, wenn dem so wäre. Ich sehe mich auch durchaus in der Lage, einen spirituellen Inhalt in einem SF-Roman, einem Mittelalterroman oder meinetwegen in einem Cowboyfilm zu erkennen und seine Gültigkeit dadurch nicht angetastet zu sehen...

 

Wir als spirituelle/mystisch orientierte Wahrheitsforscher sind in unserer Forschung sicher alle so weit, dass wir die geistige Einheit hinter allen (hoch-)religiösen Ausprägungen sehen, und uns spirituell gesehen auch problemlos in viele Äußerungen dieser Religionen hineinfinden können. Insofern können wir uns auch der Formen und der Inhalte bedienen, ohne dabei auf religiöser Ebene autoritativ sein zu wollen.

 

Ein Jazz- oder Rockfan in Deutschland wird doch wohl auch Jazz oder Rock spielen dürfen, auch wenn diese Musik nicht in Deutschland entstanden ist. Ein Chinese darf ein deutsches Auto fahren. Ein Spanier beim Griechen essen - wenn ihr versteht, was ich meine. ^^

Kommentar schreiben

Kommentare: 6
  • #1

    Ruth Gabriel (Mittwoch, 03 Januar 2018 16:27)

    Ich habe mal eine Idee für ein Vorwort geschrieben. Dafür habe ich von Ruth Finder geklaut (nicht dass mir da Absicht unterstellt wird).

    Und ich finde auch, dass das Buch "Perlen" heißen sollte.

    Vorwort

    Möge der Leser sich nicht täuschen lassen, denn dies vorliegende Buch ist keine Sammlung chassidischer Erzählungen.

    Es ist vielmehr eine Liebeserklärung an „eine wunderbare Blüte eines uralten Baumes“. So nennt Martin Buber, der das Leben, die Lehren und das Wirken der Chassiden für die Nachwelt erzählt und gedeutet hat, die östliche Mystik des Chassidismus. Eine in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Osteuropa stattgefundene Erneuerung des jüdischen Glaubens, die für einen Zeitraum von ungefähr 100 Jahren eine tiefe mystische Bewegung entstehen ließ.

    Die Lehren der geistigen Führer der Chassiden, der Zaddikim (die Rabbis), haben ihre Schüler in Form von Sprüchen, Geschichten und Legenden aufbewahrt und weiter erzählt.
    Aus dieser Liebe und Faszination für diese „Verpackung“ spiritueller Inhalte sind nach und nach ganz neue Erzählungen in der Tradition der chassidischen Erzählungen entstanden. Eines ist allen gemeinsam. Die große Freude an spirituellen Erfahrungen und Erkenntnissen und daran, diese in einer solch eigenen wunderbaren Form weiterzugeben.
    Möge der Leser genau so viel Freude beim Lesen dieser Erzählungen haben, wie die Autoren beim Verfassen verspürten.

  • #2

    Ruth Finder (Donnerstag, 04 Januar 2018 10:05)

    Äsop, ein antiker griechischer Fabeldichter, gilt als Vater dieser literarischen Richtung in Europa schlechthin. Jean de La Fontaine (1621–1695) und Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) belebten die Fabeln Äsops neu. Lessing berief sich beim Schreiben seiner Fabeln explizit auf Äsop. Auch Iwan Krilow, der bedeuntendste Fabelschreiber der russischen Literatur, war am Anfang seines schöpferischen Schaffens von den Werken Äsops inspiriert. Später aber entwickelte er in diesem Rahmen seinen eigenen Stil. Ich habe als Kind viele von seinen ca. 200 Fabeln, von denen zahlreiche Verse in Russland zu Sprichwörtern geworden sind, gelesen - vor kurzem auch in Deutsch. Sehr interessante Ausdruckweise! Auch dies würde mich reizen, meine eigene Erfahrungen, Beobachtungen, Erfolge und Misserfolge, Erkenntnisse, Freude und Kummer in dieser Form "zu verpacken". Wer aber die Fabeln in dieser dichterischen Form kennt, wird ganz gut verstehen, dass das ungleich schwieriger wäre, als zum Beispiel in Gestalt von kurzen Geschichten.

    Ich habe das trotzdem versucht und aus einer meinen Katz-Geschichten eine kleine (Quasi-)Fabel gemacht. Das hat mir Heidenspass bereitet! Wie auch ein Versuch in der japanischer Gedichtform "Haiku" - irgendwo in früheren Blogbeiträgen.

    Hier ist die Geschichte:
    Eines Abends saß Rabbi ben Katz auf der Bank vor seinem Haus. Es war dunkel geworden, als sich ihm ein Nachbar mit einer hell leuchtenden Laterne in der Hand näherte. Der Mann vermochte sich die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen und fragte den Rabbi, ob er ihm eine seiner allseits beliebten und lehrreichen Geschichten erzähle. Der Reb nickte dankend ob des Lobes und sagte: "Perle hat mich gerade gerufen, aber für eine kurze Geschichte hab ich Zeit: Ein Skarabäus hat zwei Würmer einen faulen Apfel fressen sehen. 'Wie unappetitlich!', dachte er bei sich und schob seine Mistkugel weiter."
    (Ruth Finder)

    Und jetzt als Fabel:

    Zwei Würmer nagten Frohgemütes
    An einem Apfel, der da lag
    Mit scheuslich Faulnisbelag.
    Für sie war es genug des Futters
    den ganzen langen lieben Tag.
    Zur gleichen Zeit ein Scarabäus,
    Lief, beiden sehend, flink vorbei.
    "Wie grässlich, ja, unappetitlich!",
    So dachte er bei sich dabei.
    Der glänzend Käfer, welch'n Artist!,
    Schob vor sich etwas stolz und feine.
    Was sah man da an Hinterbeinen?
    ...Das war 'ne Kugel aus Mist!
    Und die Moral aus der Geschicht?
    Das merke dir im Fall des Falles:
    Bei anderen sehen wir alles
    Nur bei sich selber eben nicht!

  • #3

    TvB (Donnerstag, 04 Januar 2018 10:23)

    Das immer wieder sich einschleichende, oder auch von Anfang an umfassend vorhandene Vertrauen in religiöse Literatur und Tradition ist ein Trugschluss. Selbst beispielsweise biblische Texte, die nachweislich über fast 2000 Jahre gleich überliefert sind, reichen zeitlich nicht bis an mögliche tatsächliche Ereignisse heran. Und würden sie es tun, dann wären sie auch nichts als als subjektiv anzunehmende Darstellungen.

  • #4

    Thomas (Donnerstag, 04 Januar 2018 12:52)

    Moin Clemens,

    da Du jetzt ohne mich vorher zu fragen einen Auszug meiner privat gedachten Mail an Dich im Blog veröffentlich hast - und viele wahrscheinlich eh ahnen von wem die zitierte harsche Kritik stammt - hier noch eine Antwort darauf mit der Bitte sie als Kommentar zu ergänzen:

    - Sicher war es von mir naiv, anzunehmen, dass die Geschichten - die ich übrigens immer gerne gelesen habe - aus einem alten Kanon oder "heiligen Büchern" stammen... die Unterzeichner habe ich natürlich gesehen, aber dahingehend falsch interpretiert, dass es die Personen wären, die den Text zwar in den Blog gesetzt, aber nicht selber geschrieben haben.

    - Die Lösung mit dem erläuternden Vorwort für das Buch finde ich prima!

    - "Bei anderen sehen wir alles - Nur bei sich selber eben nicht!"; Jau, das nehme ich gerne persönlich, und wenn es so gemeint war hat es in der Tat gesessen. Und bei mir ist es sicher auch zum großen Teil wahr. Ich hoffe alle anderen wenden es dann aber auch auf sich selber an – Die Geschichten sind ja universal gedacht ;-)

    - Inhaltlich sehe ich die Sache trotzdem nicht ganz so locker, weiß aber selber auch keinen 100%ig anderen Weg. Nur von sich selber in Geschichten / Gleichnisform schreiben? Und dann besser Geschichten, die realen Bezug zur Jetztzeit haben? Nur "wahre erleuchtete" Meister schreiben lassen? Und wer spielt dann die "Erbauliche-Geschichten-Polizei"? Klar fühle ich in mir dabei eine Sehnsucht nach authentischer Tradition oder "sicheren" Quellen... aber was ist schon sicher?

    - Und zu mir persönlich: Ich selbst habe auch mal in Ansätzen versucht, in der Art spiritueller Gleichnisse/Fabeln zu schreiben. Bin dann aber wieder davon abgekommen, da ich es als "unecht" und frömmelnd empfunden habe und dabei auch eine zu große Abweichung zwischen mir und dem eigenen literarischen Output empfunden habe. Bei Romanen etc. wäre das sicher kein Problem, bei spirituellen Texten hätte ich dann aber oft das unangenehme Gefühl der Heuchelei und Bigotterie. Das wird sicher bei anderen, die hier im Blog schreiben, (glücklicherweise) nicht der Fall sein.

    Liebe Grüße

    Thomas

  • #5

    Ruth Finder (Donnerstag, 04 Januar 2018 15:58)

    Ja, es wird zumindest versucht in erster Linie (wenn nicht, dann in zweiter ^^), bei sich selbst zu kucken/anzuwenden.

    Dazu eine Geschichte aus dem Jahr 2016:

    -Auf sich beziehen
    Einige Schüler waren bei Rabbi Jakov ben Katz zu Besuch. Einer sprach für sie alle: "Rabbi, bitte erzähle uns eine deiner Geschichten. Wie treffend Du doch aufzeigst, woran die Welt krankt!"
    "Aber nein, meine Freunde!", rief Jakov ben Katz aus. "Die Geschichten erzähle ich, um mich zu erinnern, woran es mir selber mangelt!"
    (Ruth Finder)

  • #6

    Ruth Finder (Donnerstag, 04 Januar 2018 16:09)

    Korrektur:

    Zwei Würmer nagten frohgemutes
    An einem Apfel, der da lag
    Mit scheußlich Fäulnisbelag.
    Für sie war es genug des Futters
    den ganzen langen lieben Tag.
    Zur gleichen Zeit ein Scarabäus,
    Lief, beide sehend, flink vorbei.
    "Wie grässlich, ja, unappetitlich!",
    So dachte er bei sich dabei.
    Der glänzend Käfer, welch'n Artist!,
    Schob vor sich etwas stolz und feine.
    Was sah man da an Hinterbeinen?
    ...Das war 'ne Kugel aus Mist!
    Und die Moral aus der Geschicht?
    Das merke dir im Fall des Falles:
    Bei anderen sehen wir alles,
    Nur bei sich selber eben nicht!

    (Ruth Finder)