Der letzte Satz...

...wird normalerweise nicht mit erwähnt. Wohl weil er wirklich schwer zu deuten ist:

 

12 Er (Jesus) sprach nun: Ein Edelmann zog in ein fernes Land, um sich die Königswürde zu holen und dann wiederzukommen.
13 Und er rief zehn seiner Knechte, gab ihnen zehn Pfunde und sprach zu ihnen: Handelt damit, bis ich wiederkomme!
14 Seine Bürger aber hassten ihn und schickten ihm eine Gesandtschaft nach und ließen sagen: Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche!
15 Und es geschah, als er wiederkam, nachdem er die Königswürde empfangen hatte, da ließ er die Knechte, denen er das Geld gegeben hatte, vor sich rufen, um zu erfahren, was jeder erhandelt habe.
16 Da kam der erste und sprach: Herr, dein Pfund hat zehn Pfund dazugewonnen!
17 Und er sprach zu ihm: Recht so, du guter Knecht! Weil du im Geringsten treu gewesen bist, sollst du Vollmacht über zehn Städte haben!
18 Und der zweite kam und sprach: Herr, dein Pfund hat fünf Pfund erworben!
19 Er aber sprach auch zu diesem: So sollst auch du über fünf Städte gesetzt sein!
20 Und ein anderer kam und sprach: Herr, siehe, hier ist dein Pfund, das ich im Schweißtuch aufbewahrt habe!
21 Denn ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mann bist; du nimmst, was du nicht eingelegt, und erntest, was du nicht gesät hast.
22 Da sprach er zu ihm: Nach dem Wort deines Mundes will ich dich richten, du böser Knecht! Wusstest du, dass ich ein strenger Mann bin, dass ich nehme, was ich nicht eingelegt, und ernte, was ich nicht gesät habe?
23 Warum hast du dann mein Geld nicht auf der Bank angelegt, sodass ich es bei meiner Ankunft mit Zinsen hätte einziehen können?
24 Und zu den Umstehenden sprach er: Nehmt ihm das Pfund weg und gebt es dem, der die zehn Pfunde hat!
25 Da sagten sie zu ihm: Herr, er hat schon zehn Pfunde!
26 Denn ich sage euch: Wer hat, dem wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, von ihm wird auch das genommen werden, was er hat.
27 Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich König über sie werde - bringt sie her und erschlagt sie vor mir!

 

(Lukas 19, 12-27)

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Kommentare: 4
  • #1

    Jonas (Samstag, 23 Dezember 2017 19:30)

    Ich versuch mal eine Interpretation, welche den letzten Satz erklärbar machen könnte:
    Der Edelmann/der König entspricht Gott, der seinen Knechten, also den Menschen, die ihm dienen, Talente (Pfunde) gibt, also Fähigkeiten/Fertigkeiten/Anlagen, an denen sie arbeiten und die sie entwickeln sollen. Man könnte es so sehen, dass sie von einer gegebenen Basis aus ihre Tugendpyramide aufbauen und vollenden sollen. Je nach Veranlagung, Eifer und Gnade kommen sie dabei unterschiedlich weit, ausgedrückt in der unterschiedlichen Anzahl von Pfunden, die sie sich erarbeiten.

    Die Bürger des Landes stehen in einem anderen Verhältnis zum König, sie dienen ihm nicht, ja hassen ihn sogar und möchten am liebsten in Ruhe gelassen werden. Sie könnten bildhaft für den gut eingerichteten, egoismuszentrierten Menschentypus stehen, die den König (Gott) ablehnen, um ungestört ihren weltlichen Vergnügungen nachzugehen. Im Gegensatz zu den Knechten, die sich in unterschiedlichem Ausmaß bewährt und sich dadurch für Größeres qualifiziert haben (ihnen werden Städte anvertraut), werden die Bürger vor Gott ihrem Richter gebracht und erschlagen. Dies könnte man als Bild für die karmischen Konsequenzen ihres Tuns auslegen, sie werden für ihren Verrat bestraft.

    Das Erschlagen – Werden könnte man zusätzlich so auslegen, dass sie weiterhin im Kreislauf des erzwungenen Sterbens und Wiedergeboren-Werdens gefangen sind, im Gegensatz zu den Knechten Gottes, die sich bewährt und ihre Lernaufgabe erfüllt haben. Letztere werden mit einer neuen Aufgabe (das Verwalten von Städten) betraut, dies könnte man als eine Versetzung in Sinne des Zensusgeschehens deuten. Wir hätten in dieser Hinsicht also zwei Gruppen, diejenigen, die ihr Ziel erreicht haben und versetzt werden, und die anderen, die „erschlagen“ durch ihre karmische Schuld sich mit ihren Fehlern wiederholt auseinandersetzen müssen.

  • #2

    Ruth Gabriel (Sonntag, 31 Dezember 2017 08:10)

    Die Feinde erschlagen könnte bedeuten, den Eigenwillen aufzugeben. So wie Margarete Porete sagte, selbst über die Tugenden hinauszugehen, sie aufzugeben. Oder mit Meister Eckhart: "Sich selbst zu lassen."

  • #3

    Ruth Gabriel (Montag, 01 Januar 2018 11:53)

    Hier noch einmal der Versuch einer etwas detaillierteren Beschreibung dessen, wie es zu meinem vorigen Kommentar gekommen ist.
    Der Edelmann könnte als unsere Seele gedeutet werden, die sich auf den Weg macht zur Erkenntnis Gottes, zur „Erreichung“ der Königswürde. Die Knechte sind unsere Elementale, unsere AP, die während unserer Reise/Weg-Arbeit positiv modifiziert werden/wird, bzw. denen wir, wenn sie keine Frucht bringen, ihnen die Energie entziehen. Wenn wir uns die Königswürde geholt haben, uns vollständig Gott zugewandt haben, IHN erkannt haben und erkannt haben, dass wir Eins in dem Einen sind, so gehen wir über alle Tugend hinaus, erschlagen sozusagen die Bürger, die nicht von dem Einen beherrscht werden wollen.
    Die Weg-Arbeit verleiht uns nicht die Königswürde, sondern allein die Hingabe zu Gott und SEINE Gnade, SICH in uns einzugießen. Dafür wiederum ist Weg-Arbeit unumgänglich, denn sie schafft das leere Gefäß dafür.
    Mit Augustinus gesagt: Wenn des Menschen Seele sich vollends hinaufkehrt in die Ewigkeit, in Gott allein, so scheint auf und leuchtet das Bild Gottes; wenn aber die Seele sich nach außen kehrt, und sei's selbst zu äußerlicher Tugendübung, so wird dies Bild vollkommen verdeckt.

  • #4

    Maria (Montag, 01 Januar 2018 14:23)

    Vielen Dank für die beiden hilfreichen Deutungen. Ich habe mir bisher nur den Kopf zerbrochen, aber ist nichts Schriftliches herausgekommen :-)