Zu Reden und Schweigen

Hier noch ein paar Geschichten zur Problematik des Schweigens und des Redens bzw. Lehrsätze zum eigenen Auslegen:

Dow Bär von Mesritsch (der Maggid von Mesritsch) sprach einmal zu seinen Schülern: "Ich will euch die beste Art weisen, Lehre zu sprechen. Man soll sich gar nicht mehr fühlen, nichts mehr sein als ein Ohr, das hört, was die Welt des Wortes in einem redet. Sowie man aber die eigene Rede zu hören beginnt, breche man ab."

Ein gelehrter Mann, der einst Sabbatgast an Rabbi Baruch von Mesbiz Tisch war, sagte zu ihm: "Laßt uns nun Worte der Lehre hören, Rabbi, Ihr redet so schön!"
"Ehe dass ich schön rede", antwortete der Enkel des Baalschem, "möge ich stumm werden!"

An Rabbi Mendel von Workis Tisch saßen einst die Chassidim beisammen. Man konnte die Fliege an der Wand hören, so groß war das Schweigen. Nach dem Tischgebet sagte der Rabbi von Biala zu seinem Nachbarn: "Ist das heut ein Tisch gewesen! Er hat mich so geprüft, dass mir die Adern zu platzen drohten, aber ich habe standgehalten und habe auf alle Fragen Antwort gegeben."

Als Rabbi Mendel von Witebsk ins Heilige Land kam, schrieb er seinen Freunden in der russischen Heimat: "Ich pflegte mir beständig zu wünschen, dass mir Gott helfen möge, wenigstens ein Gebet in wahrer Andacht sprechen zu können. Hier aber, da mich die Luft des Heiligen Landes anwehte, erfuhr ich, dass der Mensch froh und glücklich sein müsste, wenn er ein einziges Wort richtig aussprechen könnte."

 

(Ruth Finder)

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