Stein

Edith Stein (1891 - 1942)

 

Wer bist du, süßes Licht, das mich erfüllt
und meines Herzens Dunkelheit erleuchtet?
Du leitest mich gleich einer Mutter Hand,
und ließest du mich los,
so wüsste keinen Schritt ich mehr zu gehen.
Du bist der Raum, der rund
mein Sein umschließt und in sich birgt.
Aus dir entlassen, entsänk' es
in den Abgrund des Nichts,
aus dem du es zum Licht erhobst.
Du, näher mir als ich mir selbst
und innerlicher als mein Innerstes
und doch untastbar und unfassbar
und jeden Namen sprengend:
Heiliger Geist - ewige Liebe!

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Kommentare: 2
  • #1

    Clemens (Montag, 18 Dezember 2017 14:26)

    Teresa von Avila (1515 - 1582)

    Wir wollen nun von der göttlichen und geistlichen Vermählung sprechen.
    Diese geheime Vereinigung vollzieht sich
    in der allerinnersten Mitte der Seele,
    also an dem Ort, wo Gott selber weilt.
    Was der Herr hier der Seele in einem Augenblick mitteilt,
    ist ein so großes Geheimnis und eine so hohe Gnade,
    und das Entzücken, das die Seele dabei empfindet,
    ist so übermächtig,
    dass ich es mit nichts anderem vergleichen kann
    als der Seligkeit im Himmel.
    Es lässt sich nichts weiter davon sagen,
    als dass die Seele eins geworden ist mit Gott.
    Hier ist es, wie wenn Wasser vom Himmel
    in einen Fluss oder eine Quelle fällt,
    wo alles nichts als Wasser ist,
    so dass man weder teilen noch sondern kann,
    was nur das Wasser des Flusses ist
    und das Wasser, das vom Himmel gefallen;
    oder es ist wie wenn ein kleines Rinnsal ins Meer fließt,
    von dem es durch kein Mittel mehr zu scheiden ist;
    oder aber wie in einem Zimmer mit zwei Fenstern,
    durch die ein starkes Licht einfällt:
    dringt es auch getrennt ein, so wird doch alles zu einem Licht.
    Vielleicht ist es dies, was Paulus mit den Worten meint:
    Wer sich mit dem Herrn nährt und an ihn sich hängt,
    der wird ein Geist mit ihm.
    Damit spielt er wohl auf diese erhabene Vermählung an,
    die voraussetzt,
    dass Gott durch eine Vereinigung zur Seele gekommen ist.
    Darum sagt er: Für mich ist Christus das Leben.

    (Teresa von Avila, Innere Burg, zitiert nach "Christliche Mystik, Texte aus zwei Jahrhunderten", CH Beck, München, 1989)

  • #2

    Clemens (Montag, 18 Dezember 2017 14:28)

    Klara von Assisi (1193/1194 - 1253)

    Stelle Dein Denken vor den Spiegel der Ewigkeit,
    stelle Deine Seele in den Abglanz der Herrlichkeit,
    stelle Dein Herz vor das Bild der göttlichen Wesenheit,
    und forme Deine ganze Person durch die Beschauung in das Bild seiner Gottheit um,
    damit Du empfindest, was seine Freunde empfinden,
    wenn sie die verborgene Süße verkosten,
    die Gott selbst von Anbeginn für die aufbewahrt hat, die ihn lieben. (...)
    Liebe jenen mit ganzer Hingabe, der sich um Deiner Liebe willen ganz hin geschenkt hat.
    Seine Schönheit bewundern Sonne und Mond,
    seine Belohnungen sind unvergleichlich kostbar
    und in ihrer Größe ohne Grenzen.

    (Klara von Assisi, 3. Brief an Agnes von Prag, 12-16, zitiert nach Klara-Quellen, Zeugnisse des 13. und 14. Jahrhunderts der Franziskanischen Bewegung. Herausgegeben von Johannes Schneider und Paul Zahner, Butzon & Bercker, Kevelaer, 2013, S.86)