Frage die Dunkelheit

Bonaventura von Bagnoreggio (1221 - 1274)

 

Willst du aber wissen, wie das (Erleuchtung) geschieht,
dann frage die Gnade, nicht die Wissenschaft;
die Sehnsucht, nicht den Verstand;
das Seufzen des Gebetes, nicht das forschende Leben;
den Bräutigam, nicht den Lehrer;
Gott, nicht den Menschen;
die Dunkelheit, nicht die Helle;
nicht das Licht, sondern jenes Feuer,
das ganz und gar entflammt und durch mystische Salbung
und brennendste Liebe in Gott umgestaltet.
Dieses Feuer hat Christus in uns entzündet.

 

(Bonaventura, Itinerarium, zitiert nach "Christliche Mystik, Texte aus zwei Jahrhunderten", CH Beck, München, 1989).

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Kommentare: 3
  • #1

    Clemens (Sonntag, 17 Dezember 2017 15:08)

    Johannes vom Kreuz (1542 - 1591)

    Diese Nacht, die mit der Kontemplation zusammenfällt, verursacht zwei Arten von Finsternissen oder Läuterungen in den Vergeistigten, entsprechend den beiden Teilen des Menschen, dem sinnlichen und dem geistigen. Und es wird die eine Nacht oder Läuterung dem Sinnenhaften gelten; darin wird die Seele in ihrem sinnengebundenen Teil geläutert und so dem Geist angepasst. Und die andere ist eine Nacht der geistigen Läuterung, darinnen die Seele nach ihrer geistigen Seite geläutert und entblößt wird, um sie für die Liebeseinigung mit Gott zu befähigen und vorzubereiten. Die Nacht der Sinne ist nicht ungewöhnlich und wird von vielen durchlitten, von den Anfangenden; und von ihr wollen wir zuerst sprechen. Die geistige Nacht wird nur von ganz wenigen durchlitten, und diese sind schon Erfahrene und Gottempfängliche; davon werde ich in der Folge sprechen.
    Die erste Nacht der Läuterung ist für die Sinnlichkeit bitter und furchtbar, wie sich gleich erweisen wird. Die zweite ist mit nichts zu vergleichen, so grauenvoll und entsetzlich ist sie für den Geist.
    Diese dunkle Nacht ist eine gnadenvolle Einwirkung Gottes auf die Seele, wodurch sie von ihrer Unwissenheit wie von ihren gewohnheitsmäßigen Unvollkommenheiten, von den natürlichen wie den geistlichen, geläutert werden soll: ein Vorgang, den die Kontemplativen eingegebene Gotterfahrung oder mystische Theologie nennen. In dieser mystischen Erfahrung lehrt Gott die Seele im geheimen und lenkt sie zur Vollkommenheit der Liebe, ohne ihr Zutun, ohne ihre Einsicht in solche eingegebene Kontemplation. Als liebevolle Weisheit wirkt Gott mit übergewaltiger Hoheit auf die Seele ein und schmeidigt sie durch Läuterung und Erleuchtung für die Liebeseinigung mit seiner Gottheit. Warum aber wird das göttliche Licht, das läuternd und erhellend in der Seele die Unwissenheiten tilgt, hier von dieser Seele dunkle Nacht genannt? Ich antworte: aus zwei Gründen ist diese göttliche Weisheit nicht nur Nacht und Finsternis für die Seele, sondern auch Peinigung und Marter. Nacht ist sie wegen ihrer Erhabenheit, die weit ¨über die Fassungskraft der Seele hinausgeht; als überwahrnehmbar ist sie dunkel. Zum andern ist sie Nacht wegen der Niedrigkeit und Unreinheit der Seele, und darum für sie peinvoll, schmerzhaft und gleichfalls dunkel.

    (Johannes vom Kreuz, die dunkle Nacht der Seele, zitiert nach: www.hoye.de/mystik/kreuz.pdf)

  • #2

    Jonas (Montag, 18 Dezember 2017 08:27)

    Die Farbe Schwarz wird in verschiedenen Systemen symbolisch als die Farbe Gottes (des Vaters) verwendet. Bei Franz Bardon etwa, ober auch bei Daskalos, wo man sie im Symbol des Lebens finden kann. Schwarz drückt dabei das Unmanifestierte, noch nicht ins Licht Getretene, den Urgrund aus. Im "Gegensatz" dazu Christus das Licht.

  • #3

    Jonas (Freitag, 22 Dezember 2017 13:47)

    Dionysius Areopagita, mit dem wir uns erst unlängst schon etwas beschäftigt haben, über die Dunkelheit:

    Laß fahren die Sinne und die Tätigkeit des Verstandes, auch alles, was Sinne und Verstand zu fassen vermögen, alles, was ist und nicht ist. Und durch das Nichtwissen hindurch strecke dich aus soweit als möglich, dem Einssein mit dem entgegen, der jenseits allen Seins und Wissens ist. Auf diese Weise wirst du - durch strenges, unbedingtes, reines Losgelöstsein von dir selber und von allen Dingen - alles durchdringen, und freigeworden von allem wirst du hinaufgeführt werden zu jenem Strahlen des Göttlichen Dunkels, das jenseits allen Seins ist.

    Eintretend in das Dunkel, das alles Verstehen übersteigt, stockt uns nicht nur die Rede, sondern uns bleibt nur völliges Stillschweigen und Nichtwissen.

    Alles Wissens entledigt, ist der Mensch vereinigt mit dem Höchsten, das er in sich hat, mit nichts Geschöpflichem, auch nicht mit sich selbst, noch mit einem anderen, sondern mit dem Einen, der gänzlich unerkennbar ist; und nichts erkennend erkennt er, auf eine Weise, die alles Begreifen übersteigt.