Eselin (4.Mose 22,15-35)

15 Da sandte Balak noch mehr und noch mächtigere Fürsten, als jene waren.
16 Als die zu Bileam kamen, sprachen sie zu ihm: So lässt dir sagen Balak, der Sohn Zippors: Wehre dich doch nicht dagegen, zu mir zu ziehen;
17 denn ich will dich hoch ehren, und was du mir sagst, das will ich tun; komm doch und verfluche mir dies Volk.
18 Bileam antwortete und sprach zu den Knechten Balaks: Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des HERRN, meines Gottes, weder im Kleinen noch im Großen.
19 So bleibt auch ihr nun hier diese Nacht, dass ich erfahre, was der HERR weiter mit mir reden wird.
20 Da kam Gott in der Nacht zu Bileam und sprach zu ihm: Sind die Männer gekommen, dich zu rufen, so mach dich auf und zieh mit ihnen; doch nur was ich dir sagen werde, sollst du tun.
21 Da stand Bileam am Morgen auf und sattelte seine Eselin und zog mit den Fürsten der Moabiter.
22 Aber der Zorn Gottes entbrannte darüber, dass er hinzog. Und der Engel des HERRN trat in den Weg, um ihm zu widerstehen. Er aber ritt auf seiner Eselin, und zwei Knechte waren mit ihm.
23 Und die Eselin sah den Engel des HERRN auf dem Wege stehen mit einem bloßen Schwert in seiner Hand. Und die Eselin wich vom Weg ab und ging auf dem Felde; Bileam aber schlug sie, um sie wieder auf den Weg zu bringen.
24 Da trat der Engel des HERRN auf den Pfad zwischen den Weinbergen, wo auf beiden Seiten Mauern waren.
25 Und als die Eselin den Engel des HERRN sah, drängte sie sich an die Mauer und klemmte Bileam den Fuß ein an der Mauer, und er schlug sie noch mehr.
26 Da ging der Engel des HERRN weiter und trat an eine enge Stelle, wo kein Platz mehr war auszuweichen, weder zur Rechten noch zur Linken.
27 Und als die Eselin den Engel des HERRN sah, fiel sie auf die Knie unter Bileam. Da entbrannte der Zorn Bileams, und er schlug die Eselin mit dem Stecken.
28 Da tat der HERR der Eselin den Mund auf, und sie sprach zu Bileam: Was hab ich dir getan, dass du mich nun dreimal geschlagen hast?
29 Bileam sprach zur Eselin: Weil du Mutwillen mit mir treibst! Ach dass ich jetzt ein Schwert in der Hand hätte, ich wollte dich töten!
30 Die Eselin sprach zu Bileam: Bin ich nicht deine Eselin, auf der du geritten bist von jeher bis auf diesen Tag? War es je meine Art, es so mit dir zu treiben? Er sprach: Nein.
31 Da öffnete der HERR dem Bileam die Augen, dass er den Engel des HERRN auf dem Wege stehen sah mit einem bloßen Schwert in seiner Hand, und er neigte sich und fiel nieder auf sein Angesicht.
32 Und der Engel des HERRN sprach zu ihm: Warum hast du deine Eselin nun dreimal geschlagen? Siehe, ich habe mich aufgemacht, um dir zu widerstehen; denn der Weg vor mir führt ins Verderben.
33 Und die Eselin hat mich gesehen und ist mir dreimal ausgewichen. Wäre sie mir nicht ausgewichen, wollte ich dich jetzt töten, die Eselin aber am Leben lassen.
34 Da sprach Bileam zu dem Engel des HERRN: Ich habe gesündigt; ich hab's ja nicht gewusst, dass du mir entgegenstandest auf dem Wege. Und nun, wenn dir's nicht gefällt, will ich wieder umkehren.
35 Der Engel des HERRN sprach zu ihm: Zieh hin mit den Männern, aber nichts anderes, als was ich zu dir sagen werde, sollst du reden. So zog Bileam mit den Fürsten Balaks.

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Kommentare: 7
  • #1

    Clemens (Dienstag, 12 Dezember 2017 20:30)

    Gott wirkt hier von 20-22 leicht persönlichkeitsgespalten. Doch die Eselin kennt diese Vorgeschichte nicht und ihr reicht der Bote.

    Bileam trägt mit großer Fassung, dass seine Eselin ihn zur Rede stellt...

    Alles in allem: Was will mir diese Geschichte sagen?

  • #2

    Jonas (Mittwoch, 13 Dezember 2017 08:41)

    Nimm lieber ein Pferd als eine störrische EselIN^^

    Nein - im Ernst jetzt - wenn wir uns ein Urteil über eine Situation anmaßen und darauf basierend eine Handlung setzen (die Eselin schlagen), muss uns bewusst sein, dass wir auf unserem Entwicklungsniveau niemals alles wissen und deshalb mitunter auch falsch liegen können. Wir sehen den Engel halt nicht, wissen nicht, dass er im Weg steht und reagieren einfach auf das unserer Meinung nach störrische Vieh (auf nicht gerade feinfühlige Art und Weise).

    Wichtig ist es, nach dem Erlangen zusätzlichen Wissens (der Engel wird sichtbar) dann auch den eigenen Standpunkt zu ändern und (egoismusmäßig) nicht in der falschen Sicht zu verharren, also Einsicht zu zeigen ("ich habe gesündigt; ich hab´s ja nicht gewusst") und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen ("Und nun, wenn dir's nicht gefällt, will ich wieder umkehren).

  • #3

    Jonas (Mittwoch, 13 Dezember 2017 08:52)

    Die Geschichte spricht mich auch deshalb an, weil ich in meiner Jugend viel geritten und dabei mit der Gerte nicht gerade sparsam umgegangen bin (mea culpa!). Das tut mir im Nachhinein betrachtet schon etwas leid.
    Also wenn ich davon nur 5% karmisch zurückbekomme, kann ich mich auf einige Peitschenhiebe des Schicksals gefasst machen. Gott sei Dank scheint mir eine Reinkarnation als Pferd oder Esel nicht sehr wahrscheinlich zu sein, auch wenn die Geschichte mit der sprechenden Eselin das nahelegen würde.

  • #4

    Clemens (Mittwoch, 13 Dezember 2017 12:08)

    Ich habe hin und her überlegt: Die Widersprüchlichkeit Gottes könnte für seine Missverständlichkeit innerhalb der Trennungswelten (Dualität/Polarität) stehen, solange wir nur von innerhalb schauen. Bileam steht hier für das HS in diesen Trennungswelten, das zunächst den Boten (Engel) mit der klaren Weisung nicht erkennt. Die Eselin verkörpert dreifach das Vehikel (grobstofflich, psychisch, noetisch). Sie verweigert als AP auf allen drei Ebenen den falschen Wunsch des HS. Sie "sieht den Engel". Nur eine missbräuchliche Nutzung durch das bestimmende HS kann die AP letztlich zwingen.

    Das würde hier bedeuten, dass die drei Körper eine innere, mitgegebene, relative Weisheit hätten - wenn wir nur auf die Signale hören würden, würde uns viel Leid erspart. Und auch der "Eselin".

    Der noetische Esel weicht der Gefahr für das HS (Bileam) weit aus. Der psychische Esel versucht, sich vorbeizudrücken. Der grobstoffliche Esel geht zuletzt in die Knie - und wird die ganze Zeit vom HS missverstanden und geprügelt. Der Engel ist bereit, das missverstehende HS zu töten. So wie das HS bereit ist, die unwilligen AP-Aspekte zu töten.

    Erst als Gott die Eselin für das HS hörbar sprechen lässt und dem HS auch noch die Augen öffnet, kann das HS den Boten schließlich endlich sehen und beginnt zu kooperieren. Und zwar sowohl mit der Eselin, als auch mit dem Engel. Und dadurch letztlich mit dem Gott außerhalb der Trennungswelten. Und den Gott innerhalb letztlich verstehend.

    Von da an läufts...

  • #5

    L. (Mittwoch, 13 Dezember 2017 15:07)

    Koennte man genauer ausarbeiten. Waere schoen.

  • #6

    Clemens (Mittwoch, 13 Dezember 2017 15:59)

    Meinst Du Jonas oder mich? ^^ Oder vielleicht beide? Die Hoffnung stirbt zuletzt...

  • #7

    Maria (Mittwoch, 13 Dezember 2017 22:43)

    Für die ganze Geschichte eine widerspruchsfreie (Be)Deutung zu finden, ist etwas schwer. Folgende Fragmente hätte ich anzubieten:
    - Die Widersprüchlichkeit Gottes: Einerseits steht sie für sein Geschenk an uns, uns zu ermöglichen, in den Welten der Trennung Erfahrungen zu machen, Befreiung und Bewusstwerdung zu erlangen (uns ziehen zu lassen). Andererseits entsprechen die von uns verursachten leidvollen Erfahrungen und Konsequenz (für uns und andere) nicht dem Göttlichen, wofür sinnbildlich der Zorn Gottes steht.
    - Die Eselin entspricht der Alltagspersönlichkeit, Bileam dem Höheren Selbst, der die Eselin (AP) für seine Reise in den Welten der Trennung nutzt. Das bildet auch (ohne die Eselin schmälern zu wollen) die Verhältnismäßigkeit zwischen den beiden Ebenen HS und AP ab. Die AP ist das Vehikel für das wahre Wesen, das darauf reist – auch wenn es noch nicht voll bewusst in den Welten der Trennung lebt.
    - Bileam bedeutet „Volksverflucher, Volksverderber“ und zeigt den in die AP hineinragenden Teil des HS an, der in den Welten der Trennung nicht rein göttlich und noch nicht voll bewusst ist. Der Name deutet auch darauf hin, wie machtvoll unsere Taten auf Erden sind, im Positiven wie im leidverursachenden Sinne (das ganze Völker leiden und verdorben oder gesegnet werden können durch unser Tun. Hier z.B. auch eine Querverbindung zu den Folgen von Konsum und anderem leidverursachendem Lebensstil heute).
    - Der Engel des Herrn ist das Karma, das uns auf unserer Reise begegnet. Der Engel steht für die Liebe und Schutz, das Schwert für die Konsequenz und Gerechtigkeit Gottes. Das Höhere Selbst, das noch nicht bewusst geworden ist, sieht den Engel des Herrn (Karma und seine Zusammenhänge) noch nicht. Die AP, die zwar auch nicht zwingend besser erkennt (außer durch den göttlichen Kern, der in ihr verborgen wirkt, wie ein Flüstern im Sturm), möchte aber den unangenehmen Konsequenzen von allem aus dem Weg gehen. Was nicht heißt, dass sie erkennt, sondern sie instinktiv Unangenehmem aus dem Weg zu gehen sucht. Dass sie anfangs dem Engel des Herrn (Karma) weit ausweicht, könnte auch ein Bild dafür sein, dass sich ihr Ursache und Wirkung des eigenen Tuns erst sehr spät erschließen (viel Raum und Zeit liegen zwischen Ursache und Wirkung). Oder dass sie große Umwege macht (Verblendung, Selbstbetrug, Nicht-Wissen-Wollen), um den Engel (der Konsequenz des eigenen Tuns) aus dem Weg zu gehen.
    - Bei den nächsten beiden Malen werden AP/ HS aber immer direkter mit dem Karma und der Unausweichlichkeit des Handelns konfrontiert. Die Möglichkeiten des Ausweichens und Flüchtens immer geringer. Das bildet sich auch im äußeren Rahmen ab, wo jetzt Mauern sukzessive das Entweichen verhindern.
    - Das Einprügeln der HS auf die AP (Eselin) könnte man als zusätzliches Karma sehen. Die AP bekommt durch das HS Prügel als entwicklungsfördernde Maßnahme, Hiebe aus Liebe, um einen anderen Weg zu wählen.
    - Die Eselin beginnt zu sprechen – vielleicht das erste Erwachen/ Durchbruch innerhalb der AP, das Erkennen, dass es mehrere Ebenen gibt (HS/ AP) und der Frage, wer man wirklich ist (HS, göttlicher Kern). Sinnbildlich führt das sprechende Leid der Eselin (AP) dazu, dass die HS immer besser versteht.
    - Bileam erkennt den Engel des Herrn – die nächste Stufe des Erwachens, der Einstieg in die bewusste Wegarbeit, Vertiefung des Erkennens, Anerkennen des göttlichen Gesetzes.
    - Der Engel des Herrn hält Bileam nicht weiter auf, sondern lässt ihn weiter seinen Weg gehen, aber mit der Maßgabe, nicht anderes zu sagen (und zu tun), was ihm der Herr befielt. Ein Hinweis darauf, das Leben und Tun auf unsere göttliche Herkunft hin auszurichten. Da wir noch nicht wieder ganz Gott geworden sind, braucht Bileam immer wieder das Wort Gottes zur Orientierung und Ausrichtung.