Mystik

Bernard McGinn, Professor emeritus für Kirchengeschichte und Geschichte des Christentums an der Universität Chicago schreibt im Band eins seines mehrbändigen Werk über die "Mystik des Abendlands" folgende Zeilen. Hervorhebungen von mir:

 

"Das mystische Element im Christentum ist der Teil seiner Glaubensinhalte und Glaubensvollzüge, der das betrifft, was man unmittelbare bzw. direkte Gegenwart Gottes nennen kann, und dies in einem dreifachen Sinn: als Vorbereitung auf sie, als Bewusstsein von ihr und als Reaktion auf sie.

 

Diese besondere Form der Begegnung mit Gott wurde auf vielerlei Weise verstanden. Einig waren sich alle christlichen Mystiker darin, dass sich diese Erfahrung einer Konzeptualisierung und Verbalisierung teilweise oder ganz widersetzt. Sie kann also nur indirekt, partiell, mittels einer Reihe sprachlicher Strategien dargestellt werden, in denen Sprache nicht so sehr informierend als vielmehr transformierend gebraucht wird. Es geht somit weniger um Inhaltsvermittlung; Ziel ist es, den Hörer oder Leser in dem Bestreben zu unterstützen, dasselbe Bewusstsein zu erlangen. Selbst jene Mystiker, die paradoxerweise besonderen Nachdruck auf Unaussprechlichkeit gelegt haben, nutzen alle Möglichkeiten der Sprache aus - und entwickeln oft sogar neue - um diesen Transformationsvorgang zu fördern."

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