Missverständnis

Manche Richtungen der Gnosis und auch der kirchlichen Spiritualität sind offensichtlich (oder scheinen es zu sein, denn vielleicht liegt der Fehler teils schon in der Interpretation der Vorgaben) sehr "leib- und weltfeindlich". Ich denke, dass die Ablehnung der Welt keine grundsätzliche sein kann, sondern sich immer nur auf unsere Haltung ihr gegenüber bezieht. Gemeint ist, dass ihre überzogene Abbildung in unseren Wünschen und unserem Trachten abgelehnt werden muss - nicht sie selbst. Ist sie doch in allem letztlich das Vehikel, das Medium unseres Wachsens, unseres Beschreiten des Weges, unserer Erleuchtung, unseres Erwachens.

 

Problematisch sind also wir als Selbste, als mit der AP verwickelte und identifizierte Selbste, und weder unsere APs, unsere Körper, die Körper anderer Menschen (also beispielsweise der "bösen hübschen Frauen als Werkzeuge des Teufels" - oder auch pc-mäßig der bösen, strammen jungen Kerle!), unsere Sinneseindrücke, die vielen Dinge um uns herum oder auch der karmische, leidbehaftete Prozess in den Trennungswelten.

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Kommentare: 3
  • #1

    TvB (Mittwoch, 06 Dezember 2017 07:25)

    Leib- und Weltfeindlichkeit: Die Hintertür, durch die sich weltlicher Dualismus in die Spiritualität zurückschleicht.

  • #2

    Clemens (Mittwoch, 06 Dezember 2017 11:33)

    Die Vordertür wäre in dem Bild die, durch die man erst "die Spiritualität" betreten hat - in (zunächst partieller) Abkehr und Überwindung weltlichen Dualismusses.

  • #3

    TvB (Mittwoch, 06 Dezember 2017 12:07)

    Ja, durch diese Vordertür kann dann weltlicher Dualismus wieder eintreten, indem der Schüler des Weges über die an sich ja ganz richtige Nicht-Ablehnung von Welt und Körper der AP erneutes Anhaften (oder beibehaltenes Anhaften) an weltlichen Freuden gestattet. Was NICHT heißt, dass sie nicht genossen werden dürfen.