Sagen

Wieder einmal trafen sich auf der Strasse die Schüler des Rabbi Jakov ben Katz und die der gegnerischen Seite. Die Mitnagdim fingen sogleich an, die Vorzüge ihres Rabbis zu preisen - im Besonderen dessen Redegewandtheit. Ihr Rabbi rede oft und gern nicht nur zu den Seinigen in der Schul, sondern auch zum einfachen Volke auf der Strasse, sagten sie. Rabbi Jakov ben Katz hingegen sei nur selten zu hören. Es sei nicht so, dass sie sein Sprechen vermissen würden, aber wie denn wohl die Grabesstille in seiner Schul auszuhalten wäre. So spotteten sie laut und frech.

Die Schüler des Rabbi Jakov antworteten kurz und knapp: "Reden schwingen kann jeder, aber wahrhaft etwas zu sagen, das haben nur einige wenige."

 

(Ruth Finder)

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Kommentare: 3
  • #1

    Maria (Montag, 27 November 2017 17:35)

    So ist es. Mehr muss man dem eigentlich nicht mehr hinzufügen :-)

    Außer vielleicht, dass man im Zuge der Wegarbeit lernen muss, wann es sinnvoll ist zu reden und wann zu schweigen. Und was man sagen sollte und was nicht. Und wieviel. Die unmodifizierte AP nutzt, wenn sie kann, alles für ihre Zwecke und definiert es dann nach Belieben zu dem, was ihr gerade dient. Nicht umsonst ist das Reden bei Daskalos eine Betrachtsebene bei der abendlichen Innenschau.

    Und nicht zu unterschätzen ist neben der Bedeutung der Sachebene der Kommunikation (rechtes Reden, Richtigkeit des gesprochenen Wortes) auch die Beziehungsebene. Was wir reden, wie, wann und was nicht, vergrößert oder vermindert individuelle und gemeinsame Entwicklungsmöglichkeiten. Reden oder Schweigen muss einer Öffnung für- und zueinander ermöglichen, um sich wahrhaftig begegnen zu können.

  • #2

    Maria (Dienstag, 28 November 2017 10:18)

    Oder wie Laozi sagte:
    "Wissender redet nicht,
    Redender weiß nicht."

  • #3

    Simon (Samstag, 09 Dezember 2017 00:04)

    Besser als tausend Worte ohne Sinn ist ein einziges vernünftiges Wort,
    das dem, der es hört, Ruhe schenken kann.
    (Buddha)