Was heißt denn das?

Uns geziemen drei Dinge:

Ein aufrechtes Knien.

Ein lautloser Schrei.

Ein unbewegter Tanz.

 

Macht Spaß, das einmal durchzudenken.

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Kommentare: 3
  • #1

    Clemens (Donnerstag, 02 November 2017 19:13)

    Uns geziemen drei Dinge:
    Ein aufrechtes Knien.
    Ein lautloser Schrei.
    Ein unbewegter Tanz.

    Mal eng am Wort:

    Knien kann man u.a. demütig, flehend oder auch erschöpft. Aufrecht kann "ehrlich", "wahrhaftig" bedeuten. Oder "die Haltung bewahrend", "würdevoll".

    Wahrhaftig demütig oder flehend sein - also nicht nur formal knien, sondern auch mit der entsprechenden inneren Haltung. Bei "würdevoll demütig" wird es interessant. Man kann nicht mehr leichthin "geht!" sagen. Aber auch nicht verneinen. Würdevoll demütig ist ein seltsamer Zustand. Die Würde wird gerade aus der Demut gezogen. Sogar freudige Würde ist denkbar.

    Würdevoll erschöpft die Haltung bewahren. Geht auch. Ehrlich auch, aber nur, weil das Gegenteil "unehrlich erschöpft" gar nicht funktioniert. Klar, Erschöpfung kann simuliert werden, aber dann ist sie ja auch keine.

    Und warum erschöpft? Vom Beschreiten des Weges? Seinen Schwierigkeiten? Fährnissen? Widerständen (auch eigenen)? Da kann man schon mal ehrlich und würdevoll in die Knie gehen! Aber die aufrechte Haltung treibt auch wieder auf die Füße. Erst "mors est quies viatoris" - für eine kleine Weile!

    Unterm Strich: Uns geziemt vor allem innere Demut - möglicherweise mit der äußeren Form der Übung des Kniens. Oder auch mit äußeren Botschaft des Kniens. Hier ist die Gefahr der Unehrlichkeit aber noch größer. Also noch mehr Selbst-Aufmerksamkeit nötig. Würdevoll als Zugabe darf gerne sein. Entsteht wohl sogar automatisch, wenn innere Demut mit der äußeren Form zusammenkommen.

    Nach diesen Überlegungen kann man dann wieder kurz sagen: Uns geziemt ein aufrechtes Knien! Oder sogar: "Kniet!"

    So kann man auch die nächsten zwei Zeilen angehen.

  • #2

    Ruth Finder (Donnerstag, 02 November 2017 20:22)

    In der Tat geht es meines Erachtens im Spruch von Menachen Mendel von Worki allgemein um eine demütige Haltung. Darum, dass man sein Ego zum Schweigen bringt, dass man sich nicht exponiert. Es geht um "sehen, aber NICHT gesehen werden". Verwirklichen im und bewirken aus dem Verborgenen.

    Und:

    Der Mensch ist beides - menschlicher und göttlicher Natur. "Knien", "schreien", "tanzen" sind seine Aufgaben auf Erden, die mit göttlichen Attributen "aufrecht", "lautlos", "unbewegt" verbunden werden müssen bzw. in ihnen aufgehen.

    Der folgende, ja schon bekannte Spruch kann AUCH als Kommentar zu Menachem Mendel gelesen werden (So wie ich seinerzeit M. Porete mit Menachem Mendel kommentierte):

    "Ein sehr langer Weg führt aus dem Land der Tugenden, in dem die Verirrten sich aufhalten, zu demjenigen der Vergessenen und der vernichtigten Nackten oder der Verklärten, die sich im höchsten Zustand befinden, da wo Gott in ihm selbst, aus ihm selbst gelassen wird. Er wird dann von jenen Kreaturen nicht erkannt, nicht geliebt und nicht gelobt, einzig nur insofern man ihn nicht erkennen, nicht lieben und nicht loben kann: Das ist der Inbegriff ihrer ganzen Liebe und das letzte Stück des Weges."

    (Marguerite Porete)

  • #3

    Jonas (Freitag, 03 November 2017 11:24)

    Ja Ruth und Clemens, ihr habt es wunderbar ausgedrückt -danke, es ist die "quies" oder "requies", die Ruhe, die Rast, die Wüste, das Nichts, das wir in uns finden und mit dem wir uns rück-verbinden müssen. Und aus dieser permanenten Verbindung heraus im Sein der Gegenwart Gottes aktiv in den Welten der Trennung handeln (knien, schreien und tanzen). Es ist (für mich) definitiv das letzte Stück des Weges, der hier zu gehen ist, in ihm münden vorher schon alle anderen Wege ein.