Dank

Rabbi Jakov war bei seinen jüngeren Schülern dafür bekannt, dass er bei den gemeinsamen Mahlzeiten mit ihnen in der Schul neben den Segenssprüchen für das Essen immer auch dem Höchsten einen herzlichen Dank bezüglich des aktuellen Tages formulierte. Er dankte für den Sonnenschein, die herrlichen Wolken am Himmel, das klare Wasser im Flüsschen von Schargorod, der Muraschka.


Wenn es regnete, dankte er für die Bewässerung der Feldfrüchte. Stürmte es, dankte er für die frische Luft aus den Bergen oder vom entfernten Meer. Immer fand er einen Grund für einen Dankesspruch.


Eines Tages aber war das Wetter und alles unter dem Himmel unglaublich unerfreulich: Es war kalt, regnerisch, stürmisch und grau. Die Wege waren matschig, die Feldfrüchte niedergedrückt, das Vieh auf den Weiden ließ die Köpfe hängen - und ebenso die Menschen, die sich draußen bewegen mussten. Die jungen Chassidim, die nach Stunden in der Schul wieder einigermaßen trocken geworden waren, fragten sich untereinander, was dem Rebben wohl heute für seinen Dankesspruch einfallen würde...


Als Rabbi Jakov ben Katz dann später am großen Esstisch aus zusammengeschobenen Pulten den Segen über die Mahlzeit gesprochen hatte, sagte er: "Und, Adonai, Ewiger, wir danken Dir aus tiefstem Herzen und mit ganzer Seele dafür, dass nicht jeden Tag solches Wetter ist."

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