Bennett-Zitate II

"Bhagvad Gita, 35. Vers der 3. Adhyaya: 'Besser das eigene Leben leben, selbst wenn es nicht sehr verdienstvoll ist, als das eines anderen, und mag es noch so gut gelebt sein. Der Weg eines anderen steckt voller Gefahren – das Heil liegt nur darin, dem eigenen Weg zu folgen.'" (S.228)

„Die Geschichte der Religionen und spirituellen Bewegungen zeigt, dass immer dann das Todesgeläut einsetzt, wenn das Suchen und Weitergehen vom Bewahren des Erreichten verdrängt wird.“ (S. 255)

„Es ist schwer, das preiszugeben, das man gern los wäre“ (S. 261)

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Kommentare: 5
  • #1

    Ruth Finder (Sonntag, 15 Oktober 2017 19:17)

    Noch ein paar Zitate zum ersten Zitat:

    Der Baalschem sagte: "Jedermann soll seiner Entwicklung entsprechend seinen eigenen Weg gehen. Geschieht dem aber nicht so und einer schaut darauf, wie weit es ein anderer auf seinem Wege gebracht hat, und ihm nachzutun trachtet und seinen eigenen Weg fahren lässt, dann werden nicht dieser und nicht jener durch ihn verwirklicht werden."

    "Könnten wir," sagte einmal Rabbi Nachum von Stepinescht zu den Chassidim um ihn, "unsere Leiden an den Nagel hängen, und stünde es uns frei, die zu wählen, die uns am besten gefielen, jeder holte sich die seinen wieder, denn alle anderen würden ihn noch schlimmer bedünken."

    Vor dem Ende sprach Rabbi Sussja von Annipole: "In der jenseitigen Welt wird man mich nicht fragen - 'Warum bist du nicht Mose gewesen?', man wird mich fragen. 'Warum bist du nicht Sussja gewesen?'"

  • #2

    Clemens (Montag, 16 Oktober 2017 16:17)

    Zu Spruch 2: Das geschieht, wenn man nicht mehr den Weg beschreitet, sondern daneben eine Herberge baut - und sie dann im falschen Geiste betreibt: Nicht den Reisenden dient, damit sie erfrischt weiterziehen können, sondern sie zum Bleiben zu zwingen versucht, um eine immer größere und prächtigere Herberge bauen zu können...

  • #3

    Maria (Montag, 16 Oktober 2017 21:16)

    zum 1. Zitat:
    Lange beschäftigte mich die Frage, wie man ist, wenn man spirituell ist, wie man werden soll, wenn man sich spirituell entwickelt. Da der spirituelle Prozess ein ablegen und ein mehr-werden ist und das nicht immer leicht ist, läuft man da vielleicht Gefahr, nach einer Art spiritueller Matrize (Gussform) zu suchen. Auch können falsche Vorstellungen von Spiritualität und Entwicklung, Lücken im Prozess oder Widerstände zum Versuch einer solchen „Lösung“ führen. Das wäre so, wie wenn eine Ringelblume versucht, eine Rose, eine Linde oder ein Adler zu werden und unglücklich ist, weil ihr daran keine rechte Annäherung gelingt.

    Jetzt weiß ich, und diese Freude möchte ich mit Euch teilen, dass die größte Gnade die ist, dass wir durch die spirituelle Entwicklung gerade das werden dürfen, was wir im Innersten, in unserer Reinform, bereits sind. Dass die größte Gnade Gottes die ist, dass wir uns durch die spirituelle Entwicklung gerade in unserer jeweiligen Individualität Ausdruck verleihen können. Und so das Göttliche in unserer ureigenen Form und Art ausdrücken. Deswegen sind Vergleiche mit spirituellen Weggefährten – neben anderen Aspekten – problematisch. Die Kunst und das Ziel der Wegarbeit besteht darin, das reine klare Licht in uns zu finden und leuchten zu lassen. Da sind die Möglichkeiten sicher unendlich groß, aber man muss seinen eigenen Weg suchen und gehen – und sich gleichzeitig an der Buntheit und Vielfalt der Welt erfreuen.

    Und über den Blogeintrag von Jonas zu Gotteserkenntnis und Selbsterfahrung (12.10.17) hat sich noch ein anderer Aspekt für mich deutlicher herausgeschält: Dass wahre Individualität als Ergebnis spiritueller Entwicklung immer mit einer Annäherung an Gott, einem Eins-Werden einhergeht. Dass der spirituelle Entwicklungsprozess letztlich ein Heil- und Ganz-Werden ist, und wir mit/ in Gott voll bewusst eins sind. Und das wiederspricht sich nicht, der Selbstausdruck der bewussten Individualität und die bewusste Einheit mit Gott.

  • #4

    Jonas (Dienstag, 17 Oktober 2017 13:57)

    zum Spruch 3:
    Auch wenn bereits intellektuelle Einsicht vorhanden ist wehrt sich die Alltagspersönlichkeit mit allen Mitteln gegen notwendige Veränderungen. Das führt mitunter zu recht zwiespältigen Reaktionen in uns. Beispielsweise wenn von uns unerwünschte Gefühle, wie etwa Neid, Mißgunst etc. auftreten und wir zeitgleich intellektuell erkennen, dass das eigentlich so nicht richtig ist. Was jetzt tun mit diesem Gefühl, das wir nicht wollen? Selbstverurteilung und - vorwürfe sind der falsche Weg, damit umzugehen, dadurch verstärken wir es nur. Wesentlich zielführender ist es, diese Gefühle sanft(!) durch die bereits gewonnene intellektuelle Einsicht zu belehren. Also das Gefühl als solches einmal zu akzeptieren (in der Form, dass es nun einmal da ist) und sich dann intellektuell damit auseinanderzusetzen mit dem Ziel, das negative Potential des Gefühles zu erkennen und ihm beim nächsten Anlass möglichst nicht mehr Ausdruck zu verleihen.

    Wenn wir das wiederholt so machen, wirken wir schrittweise in die richtige Richtung und schaffen es letztendlich auch, durch die wiederholte Selbst-Belehrung die gewünschte charakterliche Änderung herbeizuführen und zu festigen. Die göttliche Vorsehung ist hier ein sehr verlässlicher Partner, um uns in dieser Hinsicht zu trainieren, da sie uns immer wieder in Situationen bringt, wo wir daran arbeiten und uns bewähren können. Charakterliche Änderungen bedürfen der Zeit und gehen nicht von heute auf morgen. Da ist viel Weg-Arbeit notwendig.

  • #5

    Ruth Gabriel (Samstag, 21 Oktober 2017 17:31)

    Zum ersten Zitat noch ein Zitat aus dem Buch "Der Weg des Menschen" von Martin Buber (Danke R.F.):
    Dieses Einzige und Einmalige ist es, was jedem vor allem auszubilden und ins Werk zu setzen aufgetragen ist, nicht aber, noch einmal zu tun, was ein anderer, und sei es der größte, schon verwirklicht hat. Der weise Rabbi Bunam sagte einmal im Alter, als er schon erblindet war: "Ich möchte nicht mit Vater Abraham tauschen. Was hätte Gott davon, wenn der Erzvater Abraham wie der blinde Bunam würde und der blinde Bunam wie Abraham?"