Bennett-Zitate I

Maria: Ich las mit großem Interesse die Autobiographie von John G. Bennett (1897-1974) „Das Durchqueren des großen Wassers. Die Geschichte einer Suche“. Die Biographie ist sehr gut zu lesen, bildet seine lebenslange Suche innerhalb einer sehr bewegten historischen Phase sehr farbig und inspirierend ab, kommt mir auch sehr authentisch vor. Sie enthält interessante Impulse zum Nachdenken und Schauen. Hier einige Gedanken und Auszüge, die mich bewegt haben.

„...trug zur Erkenntnis bei, dass wir die inneren Auswirkungen unseres Handelns noch jahrelang mit uns herumtragen, auch wenn die äußeren Folgen längst verflogen sind. Mir wurde klar, dass wir von der Vergangenheit nur freiwerden können, wenn wir uns so tiefgreifend ändern, dass wir nicht mehr der Mensch sind, der einmal so gehandelt hat. Ein unehrenhafter Mann wird nicht schon dadurch ehrenhaft, dass er aufhört, unehrenhaft zu handeln - sondern erst durch den inneren Wandel, der es ihm unmöglich macht, unehrenhaft zu handeln.„ (S.113f)

 

„Ouspensky strebte an, bei seinen Zuhörern die Illusion zu zerstören, in denen der moderne, zivilisierte Mensch so gerne lebt. Immer wieder sagte er: „ Sie denken, Sie wissen, wer und was Sie sind: aber Sie wissen weder, was für Sklaven Sie jetzt sind noch wie frei Sie werden könnten. Der Mensch kann nichts tun: er ist eine Maschine, die von äußeren Einflüssen gelenkt wird – nicht von seinem eigenen Willen, der ist eine Illusion. Er schläft. Er hat kein beständiges Selbst, das er „Ich“ nennen kann. Weil er nicht einer ist sondern viele, sind seine Stimmungen, seine Impulse, ja sein ganzes Lebensgefühl nicht mehr als ein ständiges Hin und Her. Sie müssen nicht glauben, was ich Ihnen sage, aber wenn Sie sich selbst einmal beobachten, werden Sie finden, dass es wahr ist. Machen Sie ein Experiment: Versuchen Sie, Ihrer eigenen Existenz inne zu sein, und Sie werden merken, dass Sie sich nicht mal für zwei Minuten an sich selbst erinnern können. Wie kann ein Mensch, der nicht erinnern kann, wer oder was er ist, der die Kräfte hinter seinen Aktionen nicht kennt, vorgeben, er könne irgendetwas tun? Nein. Die erste Wahrheit, die es zu begreifen gilt, ist, dass Sie und ich und alle Menschen Maschinen sind. Der Mensch hat nicht die Kraft, sein eigenes Privatleben zu lenken, und im gesellschaftlichen oder politischen Leben ist er genauso hilflos.“ (S.126)

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Kommentare: 2
  • #1

    Clemens (Samstag, 14 Oktober 2017 19:14)

    Das erste Zitat beschreibt gut den Unterschied zwischen dem Beschreiten des Karma-Pfades und dem Beschreiten des Weg-Arbeiter-Pfades. Auf dem ersten wird der "unehrenhafte Mann" durch leidvolle Erfahrungen schließlich ehrenhaft. Er wird im Feuer der Welt geläutert! Auf dem zweiten Pfad geschieht die (unterstützte) Läuterung im inneren Feuer ohne leidvolle äußere Erfahrung.

    In Wirklichkeit verläuft der Prozess irgendwo zwischen diesen Extremen - wünschenswerterweise so nah wie möglich am zweiten Pfad und sich ihm weiter annähernd.

  • #2

    Clemens (Sonntag, 15 Oktober 2017 19:21)

    Zitat zwei: Mensch gleich AP - sonst würde ich dem eher nicht zustimmen.