Gotteserkenntnis und Selbsterfahrung

Jonas via "Kommentare" (Mittwoch, 11 Oktober 2017 21:46)

 

Gotteserkenntnis und Selbsterfahrung

"Eine Gottesbegegnung besteht immer aus Gotteserkenntnis und Selbsterfahrung. Gott in sich zu erkennen und sich in Gott zu erkennen, sind zwei Seiten einer Münze. Man kann sie nicht trennen. Es gibt keine Begegnung mit Gott, die nicht zu gleicher Zeit eine Begegnung mit sich selbst wäre. Es kann auch keine Selbsterfahrung geben, die nicht gleichzeitig eine wachsende Gotteserkenntnis schenken würde."

(Franz Jalics in "Kontemplative Exerzitien)

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Kommentare: 2
  • #1

    Clemens (Donnerstag, 12 Oktober 2017 14:17)

    Der Spitzfinder hat einen Spitz gefunden. Nehmen wir ihn als ergänzende Überlegung. Die Sache mit der Münze und den zwei Seiten ist ja geläufig und wird auch von uns häufiger herangezogen. Von unserer Herkunft als in den Trennungswelten verirrte Wesen sind wir ja durch und durch dualistisch. Daher neigen wir dazu, bei der Formulierung mit der Münze vor allem auf die ZWEI SEITEN zu schauen - und vergessen allzuleicht, dass eben auch von EINER MÜNZE gesprochen wird.

    "Gott in sich erkennen und sich in Gott erkennen" ist eben das Erkennen beider Seiten. Zu den MeditationsVERTIEFUNGEN (also tieferen Versenkungen als die von Jalics erwähnte) zählt aber in verschiedenen spirituellen Ansätzen eben gerade die Überwindung der Wahrnehmung der Trennung. Zwischen Subjekt und Objekt wird nicht mehr unterschieden, zwischen Individuum und Gott, zwischen Innen und Außen. Die MÜNZE wird als MÜNZE wahrgenommen - oder noch weitergehender: nicht einmal mehr als das. Münze und Nicht-Münze werden eins/keins.

  • #2

    Clemens (Donnerstag, 12 Oktober 2017 14:25)

    "Es kann auch keine Selbsterfahrung geben, die nicht gleichzeitig eine wachsende Gotteserkenntnis schenken würde." Ich würde das unterschreiben. Es ist jedoch eine weitreichende Hypothese - im Gegensatz zu dem Satz davor, da dort der Selbst-Beleg zumindest graduell eingebunden ist.

    Die Frage wäre ja dann: Wenn es keinen Gott gäbe (was wir in den Trennungswelten ja nicht ganz ausschließen dürfen, da es hier praktisch keine Hundertprozentigkeiten gibt) - könnte es dann keine Selbsterfahrung geben? Das würde ich stark bezweifeln! Allerdings könnte man bei der Selbsterfahrung eines Atheisten/Agnostikers behaupten, dass er lediglich die Gotteserfahrung ausblenden würde... Aber wie schon angedeutet, zweifelsfrei belegen ließe sich das nicht.