Urteilsvermögensillusion

Die Betrachtung zum Thema "Urteilen" habe ich (Jonas) interessanterweise auf einer Wirtschaftsseite, dem Goldseitenblog gefunden. Der Autorin mit dem Pseudonym "Freigeist Maria" geht es in der fünfteiligen Artikelserie darum, dass die Menschen sich nicht nur materiell, sondern auch seelisch auf einen einschneidenden Wirtschaftszusammenbruch einstellen und bietet hier einige grundlegende Gedanken dazu an, die ich überlegenswert finde. Ich habe den Text aus dem Blog extrahiert und ein wenig bearbeitet:

Mental unbeschadet durch die Krise Teil 2 – Die Illusion der Existenz menschlichen Urteilsvermögens


von Freigeist Maria 14.12.13 02:32:05

Menschen urteilen permanent über Mitmenschen, im Großen wie im Kleinen, sei es die Entscheidung über Krieg und Frieden, bis hin zum Kritisieren des Kleidungsstils des Nachbarn.

Auf welcher Grundlage beruht menschliche Wahrnehmung, die zu menschlicher Urteilsbildung führt?

Wir haben beschränkte Sinnesorgane, unser Auge vermag nicht durch ein Blatt Papier zu sehen, unser Ohr ist nicht in der Lage weiter als wenige 100 Meter zu hören.


Selbst wenn wir Sinnesorgane hätten, die gleichzeitig die gesamte Welt sehen und hören könnten (da erblässe selbst die NSA vor Neid), so hätten wir keinerlei Erinnerung an die gesamte Vergangenheit der Menschheitsgeschichte, alle Vorkommen, die dem Jetzt vorausgegangen sind und zu der aktuellen Situation geführt haben.


Selbst wenn wir überdies auch noch eine Wahrnehmung in allen zeitlichen Dimensionen hätten, so wäre diese Wahrnehmung immer noch vollkommen verzerrt durch den Filter unserer eigenen Weltanschauung.

Ein Goldbarren wird von einem Goldseitenleser „mit anderen Augen“ gesehen, als von einem Fondmanager klassischer Anleihefonds, dieser wiederum wird diesen anders beurteilen als ein Goldmienenarbeiter.

Unsere Wahrnehmung ist durch unsere Einstellungen zu Themen extrem verzerrt, genauso wie unsere Kommunikation. Es gibt mittlerweile eine Wissenschaft die sich mit den „Filtern im Gehirn bei Kommunikationsfehlübertragung“ beschäftigt, die Memetik.

Kurzum, unsere Wahrnehmung ist vollkommen unobjektivierbar, da höchst individualisiert und unterschiedlich. Der Mensch interpretiert in die tatsächlichen Sinnesreize das hinein, was er wahrzunehmen wünscht.

Noch schlimmer ist es mit dem Wissen über die Gedanken des andern Menschen. Im ersten Teil der Serie haben wir uns mit der Macht der Gedanken befasst, und deren Wichtigkeit als Vorläufer menschlichen Tuns und Handelns herausgearbeitet. Jedem Handeln geht ein Gedanke voraus, also könnte man bestenfalls die Gedanken beurteilen, unabhängig davon, ob eine Handlung folgt oder nicht.


Nun ist es aber aktuell so, dass Menschen die Gedanken anderer nicht kennen, schon gar nicht in einem globalen Maßstab.

Trotzdem maßen wir uns an, aufgrund einer mangelhaften, unvollständigen Wahrnehmung, einer Unkenntnis der gesamten Vergangenheit, einer Prägung und Filterung aller Wahrnehmung, Gedanken und Kommunikation durch unser Weltbild, sowie der Unkenntnis der Gedanken und Weltbilder aller anderer Menschen, zu urteilen!

Menschen schaffen noch nicht einmal, übereinstimmend, Urteile als „gut“ oder „schlecht“ zu klassifizieren, zumal das kulturell und situationsabhängig höchst unterschiedlich ausfällt. Ein Tierschützer wird Jagd anders bewerten als ein Jäger, trotzdem die Jagd den Menschen in der Eiszeit ernährt hat.


Zur Verdeutlichung ein absichtlich hart gewähltes Beispiel: Die Kindersoldaten in Afrika.

Kindern wir unendliches Leid zugefügt, indem man vor ihren Augen ihre Eltern brutalst umbringt, und nachher die Leichen schändet. Die Kinder bekommen einen gewaltigen psychischen Schaden, und werden dann gezwungen als Soldaten zu kämpfen.


Da diese Kinder in Ihrem Leben vollkommen traumatisiert wurden, kämpfen sie selbst brutalst und ohne jegliches Mitgefühl – ärger als jede Kriegsmaschine.

Kann man nun über die Verbrechen, die so ein Kindersoldat begeht, in all diesem Kontext als Mensch urteilen?


Ist überhaupt irgendein Mensch in der Lage, vor allem wenn Ihm nicht ähnliche Gräueltaten in jungen Jahren widerfahren sind, die Taten eines Kindersoldaten auch nur ansatzweise zu bewerten?

Konklusion

Aufgrund dieser massiven Begrenzung der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung ist es Menschen absolut unmöglich, ein gerechtes Urteil im ethischen Sinn zu sprechen.

Wir MÜSSEN zu der Erkenntnis kommen, nicht das wir nicht urteilen SOLLEN, sondern das wir es nicht KÖNNEN.

Insofern fällt es auch nicht schwer eine Fähigkeit aufzugeben, die man nie hatte. Mit dieser Erkenntnis gibt man eine reine Illusion auf, oder besser, man hat eine Illusion des Aufgebens – man ist nur ehrlicher zu sich selbst.

Wer will schon beurteilen, ob unsere Politiker, die wie Marionetten vor sich hin tanzen, das Spiel vielleicht entweder nicht durchschaut haben, oder wenn doch, nicht vielleicht in irgendeiner Form erpresst werden.


Wer will beurteilen ob die, die hinter ihnen die Fäden ziehen, nicht vielleicht aus ernster Sorge der Überbevölkerung die Macht an sich reißen, um diese dann reduzieren zu wollen?


Oder eben durch ein bewusst zugefügtes Trauma in der Kindheit für ebendiese Rolle vorbereitet wurden? Wir können es als Menschen nicht wissen.

Beurteilen können wir - ob eine gegenwärtige Situation unser Leben beeinflusst, zumindest in dem verzerrten Maße, wie unsere Wahrnehmung und der Filter dahinter es zulässt.

Beurteilen können wir - ob uns der Gedanke einer besseren Welt für alle gefällt, und ob wir bereit sind, dafür Schritte zu tun.


Beurteilen können wir - durch Selbstreflexion, ob wir vielleicht auch den einen oder anderen Filter finden, der durch seinen Nebel uns die Sicht auf eine ganzheitlichere, allumfassendere Betrachtungsweise versperrt.

Wenn wir das Urteilen über Menschen (im moralischen Sinn) aufgeben, werfen wir damit eine gewaltige Last ab, die Last der moralischen Verantwortung, die wir uns durch das Urteilen aufbürden.


Wie leichtfüßig lässt es sich leben, wenn man sich nicht über die scheinbaren Verfehlungen der Mitmenschen aufregt (zumindest solange sie einem nicht direkt selbstbenötigte Lebensresourcen entziehen), sondern sie alle in ihrer jeweils eigenen Welt Ihrer jeweils eigenen Ansichten schaffen lassen.

Schließlich minimiert man damit ja die eigenen negativen Gedanken, wenn man nicht den Kleidungsstil des eingangs erwähnten Nachbarn beurteilt, der das eigene Leben ja gar nicht betrifft; es kann nicht nur modebewusste Menschen auf dieser Welt geben.

Die Intuition

Der Mensch verfügt aber noch einen 2. Weg der Urteilsfindung parallel zu Wahrnehmung und dem Verstand, dem Bauchgefühl, der Intuition.


Wenn man die Intuition trainiert, um sie von Ängsten, Wünschen und Vorstellungen des Gedächtnisses unterscheiden zu können, kommen erstaunliche und präzise Urteile zu Tage. Diese Fähigkeit ist dem Menschen angeboren, und war Teil der allermeisten früheren Gesellschaften, die ohne Technik allen Herausforderungen, die die Natur Ihnen stellte, trotzten.


Sie waren erfolgreich und konnten Ihre Gene bis heute weitergeben, damit wir jetzt auf diesem Planeten sein können.

Vielleicht sollten wir diese Urfähigkeit des Menschen mit ein wenig mehr Achtung betrachten, die der Menschheit solange gute Dienste geleistet hat, und das nächste Mal etwas nicht tun, wenn wir ein schlechtes Bauchgefühl haben.

Die Entdeckungen die man mit so einer Einstellung machen kann sind spannend und unerwartet, Heilung auf allen Ebenen miteingeschlossen.

Beim nächsten Mal möchte ich über das Verzeihen schreiben, und seine Wichtigkeit für die körperliche und geistige Gesundheit im ganzheitlichen Sinn.

Danach gehe ich den großen Fragen der Menschheit auf den Grund, zum Schluss möchte ich den Gegenplan zur NWO vorstellen.

Bis dahin wünsch ich euch viele fruchtbare Erkenntnisse auf Eurem Weg,


Eure Maria

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Kommentare: 2
  • #1

    Clemens (Mittwoch, 11 Oktober 2017 16:25)

    Hier übrigens alle Texte im Original: http://www.goldseitenblog.com/maria/index.php

  • #2

    Ruth Finder (Donnerstag, 12 Oktober 2017 10:41)

    Ein sinnvoller Ansatz und es ist gut, sich darüber Gedanken zu machen.

    Aber nur so am Rande:

    "Wie leichtfüßig lässt es sich leben, wenn man sich nicht über die scheinbaren Verfehlungen der Mitmenschen aufregt (zumindest solange sie einem nicht direkt selbstbenötigte Lebensresourcen entziehen), sondern sie alle in ihrer jeweils eigenen Welt Ihrer jeweils eigenen Ansichten schaffen lassen.
    Schließlich minimiert man damit ja die eigenen negativen Gedanken, wenn man nicht den Kleidungsstil des eingangs erwähnten Nachbarn beurteilt, der das eigene Leben ja gar nicht betrifft; es kann nicht nur modebewusste Menschen auf dieser Welt geben."

    Man muss sich das förmlich auf der Zunge zergehen lassen: "... ES KANN NICHT NUR MODEBEWUSSTE MENSCHEN AUF DER WELT GEBEN"!

    Nach dem Motto:
    Er: "Schatz, kuck dir an, was der da aus dem dritten Stock für komische Sachen anhat!"
    Sie: "Liebling, lass ihn doch! Nicht alle sind eben so modebewusst wie wir."

    Also doch nicht so leichtfüßig? Auch die Verklärung früherer Generationen ist ein wenig fragwürdig.

    Aber wir wollen nicht urteilen. ^^