Philippus 2.048

Spruch 123: Als Abraham [...] so dass er das sah, was er sehen sollte, beschnitt er das Fleisch der Vorhaut, wodurch er uns zeigt, dass es notwendig ist, das Fleisch zu vernichten. Viele Dinge der Welt haben nur Bestand und leben, solange ihr Inneres verborgen ist. Wenn sie sichtbar werden, sterben sie gemäß dem deutlichen Beispiel des sichtbaren Menschen: Solange die Eingeweide des Menschen verborgen sind, lebt der Mensch. Wenn seine Eingeweide zum Vorschein kommen und aus ihm herauskommen, stirbt der Mensch. So verhält es sich auch mit dem Baum. Solange seine Wurzel verborgen ist, sprießt er und lebt. Wenn seine Wurzel sichtbar wird, verdorrt der Baum. So verhält es sich mit jedem Gezeugten in der Welt, nicht nur mit den Sichtbaren, sondern auch mit den Verborgenen. Denn solange die Wurzel der Bosheit verborgen ist, ist sie stark. Wenn sie aber erkannt wird, hat sie sich aufgelöst. Wenn sie sich aber zeigt, ist sie dahingeschwunden. Deshalb sagt der Logos: 'Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt.' Sie wird nicht abgehauen werden. Was man abhauen wird, sprießt wieder. Sondern die Axt gräbt hinunter bis zum Grund, bis sie die Wurzel heraufbringt. Jesus riss die Wurzel des ganzen Ortes aus, andere aber nur teilweise. Was uns aber betrifft, jeder von uns soll graben nach der Wurzel der Bosheit, die in ihm ist und (sie) herausreißen mit ihrer Wurzel aus seinem Herzen. Sie wird aber herausgerissen werden, wenn wir sie erkennen. Wenn wir sie aber nicht erkennen, schlägt sie Wurzel in uns und bringt ihre Früchte in unserem Herzen hervor. Sie ist Herr über uns, wir sind ihre Knechte. Sie nimmt uns gefangen, auf dass wir tun, was wir nicht wollen. (Und) was wir wollen, tun wir nicht. Sie ist mächtig, weil wir sie nicht erkannt haben. Solange sie existiert, wirkt sie. Die Unwissenheit ist die Mutter von allem Bösen. Unwissenheit dient dem Tode, denn die aus der Unwissenheit stammen, waren weder, noch sind sie, noch werden sie sein. [...] sie werden vollendet werden, wenn die ganze Wahrheit offenbar wird. Die Wahrheit nämlich ist wie die Unwissenheit: Wenn sie verborgen ist, ruht sie in sich. Wenn sie sich aber offenbart und erkannt wird, pflegt man sie zu preisen, weil sie mächtiger ist als die Unwissenheit und der Irrtum. Sie gibt Freiheit. Der Logos sprach: ,,Wenn ihr die Wahrheit erkennt, wird die Wahrheit euch frei machen." Die Unwissenheit ist Sklave. Die Erkenntnis ist Freiheit. Wenn wir die Wahrheit erkennen, werden wir die Früchte der Wahrheit in uns finden. Wenn wir uns mit ihr verbinden, wird sie unsere Fülle bringen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Jonas (Donnerstag, 05 Oktober 2017 11:50)

    In dieser Aussage ist meines Erachtens eigentlich die gesamte Weg-Arbeit enthalten, sie stellt in sich schon ein vollständiges System dar und ich halte sie deshalb für einen der zentralen Aussagen der Lehre Christi: "Wenn ihr die Wahrheit erkennt, wird die Wahrheit euch frei machen".

    Dazu stellen sich zwei Fragen: Worüber erkennen wir die Wahrheit und wovon wird sie uns freimachen? Die einfache und doch extrem tiefgehende Antwort, die mir in den Sinn kommt, ist, dass wir die Wahrheit über uns selbst erkennen und dadurch frei werden - von uns selbst. Wir erkennen, wie wir als Selbst konstruiert sind, dass unsere Alltagspersönlichkeit nur ein Ausdruck von uns als höheres Selbst ist und die AP keine eigenständige Daseinsberechtigung hat. Sie ist der mit uns eins gewordene Diener, unser Vehikel, das wir in den Welten der Trennung benötigen, um uns Ausdruck verleihen zu können. Nicht mehr und nicht weniger. Wir müssen der AP, wenn wir uns mit ihr verwechselt haben, wieder den ihr gebührenden Platz zuweisen. Erst dann sind wir wirklich frei.