Philippus 2.045

Spruch 114: Wer gegen seinen Willen Sklave ist, wird frei werden können. Wer frei geworden ist durch die Gnade seines Herrn und sich selbst verkauft hat in eine Sklaverei, wird nicht mehr frei werden können.

Spruch 115: Die Landwirtschaft der Welt (besteht) durch vier Dinge. Man erntet in die Vorratskammer durch Wasser und Erde und Wind und Licht. Die Landwirtschaft Gottes (besteht) ebenso durch vier: (durch) Glauben und Hoffnung und Liebe und Erkenntnis. Unsere Erde ist der Glaube, in dem wir Wurzel fassen. Das Wasser aber ist die Hoffnung, durch sie ernähren wir uns. Der Wind ist die Liebe, durch ihn wachsen wir. Das Licht aber ist die Erkenntnis, durch sie reifen wir.

Spruch 116: Die Gnade existiert [auf vier Weisen], sie ist irdisch, sie ist Herr [himmlisch ...] der höchste Himmel; [...] in [...Sel]ig ist der, der keine Seele [betrübt] hat. Dieser ist Jesus Christus. Er kam zu dem ganzen Ort und belästigte niemanden. Deswegen ist der so Beschaffene selig, denn er ist ein vollkommener Mensch. Denn dieser (ist) der Logos.

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Kommentare: 6
  • #1

    Clemens (Freitag, 29 September 2017 10:26)

    zu 114) Eine kleine Portion psychologischer Druck, gedacht wohl als Ansporn, spirituell gesehen aber zweifellos unzulässig und auch nicht zutreffend.

    Vielleicht aber auch diffiziler zu denken. Möglicherweise wird zwischen frei geworden durch Gnade und frei geworden durch Eigenleistung unterschieden. Und Gnadenfreiheit wäre demzufolge nicht durch zeitnahe erneute Gnadenfreiheit ersetzbar, wenn man sich "bewusst" gegen die Freiheit entschieden hätte. Bei Freiheit durch Eigenleistung würde ich keinesfalls davon ausgehen, dass etwas gegen erneutes Freiwerden spräche.

  • #2

    Jonas (Freitag, 29 September 2017 19:46)

    zu 115: Die Aussage "Man erntet in die Vorratskammer durch Wasser und Erde und Wind und Licht." könnte man für sich betrachtet auch anders interpretieren: Die "Ernte", die wir einbringen, sind unsere Erfahrungen, die wir in den Welten der Trennung sammeln und die wir in unserer Vorratskammer (= unsere Seele) in Form von Wachstum, Weisheit, Vervollkommnung, Reifung einbringen.

    Als inkarnierte Wesen können wir in die Vorratskammer nur ernten durch die Verwendung von Wasser (unser psychischer Körper), Erde (der materielle Körper), Wind (unser noetischer Körper) und Licht (Inspiration, Führung durch höhere Ebenen).

  • #3

    Jonas (Montag, 02 Oktober 2017 13:11)

    zu 116) In diesem Logion werden (absolut) vollendete Meister/Jesus so beschrieben, dass sie niemanden mehr betrüben oder auch nur belästigen. Für einen Weg-Arbeiter ist das ein weit entferntes Endziel, denn in unseren Wechselwirkungen mit der Welt schaffen wir immer negative Folgen für andere, das lässt sich gar nicht vermeiden. Beispielsweise so gut wie jede Nahrung, die wir zu uns nehmen, jedes Transportmittel, welches wir benutzen, hat in irgendeiner Form negative Auswirkungen auf die Umwelt und damit auch auf die Menschen. Es ist also eine Illusion, dass man nicht auf irgend eine Art und Weise "schuldig" wird.

    Wir können uns aber sehr bemühen, im Umgang mit unseren Mitmenschen und der Welt diese Schuld auf ein Minimum zu reduzieren. Hier sind wir gefordert, vor allem durch Verzicht. Denn solange wir nicht eine umfassende Schau haben, wissen wir nicht, welch weitreichende Auswirkungen unser Handeln hat.

    Der Autor von 116) räumt zum Schluss auch indirekt ein, dass es sich bei seiner Beschreibung um ein zu erreichendes Ziel handelt, da er schreibt, dass ein Mensch, der niemanden mehr betrübt, vollkommen und dem Logos gleichzusetzen wäre, also Gott gleich geworden ist. In dieser Hinsicht haben wir noch einen langen Weg vor uns.

  • #4

    Ruth Finder (Montag, 02 Oktober 2017 17:22)

    zu 116) Ich habe mir im Zuge des Spruches einige Gedanken über Gnade gemacht, die auch zu Jonas Kommentar passen würden.

    Gnade an sich ist kein - oder weniger - ein Geschenk, das man bekommt und nichts daraus macht, sondern ein Mittel zum Zweck. Und dieser ist Entwicklung und Verwirklichung. Gnade ist nicht passiv, sondern ist dazu "gedacht", eine aktive Handlung hervorzurufen und eine Wirkung zu erzielen. Dem Autor des Spruches zufolge "existiert die Gnade "auf vier Weisen". Ich habe "meine" Vier ausgemacht:

    Die Gnade der Geburt - damit wir Erfahrungen in den Welten der Trennung machen und, daraus lernend, wachsen;

    die Gnade der Führung (durch edle Freunde, Lehrer, spirituelle Gemeinschaft), um weiter zu kommen;

    die Gnade der Erkenntnis (Welterkenntnis, Selbsterkenntnis), die uns als Kompass dient und ausrichtet;

    die Gnade der erlebten Einheit mit dem Höchsten (spontane, aber in ihrer Wirkung weitreichende Erleuchtungs- und Durchbrucherlebnisse verschiedener Arten und Grade bis zum dauerhafteren und willentlichen Einssein in Gott im Alltag) - das Lebendige schlechthin.

    Also um - nach Jonas - "das weit entfernte Endziel" zu erreichen und für das Beschreiten "eines langen Weges vor uns", gnade uns Gott!

  • #5

    Jonas (Montag, 02 Oktober 2017 21:08)

    Ich empfinde es genau so wie Du, Ruth, danke für diese stimmige Darstellung des Gnadenaspekts unserer Entwicklung. Hat mich sehr bewegt.
    Kyrie eleison!

  • #6

    Simon (Dienstag, 03 Oktober 2017 01:36)

    zu 114:
    Man könnte es positiv umformulieren. Wer frei geworden ist, ob durch Eigenleistung oder der Gnade des Herrn und in die Unfreiheit zurückfällt, dem wird die Gnade zuteil, sich der absoluten Freiheit zu nähern.