Blind, taub, stumm

Uns wird geraten, im Innern stumm zu sein, kein Wort, auch nicht das vergeistigste zu reden. Je größer das Schweigen ist, in dem wir zu Gott beten, umso deutlicher hört er uns und umso eher gewährt er unsere Bitte. (...) Und der Herr gibt denen, die schweigen, schnell, was sie ersehnen.

Wir müssen hervorheben, dass der Stumme natürlicherweise auch taub ist. Übertragen besagt das für uns, dass der im Innern Stumme, der keine Gedanken mehr formt, auch taub sein muss für alles, was von außen auf ihn eindringen und ihn beunruhigen will.

Ebenso müssen wir die drei Worte - blind, taub, stumm – auf unsere Seelenvermögen anwenden: der Verstand sei blind, indem er sein Wissen, das ihn ablenken könnte, nicht benutzt; der Wille sei taub für die von Gott hinwegführende Liebe zu den Geschöpfen; das Gedächtnis sei stumm, erzeuge keine inneren Reden, damit Jesus eintreten kann: waren doch auch die drei Türen des Abendmahlsaales geschlossen, als der Auferstandene zu den Jüngern trat. Nur durch die Tür der inneren Zuwendung kommt Gott in die Seele.

 

(Francisco de Osuna, 1492- um 1542)

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