Philippus 2.043

Spruch 109: Wie Jesus das Wasser der Taufe vollendet hat, so goss er den Tod weg. Deswegen steigen wir zwar hinunter in das Wasser, wir gehen aber nicht hinunter in den Tod, damit wir nicht ausgegossen werden in den Geist der Welt. Wenn er weht, lässt er den Winter entstehen; wenn der Heilige Geist weht, wird es Sommer.

Spruch 110: Wer die Erkenntnis der Wahrheit hat, ist frei. Der Freie aber sündigt nicht; denn ,,wer die Sünde tut, ist der Sklave der Sünde." Die Mutter ist die Wahrheit, die Erkenntnis aber ist der Vater. Diejenigen, die denken, dass es nicht zu ihnen passt zu sündigen, nennt die Welt ,Freie' - die, die denken. Erkenntnis der Wahrheit erhebt (die) Herzen, das heißt: Sie macht sie frei und lässt sie sich über den ganzen Ort erheben. Die Liebe aber erbaut. Wer aber frei geworden ist durch die Erkenntnis, ist ein Knecht wegen der Liebe zu denen, die die Freiheit der Erkenntnis noch nicht aufnehmen konnten. Die Erkenntnis aber macht sie tauglich, dass sie frei werden. Die Liebe nennt nie etwas ihr eigenes [...] sie [...] besitzt [...]. Sie spricht nicht: ,,Das gehört dir nicht." oder ,,Das gehört mir.", sondern (sie spricht): ,,Alles gehört dir."

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Kommentare: 2
  • #1

    Ruth Gabriel (Montag, 25 September 2017 18:55)

    Zu 110):
    Wir brauchen unseren Verstand, um die Wahrheit zu erkennen. Dann müssen wir darüber hinaus gehen und das Denken hinter uns lassen, so wie es viele Mystiker wie z.B. M. Porete beschrieben haben. Erst tun wir, weil es „richtig“ ist. Wenn wir darüber hinausgehen, tun wir aus reiner Liebe zu Gott und geben unseren Eigenwillen auf, geben uns hin um ganz Ausdruck von Gottes Willen zu sein.
    „Die Liebe nennt nie etwas ihr eigenes denn sie besitzt nicht und denkt nicht. Sie spricht nicht: „Das gehört dir nicht.“ oder „Das gehört mir.“, sondern sie spricht: „Alles gehört dir.“

  • #2

    Clemens (Donnerstag, 28 September 2017 10:13)

    zu 109) Ein ziemlich "theologischer" Spruch. Jesus hat in der Welt alle vorgesehenen Stufen durchlaufen. Volontariat (Wassertaufe), Aspiranz, Mitglied der ESG (Brautgemach) und "abschließende" Meisterschaft - hier auf Wassertaufe reduziert. Jesus tat dies, wenn wir ihn klassisch als verkörperten Gott sehen, nicht, weil er es nötig hatte, sondern um seine Menschwerdung ganz zu vollenden. Nach Beendigung des Durchlaufes durch die Stufen hat er, recht verkürzt gesehen, auch den Tod als Notwendigkeit überwunden.

    "Wir" nehmen auch die Taufe (etc.) - und zwar auch im Geiste (der Ausrichtung) der schließlichen Überwindung des Todes und damit der Welt. Eben darum vermeiden wir möglichst die Ausgießung in den Geist der Welt (die Verwicklung).

    Der Geist der Welt lässt Winter (Tod) entstehen. Der Heilige Geist bewirkt Sommer (Leben).