Philippus 2.041

Spruch 105: Ist es nicht angemessen für alle, die das alles haben, dass sie sich selbst erkennen? Einige aber, wenn sie sich nicht selbst erkennen, werden nicht genießen, was sie haben. Die anderen, die sich erkannt haben, werden sie (sicher: ihre Besitztümer) genießen.

Spruch 106: Der vollkommene Mensch wird nicht nur nicht festgehalten werden können, sondern wird (auch) nicht gesehen werden können. Denn wenn er gesehen wird, wird er festgehalten werden. Auf andere Art wird sich niemand diese Gnade erwerben können, außer wenn er sich mit dem vollkommenen Licht bekleidet und selbst zum vollkommenen Licht wird. Der, der es angezogen hat, wird gehen [...]. Dieser ist der Vollkommene [...].

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Kommentare: 3
  • #1

    Clemens (Mittwoch, 20 September 2017 18:34)

    zu 105) Der Begriff "Besitztümer" als Ergänzung scheint mir zu kurz gefasst, wenn man dabei nur an materielle Besitztümer denkt. Ich sähe unter "alles haben" auch so etwas wie Potential, Informationen, Rechtleitung usw.. Für die, die auf diese Weise "alles haben" ist es in der Tat angemessen, "dass sie sich selbst erkennen".

    Und sich selbst erkennen scheint mir zweierlei. Selbsterkenntnis als höchste Form von Erkenntnis (was zugegebenermaßen eine Hypothese ist - die mir aber spirituell passend erscheint), und konkret eben Selbsterkenntnis als Erkennen der Struktur AP/HS, des Erkennens, dass die AP Ausdruck des HS ist, und des Potentials des HS zur Annäherung an das Höchste, zum Werden des Höchsten. Und nicht zu vergessen die andere Seite: Das Erkennen der AP als Ausdrucksrealität. Dass und was sie eben tatsächlich ist mit ihren Mängeln und Defiziten. Das auszuhalten und sich dem wohlwollend zu stellen und in die Modifikationsarbeit einzusteigen.

    Und freilich dürfen/werden wir - "wir" in aller Demut und gewiss, dass Selbsterkenntnis lange, lange nur graduell sein wird - genießen, was wir haben. Frei und unabhängig!

    Und freilich werden die, die sich nicht selbst erkennen, die unerkannten Inhalte auch nicht genießen können.

  • #2

    Jonas (Donnerstag, 21 September 2017 08:28)

    zu 106) Wenn wir dann auf unserem Weg der Selbsterkenntnis schon weit fortgeschritten sind, haben wir unsere Alltagspersönlichkeit so weit gereinigt und uns selbst so weit modifiziert, dass wir für die mannigfaltigen Verlockungen der materiellen Welten nicht mehr angreifbar sind, sie können uns nicht mehr "festhalten". Negative Elementale, die auf der Suche nach Wirten sind, um sich revitalisieren zu können, finden bei uns dann keine Resonanz mehr, sie gehen einfach durch uns hindurch, sie "sehen uns nicht".
    Spruch 106 lässt aber auch eine naheliegendere Interpretation zu, nämlich dass Meister die Fähigkeit haben, sich anderen gegenüber zu Verbergen bzw. sich im Extremfall auch dematerialisieren können, wie es beispielweise in der Bibel von Jesus berichtet wird.
    Zu so einem Grad der Entwicklung kommt man nur, wenn man sich "mit dem vollkommenen Licht bekleidet", also so rein wird, dass wir zum Licht (Christus) werden. Weg-Arbeit ist hier der Schlüssel.
    Dann besteht auch keine Notwendigkeit mehr zu inkarnieren: "Der, der es (das Licht) angezogen hat, wird gehen..." Trotzdem bleiben Meister aus Liebe auch hier, um uns auf unserem Weg zu unterstützen.

  • #3

    Ruth Finder (Freitag, 22 September 2017 09:51)

    zu 106) Ich habe den Gnadenaspekt beim Lesen des Spruches gleich dem zweiten Satz zugeordnet.

    Der Mensch lebt bildlich gesprochen "in der Dunkelheit". Er kann sich und alles andere nicht/kaum/wenig sehen und es ist schwierig für ihn, einen Halt, einen Weg zu finden. Durch die Gnade des Heiligen Geistes wird er eines Tages das Licht Gottes empfangen und sich als geistiges, lichtes Wesen erkennen (sich so sehen) und er wird in diesem Lichte nach und nach sein ganzes Tun festigen (sich an diesem Ideal, an diesem Ziel festhalten/ausrichten) - also wird er zum "Licht werden". Der Mensch, "der es (das Licht) angezogen hat, wird gehen" können, und zwar einen erleuchteten, sichtbaren Weg, statt im Dunkeln umherzuirren. Und die Gnade ist eine doppelte, denn je lichter ein Mensch wird, desto besser wird er aus der höheren Warte gesehen und unterstützt - er wird wohlwollend im Blick be(festge)halten.