Philippus 2.039

Spruch 100: Der Kelch des Gebetes enthält Wein, enthält Wasser, das als Sinnbild des Blutes dient, über dem gedankt wird. Und er ist gefüllt mit dem Heiligen Geist, und er gehört ganz dem vollkommenen Menschen. Wenn wir diesen trinken, werden wir für uns den vollkommenen Menschen empfangen.

Spruch 101: Das lebendige Wasser ist ein Körper. Wir müssen den lebendigen Menschen anziehen. Deshalb entkleidet er sich, wenn er kommt, zum Wasser hinunterzusteigen, damit er jenen anzieht.

Spruch 102: Ein Pferd zeugt ein Pferd. Ein Mensch zeugt (einen) Menschen. Ein Gott zeugt (einen) Gott. Ebenso verhält es sich mit [dem Bräutigam und der Braut]. Sie entstanden [...] kein Jude [...] aus [...] entstand und [...] aus den Juden. [...] Christen, [...] man nannte diese das auserwählte Geschlecht von [...] und den wahren Menschen und den Sohn des Menschen und den Samen des Sohnes der Menschen. ,Dieses wahre Geschlecht' wird es in der Welt genannt.

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Kommentare: 5
  • #1

    Ruth Gabriel (Samstag, 16 September 2017 08:23)

    Zu Spruch 101):
    Ich deute das lebendige Wasser als das innere Leben, das Glück von Gottes Gegenwart. Dies ist der lebendige Mensch, der „entsteht“, wenn der menschliche Wille/Verstand abgelegt („entkleidet er sich“) und mit dem göttlichen Willen vereint ist (den wir also „anziehen“).
    Teresa von Avila schreibt dazu in „Die Seelenburg“ über den Unterschied der Empfindungen bei a) Betrachtung und b) Gebet/Andacht, die sie durch das Bild zweier Wasserbehälter beschreibt. Von denen der eine durch Kanäle mit Wasser versorgt wird und der andere unmittelbar aus der Quelle mit Wasser versorgt wird:
    „Diese zwei Becken empfangen das Wasser, das sie füllt, auf verschiedene Weise: Das eine, darunter ich die durch Betrachtung entstandenen Gefühle verstehe, kommt von weit her, durch Kanäle geleitet. Das andere, welches ich das Ruhegebet nenne, kommt ohne Geräusche aus der Quelle selbst. Ist sie sehr ergiebig, wie es im Ruhegebet der Fall ist, so liefert sie so viel Wasser ins Becken, daß es überströmend sich in einen Fluß ergießt, der unaufhörlich weiterfließt, ohne jemals der Nachhilfe menschlicher Kunst zu bedürfen.
    Dies scheint mir den Unterschied, der zwischen beiden besteht, hinreichend zu bezeichnen. So wie das Wasser des ersten Beckens durch Kanäle herbeifließt, so werden jene inneren Befriedigungen durch die Gedanken erzeugt, welche die Betrachtung der Werke Gottes in uns erregt. Da dies nicht geschehen kann, ohne daß der Verstand sehr tätig ist, so entsteht durch seine Anstrengungen jenes Geräusch, das ich erwähnte, das aber den Nutzen, den wir aus der Betrachtung ziehen, keineswegs verringert.
    Das andere Wasser hingegen, das Ruhegebet, ist eine übernatürliche Gabe: Es ergießt sich aus der Quelle, die Gott selbst ist, in die Seele wie in ein Becken und füllt sie mit einem Frieden, einer Ruhe, einer unaussprechlichen Zufriedenheit, von denen ihr unbegreiflich ist, woher sie kommen.“

  • #2

    Ruth Finder (Samstag, 16 September 2017 11:31)

    Da saßen einmal Teresa von Avila (1515-1562) und Petrus von Alcántara (1499–1562) zusammen und sprachen über die Natur der Betrachtung und der Schau. ^^

  • #3

    Clemens (Samstag, 16 September 2017 13:38)

    zu 100) In der Frühzeit der Gnosis war noch nicht klar zwischen Gnostikern und Kirchenchristen getrennt. Gnostiker waren häufig nur eine Fraktion innerhalb der kirchenchristlichen Gruppen. In Spruch 100 wird ein Element der Eucharistie ("Danksagung") der Psychiker mit Brot und Wein angesprochen - der Kelch mit mit Wasser verdünntem Wein, der als Sinnbild des Blutes Christi gilt. Aus gnostischer Sicht ist der Kelch vor allem mit Heiligem Geist gefüllt, und dieser ist ganz für die Gnostiker bestimmt, da nur sie um ihn wissen. Sie sind die "vollkommenen Menschen" - eben die Pneumatiker, die den eigentlichen Geist der religiösen Form kennen und erkennen. Oder zumindest sind sie diejenigen, die DURCH den Kelch mit dem Geist diese vollkommenen Menschen WERDEN (wollen/können).

  • #4

    Ruth Finder (Samstag, 16 September 2017 13:55)

    zu 101) Das "lebendige Wasser" steht für die höheren Stufen des noethischen Bereiches - das Quellwasser. Bildlich gesprochen, sitzen die meisten Menschen im dunklen, schmutzigen, abgestandenen Wasser ihres psycho-noetischen Tümpels, das sie mehr schlecht als recht am Existieren/Leben hält und nicht geistig lebendig macht und nicht voll ätherischer Vitalität ist. Man muss aus diesem Tümpel (der übrigens vergeht) aussteigen und in die Quelle eintauchen. Dieser Prozess ist das Wesen der Betrachtung, der Meditation, des Gebets, der Kontemplation, ja, der Ausrichtung und so, in allem, der Weg-Arbeit.

  • #5

    Clemens (Samstag, 16 September 2017 15:52)

    zu 102) Im ersten Teil (Pferd, Mensch, Gott) wird lediglich zwischen animalischer Ebene und menschlicher AP auf der einen Seite, und dem HS auf der anderen Seite unterschieden. Physisch-trennungsweltlich gesehen zeugt die AP nur andere APs. Das HS hingegen ist gottgezeugt und selbst Gott.

    Wenn die gedachte Ergänzung von "Bräutigam und Braut" korrekt wäre, kann man hier den umgekehrten Prozess der Zeugung Gott-HS sehen - das ins Brautgemach aufsteigende HS, das als Braut mit Gott wieder Götter zeugt. Das könnte auf die Prozesse innerhalb der ESG hindeuten, die immer wieder die Elternrolle für neu inkarnierende ESGler ist.

    Den arg verstümmelten Satz mit Juden und Christen lasse ich mal außen vor bis auf die Feststellung, dass damit wohl auf den Unterschied zwischen Hylikern/Psychikern und Pneumatikern abgezielt wird. Das Bild erscheint heute problematisch. Der konkrete Hintergrund für diese Wahl ist nicht leicht nachzuvollziehen.

    Mit dem letzten Stück werden dann etwas superlativistische Synonyme für die Pneumatiker gewählt, die sonst von sich eher als "Kleine", "Kinder" etc. sprechen. Möglicherweise geht es aber nur darum, dass mit einem gewissen Ansporn für die Real-APs "das wahre Geschlecht" als erstrebenswertes und letztendliches Entwicklungsendziel ALLER Menschen dargestellt werden soll. Etwas ungeschickt formuliert vielleicht bzw. der mündlichen Interpretation bedürfend.