Positive Emotionen kultivieren

Wir müssen während unserer Arbeit und unserer sonstigen Tätigkeit, selbst wenn wir lesen oder schreiben, also auch, wenn es sich um geistige Dinge handelt, ja sogar während unserer Andachten und gesprochenen Gebete, ab und zu, sooft wir können, einen kleinen Augenblick innehalten, um uns im Grunde unseres Herzens Gott zuzuwenden, uns seiner – ganz geheim, wie im Vorübergehen – zu vergewissern. Wenn Sie wissen, dass Sie alles vor dem liebenden Angesicht Gottes tun und dass er sich im tiefsten Grunde Ihres Herzens befindet, warum sollten Sie dann nicht wenigstens von Zeit zu Zeit Ihre Beschäftigungen – und selbst Ihre rezitierten Gebete – unterbrechen, um sich innerlich zu ihm hinzuwenden, ihm etwas Schönes zu seinem Lob zu sagen, ihn um etwas zu bitten, ihm Ihr Herz hinzuhalten oder ihm Ihre Dankbarkeit zu zeigen? Was kann Gott lieber sein, als dass wir auf diese Art im Laufe des Tages immer wieder einmal aus unserer Alltagswelt aufschauen, um in unser Inneres einzukehren und uns von dorther ihm zuzukehren, zumal dadurch doch das Kreisen um das eigene Ich, wie es unter uns Geschöpfen üblich ist, aufgebrochen wird und die innere Rückkehr zu Gott uns selber mehr und mehr in die Freiheit führt.

 

(Bruder Lorenz von der Auferstehung, 1614-1691)

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