Unser tägliches Tun

Sobald uns der Ursprung von Dukkha (Leiden) klar zu werden beginnt, entwickelt sich in uns ein unstillbarer Wissensdurst, darüber hinaus zu gelangen. Treiben wir uns aber zu hart an, wird dieser geistige Pfad uns statt dessen zum Pfad der Pein, der Verwirrung und Samsara (Kreislauf in den Trennungswelten), weil wir so sehr auf unsere Rettung bedacht sind. Wir sind versessen darauf, etwas zu lernen, zu ehrgeizig, nur um Fortschritte zu machen, anstatt "wir selbst" zu sein.

Und wie fangen wir es im praktischen Leben an, einfach zu sein und zu Raumbewusstsein zu kommen?


Nun, um des offenen Raumes inne zu werden, müssen wir erst einmal die Festigkeit der Erde, der Form, erfahren haben. Solange wir Raum nicht als etwas seltsames romantisieren, sondern ihn in Verbindung mit der Erde sehen, vermeiden wir jene Fallstricke. Raum kann ohne die begrenzenden Umrisse der Erde nicht "erfahren" werden. Wenn wir auf einem Bild Weite und offenen Raum darstellen wollen, müssen wir den Erdhorizont hinzuziehen. Und so ist es auch nötig, dass wir selbst in die Probleme des täglichen Lebens, sozusagen in die Waschbütte, eintauchen.

Darum ist unser tägliches Tun mit seinem steten Gleichmaß so von Bedeutung. Wenn wir aus dem offenen Raum selbst zur Tagesroutine und zu vertrauten Dingen zurückgefunden haben, dann sollen wir diese betrachten, ihre feste Form innerlich aufnehmen, und es wird uns möglich sein, auch in ihnen den offenen Raum zu finden.

Ich werde gefragt, wie man die Ungeduld meistert, die die Wartezeit mit sich bringt. Die Ungeduld zeigt, dass man den Vorgang noch nicht voll versteht. Sieht man jedoch in jeder Handlung den vollkommenen Vollzug, dann wird man nicht mehr ungeduldig sein.

(Ruth Finder nach Lama Tschöguam Trungpa)

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