Chanina ben Dosa

Rabbi Chanina ben Dosa gilt in vielen Erzählungen als ungemein arm - so arm, dass sogar eine Stimme vom Himmel zuzeiten seine Armut beklagte: "Ich erhalte die ganze Welt meines Sohnes Chanina wegen, und er hat nichts als ein Stück Brot von Sabbathbeginn zu Sabbathbeginn!"

 

Eine der Erzählungen geht so:

 

 

Rabbi Chaninas Frau sagte einst zu ihm: "Wie lange werden wir uns noch so quälen müssen?"

 

Er erwiderte: "Was sollen wir tun?"

 

"Flehe um Erbarmen, flehe, dass man dir etwas gebe."

 

Er betete und flehte, und siehe, eine schattenhafte Hand erschien und gab ihm das Bein eines goldenen Tisches.

 

Seine Frau aber träumte, dass dereinst die Gerechten an goldenen Tischen mit drei Beinen säßen, ihr Mann aber an einem mit nur zwei Beinen. Sie erzählte dies ihrem Gemahl und sagte noch: "Willst du also, dass alle an ganzen Tischen essen, du aber an einem, dem ein Bein fehlt?"

 

"Was sollen wir tun?"

 

"Flehe um Erbarmen, flehe, dass man das goldene Bein wieder zurücknehme."

 

Er betete und flehte, die Hand kam und verschwand mit dem goldenen Tischbein.

 

 

Aus dieser Geschichte zog man die Lehre, dass das zweite Wunder das größere ist, denn "man" gibt wohl, nimmt aber nicht zurück.

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Kommentare: 1
  • #1

    Clemens (Donnerstag, 31 August 2017 09:58)

    Es gibt ja die Warnung, man solle mit seinen Wünschen vorsichtig sein - sie könnten in Erfüllung gehen. Wird die Erfüllung gewöhnlich als Gabe an jemanden gesehen, dessen Wort vor Gott Gewicht hat, so setzt bei näherer Betrachtung tatsächlich die Rücknahme ein größeres Gewicht voraus. Darauf muss man auch erstmal kommen.