Stufen

Es ist hier nach RF's "schauend in dem tiefen Sinn eines Satzes (von Marguerite Porete) schweben" auf die vier Stufen der spirituellen Übung nach der christlichen Tradition zu verweisen. Für Lateinfreunde wie Jonas: Lectio Divina, Meditatio, Oratio, Contemplatio. ^^

Die "Spirituelle Lesung" tut genau das, was RF beschreibt. Sie liest einen spirituellen Text - der auch recht kurz sein kann - und müht sich um ein intuitives Erfassen (Groken). Dabei wiederholt man den Text Mal um Mal. Die Wüstenväter sprachen vom "Wiederkäuen" eines Textes. Das vollführt der Übende so lange, bis sich im Idealfall eine umfassende Schau des (genauer: eines!) Inhaltes des Textes einstellt.

Die "Meditation" eines Textes arbeitet weniger mit stetiger Wiederholung, als mit Erwägen, Durchdenken und Betrachten des Textes.

Durch die erste und zweite Stufe angeregt und vorbereitet, tritt der Leser über das "Gebet" als dritte Stufe in eine direkte Beziehung mit Gott als Gegenüber ein.

Die "Kontemplation" gilt dann als vierte und höchste Stufe, bei der der Übende liebend in der Präsenz Gottes weilt.

Vom Geist geleitet steigt der Übende auf dieser vierstufigen Himmelsleiter auf und ab, ohne dabei allzu klarer Struktur unterworfen zu sein. Die Stufen gehen ineinander über - so wie man beim Klettern auf einer Leiter ja auch zwischenzeitlich auf zwei Stufen stehen kann oder auch beim Auf und Ab eine Stufe auslassen kann.

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Kommentare: 3
  • #1

    TvB (Mittwoch, 30 August 2017 17:58)

    Petrus von Alcántara (1499–1562) sagt:

    Man bemerke wohl den Unterschied der beiden Dinge: Das Geschäft der Betrachtung ist es, die göttlichen und himmlischen Dinge fleißig zu überdenken, um im Herzen fromme Anmutungen zu erwecken, wie wenn einer mit dem Stahle Feuer aus dem Stein zu schlagen sucht.
    Die Beschauung aber, die auf die Betrachtung folgt, erfreut sich an dem schon brennenden Feuer, mit andern Worten, sie genießt in der Stille die erlangte göttliche Heimsuchung und heilige Liebe, nicht mit vielen Begriffen, Urteilen und Verstandesschlüssen, sondern in einer reinen und einfältigen Anschauung der Wahrheit.
    Darum sagt ein heiliger Lehrer: „Die Betrachtung geht mit viel Mühe voran und mit geringerer Frucht, die Beschauung aber gewährt ohne alle Mühe den reichlichsten Nutzen.“
    Jene sucht, diese hat gefunden. Jene bereitet Speisen, diese verkostet sie. Jene denkt nach und überlegt, diese schaut und genießt. Kurz, jene ist das Mittel, diese der Zweck; jene der Weg und die Bewegung, diese das Ziel und die Ruhe.

  • #2

    Clemens (Freitag, 01 September 2017 18:58)

    Aha, ein Wink mit meiner Quelle. ^^ Oder ist das Zufall? Glaube ich nicht.

  • #3

    TvB (Samstag, 02 September 2017 06:32)

    Erwischt.