Philippus 2.030

Spruch 74: Durch den Heiligen Geist werden wir zwar wiedergeboren, geboren aber werden wir durch Christus. In den beiden Fällen werden wir vom Geist gesalbt. Als wir geboren wurden, wurden wir vereinigt.

 

Spruch 76: Es gab drei Häuser als Opferstätten in Jerusalem. Das eine, das sich zum Westen hin öffnende, nannte man ,das Heilige'. Das andere, das zum Süden hin offen war, nannte man das ,Heilige des Heiligen'; das dritte war nach Osten hin geöffnet und wurde das ,Heilige der Heiligen' genannt, der Ort, den der Hohepriester allein betritt. Die Taufe ist das ,heilige' Haus, die Erlösung ist das ,Heilige des Heiligen', das ,Heilige der Heiligen' ist das Brautgemach. Die Taufe enthält die Auferstehung [und die] Erlösung. Die Erlösung (ist) im Brautgemach, das Brautgemach aber in dem, was erhabener (als sie) ist. [...] du wirst nicht finden [...] sind diejenigen, die beten [...] Jerusalem [...] Jerusalem, indem [...] Jerusalem [...] die man nennt die ,Heiligen der Heiligen'. [... der] Vorhang zerriss [...] Brautgemach außer das Abbild [...] ( 70.1) oben. Denn sein Vorhang zerriss von oben nach unten; denn es ist angemessen für einige, von unten nach oben zu gehen.

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Kommentare: 3
  • #1

    Jonas (Mittwoch, 26 Juli 2017 20:51)

    Der Autor von Spruch 76 benennt drei heilige Opferstätten in Jerusalem, denen er durch die Bezeichnungen „das Heilige, das Heilige des Heiligen und das Heilige der Heiligen“ eine immer größere Bedeutung zumisst. Anschließend stellt er diese drei Tempel in Beziehung zu den drei wesentlichen Entwicklungsschritten, die für inkarnierte Seelen wichtige Wendepunkte darstellen: Die Taufe, die Erlösung und das Brautgemach. Aus dem Begriff der Opferstätten geht hervor, dass hier etwas geopfert, also aufgegeben, dargebracht wird, etwas, von dem man sich trennen muss, wobei darin auch der Wandel und die Neuorientierung zum Ausdruck kommen.

    Die Taufe könnte man in dieser Hinsicht als den Punkt im langen Lauf der Inkarnationen auffassen, wo der Mensch eine tiefe Sehnsucht in sich verspürt, wieder nach Hause zurückzukehren. Ein innerer Drang bringt ihn dazu, die Wahrheit über sich und seine Existenz in Erfahrung bringen zu wollen. Er spürt in sich eine Unruhe, die ihn immerfort antreibt, tief in die Mysterien einzudringen und sein Selbst zu erforschen. Sein höheres Selbst ist reif geworden, den Rückweg anzutreten und dessen wird sich der Mensch intuitiv bewusst. Er erwacht aus seinem totenähnlichen Schlaf, es kommt zur „Auferstehung" von den Toten, er betritt den spirituellen Pfad.

    Die Erlösung, die ebenso wie die Taufe nicht als ein punktuelles Ereignis, sondern besser als ein Prozess aufzufassen ist, könnte als das erste einer Reihe von Durchbruchsereignissen in steigender Tiefe gedeutet werden. Die Grenzen der Alltagspersönlichkeit werden überschritten und man erlangt in einzelnen Bereichen Freiheit von den selbst auferlegten, bisher nicht erkannten Beschränkungen seiner AP. Bildhaft gesprochen werden die Gitterstäbe des eigenen Gefängnisses sichtbar und man unternimmt erste kurze Freigänge aus dem selbsterrichteten Kerker.

    Im Brautgemach, gedeutet als spirituelle Gemeinschaft, beginnt dann erst die eigentliche Arbeit an sich selbst, indem die Alltagspersönlichkeit schrittweise von unerwünschten, entwicklungshemmenden Elementalen gereinigt und ihr der ihr eigentlich zustehende Platz, nämlich als reines Vehikel/Ausdruck des höheren Selbstes zu fungieren, zugewiesen wird. Auf das Bild des Kerkers umgelegt werden hier schrittweise die Gitterstäbe entfernt und das Innere der ehemaligen Zelle neu gestaltet.

    Dass auch diese drei vom Autor von 76 dargestellten Entwicklungsschritte nicht wirklich getrennt werden können und ineinander greifen, drückt der Autor durch die Vermischung der vorher einzeln dargestellten Entwicklungsschritte aus, beispielsweise:“ Die Taufe enthält die Auferstehung [und die] Erlösung.“

    Zum Schluss wird noch auf den Vorhang des Tempels verwiesen, der von oben nach unten zerriss. Das Bild lässt viele Deutungen zu, etwa dass Gott sich den Menschen aus den höchsten Ebenen in die tiefsten hinunter durch Christus offenbart hat. Oder den auf den tiefsten, materiellen Ebenen inkarnierten Menschen wurde durch das Reißen des Vorhanges bis ganz nach unten erst der Weg bis ganz nach oben wieder zugänglich gemacht.

  • #2

    Jonas (Donnerstag, 27 Juli 2017 07:49)

    In 74) versucht der Autor des Philippusevangeliums uns den Unterschied zwischen der Geburt und der Wiedergeburt zu verdeutlichen. Letztere ist ohne Erstere nicht möglich, da wir ja einmal geboren werden müssen, dann sterben und erst dann eine Wiedergeburt erfolgen kann. Wir versinken also zwischenzeitlich in den "Tod", um neuerlich ins Leben zurückzufinden. Wenn man das nicht als einfache Darstellung von Reinkarnation auffasst sondern einen geistigen Entwicklungsschritt darin erkennt, könnte man die Wiedergeburt als Erwachen auffassen, als Erwachen aus einem tauben, mechanisierten, (selbst) unreflektierten Zustand, gebeutelt von Zu- und Abneigungen, in welchem Sich meines Empfindens nach der überwiegende Teil der Menschen befindet.

    Wesentlicher "Motor" für diesen Prozess ist der heilige Geist, der uns durch seine Gaben des Bewusstseins, der Schau, der Einsicht aber auch über unser Handeln durch die karmischen Wirkungen wachrüttelt.

    "Als wir geboren wurden, wurden wir vereinigt" - mit dem großen, gemeinsamen Selbst, an dem alle Menschen Anteil haben.
    "..., geboren aber werden wir durch Christus", indem wir als Erzengelwesen durch das Abbild des Menschen gegangen sind und uns in weiterer Folge als selbstgewahre Seele dieses gemeinsamen Selbstes gewahr werden, uns als ein Teil davon empfinden.

    Als Abbild des dreifaltigen Gottes, der uns nach seinem Vorbild erschuf, haben wir aber auch direkten Anteil an seinem Sein außerhalb der Welten der Trennung. Es ist der "Geist-funke" in uns, das Göttliche, das uns besonders macht, uns "salbt" und sowohl bei unserer Geburt, als auch bei der Wiedergeburt in uns wirkt: "In den beiden Fällen werden wir vom Geist gesalbt". Wir können mit diesem Teil von uns in Kontakt kommen, wenn wir uns tief in uns versenken. Meister Eckhart bezeichnet es als den Urgrund, wo wir Gott erfahren können.

  • #3

    Ruth Finder (Freitag, 28 Juli 2017 09:38)

    zu 74) Eine Annahme: Das Leben auf der grobstofflichen Ebene wird durch den Geist erst ermöglicht. Der Mensch im besonderen wird dadurch hier aber auch ermächtigt (gesalbt), während seiner vielen Wiedergeburten Erfahrungen zu sammeln, um herauszufinden, wer er ist. Die fleischliche Geburt - die Existenz - stellt für den Menschen irrtümlicherweise in jedem Leben die eigentliche Geburt dar und ganz viele Leben hindurch wird das von der vom Menschen gelebten oder zutiefst empfundenen Trennung von Gott begleitet. Die wahre Geburt aber ist ein Erweckungserlebnis: Das Bewusstwerden seiner höheren Natur. Die EINE und EINZIGE Geburt zum Glauben an die Einheit von Gott und Mensch und eingeweiht (gesalbt) durch den heiligen Geist. Eine Geburt zum vereinten Sein.