Empathiemangel

Die endlich gefundene Ursache, warum der Mensch dem Menschen ein Wolf ist: Über die Somatisierung des Bösen spricht der Psychiater Hans-Ludwig Kröber. Von Straftätern und speziell von sogenannten "Psychopathen" wird gern behauptet, sie hätten einen Empathie-Mangel.

 

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=67904

 

Auch spirituell hörenswerter Vortrag. Wenn der Kinderschänder seine Tat vor sich selbst mit "Es hat ihm doch auch Spaß gemacht" bemäntelt, dann sollten wir alle uns selbst gegenüber misstrauisch sein. Ständige Selbstrechtfertigung für offensichtlichste Defizite (offensichtlich für andere!) gehört zum Tagesgeschäft der AP. Interessant da auch Marias Überlegungen zu Spruch 62 in "Philippus 2.026".

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Kommentare: 6
  • #1

    Ruth Finder (Mittwoch, 19 Juli 2017 19:55)

    Es sind sicherlich Marias Überlegungen zu dem Blogbeitrag "Als ob" gemeint.

  • #2

    Clemens Satorius (Donnerstag, 20 Juli 2017 04:22)

    Genau.

  • #3

    Maria (Freitag, 21 Juli 2017 20:50)

    Interessant fand ich bei dem Vortrag in der Hinsicht auch das Zitat von Heinrich Popitz:

    „Gleichgültigkeit nimmt mehr Einfluss auf die Verletzungsmächtigkeit als Hass und Verachtung. Die Indifferenz gegen die Leiden des Opfers bildet eine Schutzhaut, die uns Hemmungen und vor allem Bedenken dessen, was passiert, vom Leibe hält. Die Funktion der Indifferenz ist ähnlich derjenigen der Glorifizierung. Die Glorifizierung trommelt die möglichen Skrupel weg, die Indifferenz stellt uns taub. Gleichgültigkeit, Desinteresse kann sich zu einem völligen Irrelevant-setzen des anderen Menschen steigern, so sehr, dass der Andere gar nicht mehr in die Kategorie des Fühlens, Denkens und Handelns gesehen wird, die wir auf uns selbst anwenden. Das Leiden, der Tod des Opfers wird bedeutungslos, weil ihm nichts den Empfindungen des Täters vergleichbares eignet. Selbst die Feststellung „ein Mensch tötet den anderen“ ist dann eigentlich schon irreführend.“

    Bei Hass und Liebe gibt es grundsätzlich eine Beziehung zum Anderen/ Objekt im außen: Bei Hass existiert der andere für mich, aber ich lehne ihn ab, bekämpfe ihn. Bei Liebe und Mitgefühl existiert der andere für mich und ich nehme ihn an, öffne mich zum anderen hin, lasse ihn in mich hinein. Bei Gleichgültigkeit im oben beschriebenen Sinne ignoriere ich den anderen, blende ihn aus, ich gebe ihm keine Relevanz. Alle drei Möglichkeiten kennen wir auch im spirituellen Zusammenhang. Gleichgültigkeit in dem beschriebenen Sinn ist purer Egoismus und ein enormes spirituelles Hemmnis, weil wir (AP) uns die Dinge einfach vom Leib halten. Weil wir uns ganz bewusst entscheiden können, vor dem Leid der anderen die Augen zu verschließen - oder eben auch nicht. Bindungs- und Beziehungsfähigkeit – um in den Begrifflichkeiten zu bleiben -, ist etwas, das wir auf unserem spirituellen Weg erlernen müssen. Hin zu unserem wahren Selbst (HS), zum Anderen, zum Göttlichen. Um dann zu erkennen, dass es diese Teilung gar nicht gibt.

    Und das „Erz-Übel ist …, das Einzelgängertum, die seelische Einsamkeit“ (Kröber) ist auch das Erz-Übel der Alltagspersönlichkeit und der abgetrennten Existenz auf der materiellen Ebene. Die Abgrenzung zwischen innen und außen, wichtig (ich) und unwichtig (der andere).

    Ein weiteres Zitat, was für unsere spirituelle Arbeit hilfreich sein könnte: Die fünf Kernkompetenzen, die bei Adoleszenten für die Abwehr von Dissozialität und Substanzmissbrauch beschrieben wurden, die eine größere Bedeutung haben als äußere soziale Risikofaktoren (z.B. zerrüttetes Elternhaus):
    1. Positives Selbstkonzept: Selbstachtung, Anspruch an sich selbst, Selbstbewusstsein
    2. Selbstkontrolle, Verhaltenskontrolle, Eigendisziplin
    3. positive Emotionalität
    4. Fähigkeit zu vernünftiger Entscheidungsfindung
    5. Grad der sozialen Einbindung/ soziales Netzwerk

    Wenn man diese für die Wegarbeit etwas anpasst, wären das vielleicht folgende Faktoren:
    1. Selbstbewusstsein erlangen, Kontakt zum Höheren Selbst ausbauen
    2. kontinuierliche Wegarbeit bei den 3 Säulen und auf den 3 Ebenen
    3. Ausrichtung hin auf das göttliche (in sich, in allem)
    4. kontinuierliche Wegarbeit bei den 3 Säulen und auf den 3 Ebenen
    5. Entwicklung hin zur ESG, Bewusstwerdung der Zugehörigkeit zur ESG

    Ich verstehe immer mehr, dass spirituelle Entwicklung ganz entscheidend vom Wollen (Ausrichtung) und Tun (Entscheidung, Umsetzung) abhängt.

  • #4

    Jonas (Samstag, 22 Juli 2017 19:20)

    Als kleine Ergänzung zu Marias Ausarbeitung über das Popitz Zitat möchte ich auf eine Bibelstelle hinweisen, die auch auf diese entwicklungshemmende Wirkung der Gleichgültigkeit verbunden mit "nicht wissen wollen" hinweist (Interpretation in den Klammern):
    "Ich weiß deine Werke (Handlungen, Gefühle, Gedanken), daß du weder kalt (Ablehung, Hass) noch warm (Begeisterung, Liebe) bist. Ach, daß du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau (gleichgültig) bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde (karmischen Wirkungen aussetzen)." Offenbarung 3:16

  • #5

    Clemens Satorius (Samstag, 22 Juli 2017 20:46)

    Das Bibelzitat ist mit dieser Deutung interessant. Es muss ja dann einen Unterschied bezüglich der karmischen Wirkungen geben, denn der von Ablehnung und Hass zum Handeln Getriebene wird ja auch aversiven karmischen Wirkungen ausgesetzt. Wenn "Er" die Lauen "aus seinem Munde ausspeit", dann behält er doch wohl die Warmen UND die Kalten in seinem Mund. Das hieße, sie bleiben ihm BEIDE nah, während er die Lauen von sich entfernt. Also könnte man bezüglich der Kalten und der Lauen sagen, dass sie zwar beide aversiven Karmawirkungen ausgesetzt wären, aber nur die Lauen die Nähe Gottes verlieren.

  • #6

    Jonas (Samstag, 22 Juli 2017 22:28)

    Ja Clemens, genau so hätte ich es auch gesehen. Diejenigen, die aus einem Mißverständnis/nicht Wissen heraus gegen Gott/die Menschen handeln, bleiben dadurch trotzdem noch in einer gewissen Beziehung zu Gott, sie arbeiten sich über die karmischen Wirkungen wieder zu Gott hin, indem sie daraus Einsicht/Weisheit erlangen.

    Die Gleichgültigen haben sich aus diesem aktiven Prozess herausgenommen. Die karmischen Wirkungen sind hier meiner Erfahrung nach eher aufweckender, aufrüttelnder Natur, wie etwa Schicksalsschläge.

    Wir sollten uns auch bewusst sein, dass wir als Person alle diese Dinge in individuell unterschiedlicher Mischung in uns tragen. In manchen Belangen sind auch wir "lau".