Centurie

Aus “DIE CENTURIE DER MÖNCHE KALLISTUS UND IGNATIUS” - Otto Wilhelm Barth Verlag.

 

Kap. 16 "Die zehn Vorbedingungen der Ruhe" (Ausschnitte aus Nr. 6 und Nr. 7)


6. Dass du das Schweigen lieben sollst


Vom sechsten zu reden, nämlich davon, dass du schweigen musst, nötigt uns die innere Folgerichtigkeit. Und davon spricht der Hl. Isaak: “Wer seinen Mund vor den missgünstigen Reden bewahrt, hält sein Herz frei von Begierden; und wer sein Herz von den Begierden reinigt, schaut allezeit den Herrn. Und wenn du alle Werke des Lebens in die eine Waagschale legst, das Schweigen aber in die andere, dann wirst du sehen, dass die Waagschale des Schweigens mehr Gewicht hat”. Und: “Liebe das Schweigen über alles, weil es dich der Frucht am nächsten bringt. Die Zunge ist nicht imstande, dies zu schildern. Zuerst müssen wir uns zum Schweigen zwingen : dann aber erwächst aus unserm Nicht-Reden etwas, das uns zum Schweigen selbst hinführt. Gebe Gott, dass du das Etwas spüren darfst, was in dir aus dem Schweigen geboren wird”. Wenn du anfängst dir diese Handlungsweise zu eigen zu machen, dann kann ich nicht ermessen, wieviel Licht dir daraus erstrahlt. Und wiederum: “Das Schweigen ist das Mysterium der künftigen Zeit; das Reden aber ist das Werkzeug dieser Welt.”


7. Dass du “ruhig” sein musst.


Das siebente, dass du nämlich ein geruhsames Leben führen sollst, zeigen am besten der grosse Basilius (6) und wiederum der Hl. Isaak; jener sagt: “Die Ruhe ist der Anfang der Seelen-Reinigung”, dieser aber: “Das Endziel der Ruhe ist das Schweigen von allem”... Aber auch Klimakus sagt: “Das Werk der Ruhe ist es hautpsächlich, sich um nichts zu kümmern,weder um Vernünftiges, noch um Unvernünftiges. Denn wer dem ersten die Tür öffnet, wird bald dem zweiten verfallen”.

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Kommentare: 1
  • #1

    Ruth Finder (Mittwoch, 12 Juli 2017 14:37)

    Meister Eckehart sagt in seiner Predigt "Vom Schweigen":

    "Wir haben ein Wort des Weisen: 'Da alle Dinge mitten in einem Schweigen waren, da kam in mich von oben hernieder von dem königlichen Stuhle ein verborgenes Wort.'
    Inmitten des Schweigens ward mir zugesprochen ein verborgenes Wort. Ach, Herr, wo ist dieses Schweigen und wo ist die Stätte, in der dieses Wort gesprochen wird?

    Es ist in dem Lautersten, das die Seele aufweisen kann, in dem Edelsten, in dem Grunde, ja, in dem Wesen der Seele! Das ist das Mittel: Schweigen; denn da hinein kam nie eine Kreatur oder Bild, und die Seele hat da nicht Wirken noch Verstehen, und weiß kein Bild davon, weder von sich selbst noch von irgend welcher Kreatur."

    Diese Predigt war für mich sehr lesenswert, da sie, aus meiner Sicht, den erweiterten, ja, den eigentlichen Sinn des Schweigens aufzeigt. So lese ich auch seine anderen Predigten.