Philippus 2.023

Spruch 53: Die Eucharistie ist Jesus. Denn auf syrisch wird er genannt ,Pharisatha', das heißt ,der Ausgebreitete'. Jesus kam nämlich, indem er ein der Welt Gekreuzigter ist.

 

Spruch 55: Die Sophia, die man die ,Unfruchtbare' nennt, sie ist die Mutter der Engel. Und die Gefährtin von Christus ist Maria Magdalena. Der Herr liebte sie mehr als alle (anderen) Jünger, und er küsste sie oftmals auf ihren Mund. Die übrigen Jünger, sie sagten zu ihm: ,,Weshalb liebst du sie mehr als uns alle?" Es antwortete der Erlöser, er sprach zu ihnen: ,,Weshalb liebe ich euch nicht (so) wie sie?"

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Kommentare: 3
  • #1

    Jonas Hochreiter (Dienstag, 04 Juli 2017 15:19)

    Jesus, der "Ausgebreitete", nimmt jeden Menschen mit ausgebreiteten Armen an, so wie er ist, ganz egal, wie weit er entwickelt ist und welche Mängel er noch hat. Durch den Menschensohn fließt die göttliche Liebe allen zu, er breitet sie ohne Unterschied über alle aus. Das Bild der ausgebreiteten Arme finden wir auch in der Kreuzdarstellung wieder. Die Bezeichnung "ein der Welt Gekreuzigter" könnte man auch so interpretieren, dass er sich über die Welt erhoben und sich diese untertan gemacht hat.

    Die Eucharistie als Sinnbild des Sterbens und der Auferstehung von den Toten kann man als das Verkümmern unseres Egoismus und als das Sprengen der Grenzen unserer Alltagspersönlichkeit als Durchbruch auffassen (als Prozess). Wir breiten uns wieder in die über lange Zeit gereiften Bereiche unseres höheren Selbstes und darüberhinaus aus (als echte re-ligio -Rückverbindung). Wir erkennen und können zunehmend unterscheiden, was unser wahres Selbst und was lediglich Ausdruck/Vehikel desselben ist.

  • #2

    Jonas Hochreiter (Montag, 10 Juli 2017 10:00)

    Zu 55) Sophia, die Weisheit, wird als "unfruchtbar" bezeichnet, ein Ausdruck ihrer Erhabenheit über die materielle Welt, in der sie keine "Früchte" bringt, also nichts Vergängliches hervorbringt. Ihre wahre "Heimat" ist außerhalb der Welten der Trennung (siehe Kommentar von Clemens zu 35/36).
    In der Bezeichnung "Mutter der Engel" wird ein direkter Bezug Sophias zum heiligen Geist (Ruach, Pneuma) hergestellt und in einem Bogen auf Maria Magdalena hingewiesen, die als Gefährtin Jesu´ bezeichnet wird. Der Kuss als Ausdruck der Liebe - ein Wesensmerkmal des heiligen Geistes - weist wiederum auf diesen Zusammenhang hin und bekräftigt ihn.
    Der Autor des Philippusevangeliums führt dann letztlich noch das Unverständnis der Apostel über die besondere Zuneigung Jesu´ zu Maria Magdalena an, worin die eingangs angeführten Zusammenhänge von Maria Magdalena mit dem heiligen Geist in dieser Hinsicht erst ihren Sinn (als Begründung) erfahren.

  • #3

    Maria (Montag, 10 Juli 2017 12:41)

    Hallo Jonas,
    vielen Dank für die Deutung von 55). Mich beschäftigte der Spruch schon länger, habe ihn aber noch nicht so richtig zu packen bekommen :-).