Philippus 2.019

Spruch 41: Der, der geschaffen/geformt wurde, ist schön, aber du würdest seine Kinder *nicht* finden, indem sie edle Gebilde sind. Wenn er nicht gebildet, sondern gezeugt worden wäre, würdest du seine Nachkommenschaft edel finden. Nun aber wurde er gebildet, und er zeugte. Was für ein Adel ist das?

Spruch 42: Zuerst entstand der Ehebruch, danach der Mörder (oder: Mord). Und sie zeugten ihn aus dem Ehebruch. Denn er war das Kind der Schlange. Daher wurde er zum Menschenmörder wie auch sein Vater, und er tötete seinen Bruder. Jeder Geschlechtsverkehr, der zwischen einander nicht Gleichen stattgefunden hat, ist Ehebruch.

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Kommentare: 4
  • #1

    Clemens Satorius (Mittwoch, 21 Juni 2017 17:57)

    zu 41) Das "nicht" in Sternchen stellt übrigens eine Ergänzung des Übersetzers dar, da er meint, dass dieses Wort im Originaltext vergessen wurde. Dafür mag es gute Gründe geben, aber man kann bei der Deutung beide Varianten (mit oder ohne "nicht") bedenken!

  • #2

    Jonas Hochreiter (Donnerstag, 22 Juni 2017 07:52)

    Ein Versuch der Interpretation zu 41):
    "Der, der geschaffen/geformt wurde,..." könnte man als Beschreibung für den Menschen an sich bzw. für das Konzept Mensch auffassen. Geschaffen von Gott, geformt durch die Inkarnationen in den Welten der Trennung über die Wirkungen von Karma und Selbstmodifikation (Weg-Arbeit).

    Jemand, der diesen Weg abgeschlossen hat, wäre in seinem Ausdruck, also in seinen Handlungen, Gedanken, Gefühlen (= die "Kinder"), rein und edel. In Hinblick auf die Geschicktheit der Mittel wären diese "Kinder" einmal zu "finden", also von einem Außenstehenden erkennbar; andernfalls verborgen, je nach Belieben des Vollendeten. Beide Varianten (mit und ohne "nicht") hätten also eine gewisse Berechtigung.

    "Wenn er nicht gebildet, sondern gezeugt worden wäre..." wäre dann analog zur eingangs erfolgten Annahme des Archetypus Mensch nun die Beschreibung eines Erzengels, er wurde nur erschaffen und nicht gebildet, ist also den Weg durch die Inkarnationen nicht gegangen. Auch seine "Nachkommenschaft" ist "edel", denn er "erzeugt" in Einheit mit Gott ebenfalls nur engelhafte Elementale. Der Erzengel ohne Ausbildungsprogramm Mensch wäre also die zweite Art des "Adels".

  • #3

    Ruth Finder (Donnerstag, 22 Juni 2017 16:17)

    zu 42) Folgendes Bild bot sich mir an: Der Mensch ist ein geistiges Wesen, das in einer "Ehe" mit Gott war/ist. Zum Lernen in die Welt der Trennung gesandt, erlag er der Versuchung/den Versuchungen (der Schlange) der materiellen Welt und vergaß seine Bestimmung (beging Ehebruch). Dadurch hat er sein Ego geschaffen - des wahren Menschen "Mörder". Die Abfolge: Vater (auch "Mörder"), Sohn ("Menschenmörder") und Bruder - sehe ich als Resultat der Inkarnationen, denn unser Ego im vorigen Leben ist der Vater des jetztigen, das seinen "Bruder" - das HS - "tötet" usw.

  • #4

    Ruth Finder (Freitag, 23 Juni 2017 10:56)

    zu 41) Man könnte auch diesen Spruch als einen kritischen Hinweis verstehen, dass wir oft falsche Vorstellungen von einem entwickelten, sich auf dem Wege befindenden Menschen haben - letztendlich Kritik an unseren Beurteilungen, wer ein Meister/Lehrer ist oder nicht, an unserer Autoritäts- und Formabhängigkeit. Die Wirkungsweise und Resultate eines Menschen (seine Kinder) aus unserer Umgebung, der ernsthaft an allen drei Säulen der spirituellen Entwicklung arbeitet (mit Hilfe der höheren Kräfte sich selber schafft/formt), übersehen wir oder nehmen sie als selbstverständlich an, im schlimmsten Fall missverstehen oder missbilligen wir sie. Die "Kinder" der anderen, die eine Linie nachweisen (?) können wie bei den Übertragungslinien im Buddhismus oder bei den Nachkommen der Rabbis im späten Chassidismus - also alle , die schon von Geburt an, oder durch Übertragung, oder einfach durch ein "Amt" aus unserer Sicht rechtschaffen sind - halten wir für gut, richtig und edel.