Philippus 2.012

Spruch 23: Einige fürchten sich, dass sie nackt auferstehen. Deswegen wollen sie im Fleisch auferstehen. Und sie wissen nicht, dass diejenigen, die das Fleisch tragen, (gerade) die Nackten sind. Es sind diese, die sich [...] selbst entkleiden, die nicht nackt sind. Nicht Fleisch und Blut werden das Reich Gottes erben. Welches ist dieses, das nicht erben wird? Das, welches auf uns ist. Welches aber ist hingegen das, das erben wird? Es ist das, was zu Jesus gehört und seinem Blut. Deswegen hat er gesagt: ,,Wer mein Fleisch nicht essen und mein Blut nicht trinken wird, hat kein Leben in sich." Was bedeutet das? Sein Fleisch ist das Wort, und sein Blut ist der heilige Geist. Wer diese empfangen hat, hat Nahrung und Trinken und Kleidung. Ich tadle auch die anderen, die sagen: ,,Es (sicher: das Fleisch) wird nicht auferstehen." Dann sind beide (Parteien) im Unrecht. Du sagst: ,,Das Fleisch wird nicht auferstehen." Aber sage mir: Was wird auferstehen, damit wir dich ehren? Du sagst: ,,Der Geist im Fleisch und auch dieses Licht im Fleisch ist es." (Aber) auch das ist ein Wort, das im Fleisch ist. Denn was immer du sagen wirst, du sagst es nicht außerhalb des Fleisches. Es ist nötig, in diesem Fleisch aufzuerstehen, da alles in ihm ist.

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Kommentare: 1
  • #1

    Ruth Finder (Donnerstag, 08 Juni 2017 18:58)

    zu 23) folgende Überlegungen:

    a) "...diejenigen, die das Fleisch tragen, (gerade) die Nackten sind." - das sind die Hyliker. Die sind ganz mit dem Materiellen identifiziert und verstehen den Sinn der Inkarnation (ins Fleisch zu gehen) nicht (sie sind nackt). "Einige fürchten sich, dass sie nackt auferstehen. Deswegen wollen sie im Fleisch auferstehen." - das sind Psychiker. Sie ahnen, dass es mehr gibt, als nackte (!) Existenz, aber sie flüchten in die Religion oder andere Konstrukte, was auch meistens nur Form ist und anhaften an dem Äußeren. "Es sind diese, die sich [...] selbst entkleiden, die nicht nackt sind." - das sind Pneumatiker. Die haben erkannt, dass die Materie an sich nicht schlecht ist. Man muss sie aber mit Sinn an-WENDEN. Sie transformieren sich selbst - sie entdecken die Verkehrtheiten bei sich und in der Welt und wenden "die Kleider" richtig um, deswegen sind nicht "nackt", sondern richtig "angezogen".

    b) Es gibt die Tendenz, fast ausschließlich "Fleisch" (das Sichtbare/Äußere/Weltliche) zu sehen und zu akzeptieren und die unsichtbare Ebene ignorieren. Es gibt auch die Tendenz, alles Materielle zu verneinen und sich ins Geistige (vermeintlich Immaterielles/Edleres) zu retten. Aber auch diese Bereiche sind materieller Natur. Nur wenn wir das alles als Ganzes begreifen und verstehen lernen, dass ALLES um uns und in uns ein Mittel zum Zweck ist - nämlich zu unserer wahren Natur zu finden - dann können wir "auferstehen".

    c) Ruth Gabriel und ich teilen die Begeisterung, wie gut chassidische Geschichten zu den Sprüchen passen. Auch diesmal habe ich drei ausgesucht, die meiner Meinung nach die Idee des Spruches beschreiben.

    Die Welt der Trennung (Mensch und seine Umgebung im Ganzen) ist unsere beste Lehrstätte:
    >Rabbi Baruch sprach einmal: "Was für eine gute und lichte Welt ist das doch, wenn man sich nicht an sie verliert. Und was für eine finstere Welt ist das doch, wenn man sich an sie verliert!"<

    Wir müssen in IHR lernen und nicht alle Hoffnungen und Erlösung auf Jenseits richten:
    >Ein Zaddik erzählte: "Dem Rabbi Ahron von Karlin wollten sich die Wonnen aller Welten auftun, er aber schüttelte nur den Kopf. "Mögen es denn Wonnen sein", sagte er endlich, "aber erst will ich mich um sie abrackern."<

    Wie wir das tun:
    >Ein junger Mann gab dem Riziner ein Bittzettel, auf dem stand, Gott möge ihm beistehen, damit es ihm gelinge, die Bösen Triebe zu brechen.
    Der Rabbi sah ihn lachend an: "Triebe willst du brechen? Rücken und Lenden wirst du brechen, und einen Trieb wirst du nicht brechen. Aber bete, lerne, arbeite im Ernst, dann wird das Böse an deinen Trieb von selbst verschwinden." (auch hier Umwandlung des "Fleisches").<