Philippus 2.007

Spruch 11: Die Namen, die man den (weltlichen) Dingen gibt, verursachen eine große Irreführung. Denn sie wenden ihren Sinn ab von den Feststehenden zu den Nicht-Feststehenden. Und wer ,Gott' hört, erkennt nicht das Feststehende, sondern er hat das Nicht-Feststehende erkannt. So verhält es sich auch mit (den Namen) der ,Vater' und der ,Sohn' und der ,Heilige Geist' und das ,Leben' und das ,Licht' und die ,Auferstehung' und die ,Kirche' und allen anderen (Namen): Man erkennt nicht die Feststehenden, sondern man erkennt die Nicht-Feststehenden, außer man hat das Feststehende kennengelernt. Die Namen, die gehört werden, sind in der Welt [... täuschen. Wenn] sie im Äon wären, so würden sie in dieser Welt niemals als Namen benutzt werden, noch würden sie unter die weltlichen Dinge eingereiht. Sie haben ihr Ende im Äon.

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Ruth Gabriel (Samstag, 27 Mai 2017 07:58)

    Bei diesem Spruch scheint es mir um das zu gehen, was in der Betrachtung „Die Welt über der Welt“ beschrieben wird. Das Nicht-Feststehende als die Einstellungen, Meinungen und Perspektiven die jeder Einzelne über die tatsächliche Welt legt, über das Feststehende.

  • #2

    Jonas (Samstag, 27 Mai 2017 20:23)

    Man könnte Spruch 11 auch als eine Darlegung des Unterschiedes zwischen Form und Inhalt auffassen. Namen und Begriffe deuten als Wort(formen) - wie etwa am Beispiel der Dreifaltigkeit - unvollkommen auf die Wahrheit dahinter hin, die sich dem Pneumatiker erst über Einsicht, Erkenntnis bzw. über die Schau offenbart.
    Die Namen und Begriffe, wie etwa "Leben, Licht oder Auferstehung", kratzen als Worthülse meist nur an der Oberfläche des wahren Inhaltes, sie sind als Teil der Welten der Trennung ein unvollkommenes Hilfsmittel, ein Abbild, eine Krücke zur Erkenntnis der tieferliegenden, nichtlinearen und multifaktoriellen Wahrheit, die sich hinter den beispielhaft angeführten Begriffen verbirgt. Vielleicht wollte der Autor auf diesen Mangel hinweisen.

  • #3

    Ruth Finder (Sonntag, 28 Mai 2017 11:46)

    Man hört oft: "Du sollst nicht an Wörtern hängen, sondern den Sinn hinter ihnen erfassen!" Und da hat man es wieder: Wie kann man sich an etwas Nicht-Feststehendes hängen? Man fällt unweigerlich. Aber das Feststehende sollte man er-fassen! Das gibt Halt.

  • #4

    Jonas (Montag, 29 Mai 2017 14:12)

    Ja, Ruth Finder, Worte selbst sind nichts Feststehendes, nur das, was sich dahinter verbirgt. Michail Naimi drückt es im "Mirdad" sehr pointiert so aus: "Sprache ist bestenfalls eine ehrliche Lüge".
    Und der Nazarener sagt schlicht: "Wer Ohren hat, der höre".