Philippus 2.001

Spruch 1: Ein hebräischer Mensch pflegt einen Hebräer zu erschaffen. Und man nennt ihn folgendermaßen: ,Proselyt'. Ein Proselyt aber pflegt keinen Proselyten zu erschaffen. [...] sie sind aber wie [...], und sie erschaffen andere ihnen gleich, während [...] damit zufrieden sind, dass sie existieren.

Spruch 2: Ein Sklave trachtet allein danach, frei zu werden. Er pflegt aber nicht nach dem Besitz seines Herrn zu trachten. Der Sohn aber ist nicht nur ein Sohn, sondern er schreibt sich das Erbe seines Vaters zu.

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Kommentare: 7
  • #1

    Hendrik (Mittwoch, 17 Mai 2017 09:29)

    Und hier scheint es schon einen Widerspruch zu meiner Aussage zu geben, dass ich immer nur einen Spruch einstellen werde. Es ist so: Beim ersten Durchgang des PhilEvs habe ich aus einem "bereinigten" Text ausgewählt, der die stärker verstümmelten Sprüche ausgelassen hat. Spruch 1 war da beispielsweise nicht enthalten. Trotzdem kann man häufiger auch bei den korrupten Textabschnitten etwas daraus ziehen.

    Ich habe also heute sozusagen Spruch 2 eingestellt - und zudem Spruch 1 für die, die es trotz Verstümmelungen der Texte wagen wollen.

    Wo keine kaputten Texte zwischen den einzelnen Sprüchen stehen bleibt es erstmal bei der Einerregelung.

  • #2

    Jonas (Freitag, 19 Mai 2017 09:26)

    Zum Spruch 2) gibt es schon eine Betrachtung in den Kreisgedanken 2 "Der Weg zum Erbe", p. 36 - 39

  • #3

    Jonas (Freitag, 19 Mai 2017 09:40)

    Im Spruch 1 ("Ein hebräischer Mensch pflegt einen Hebräer zu erschaffen.") geht es meines Erachtens um unsere Fähigkeit zur Erschaffung von Elementalen (=Proselyten), die ja durch die Verwendung von Geist (ätherische Vitalität) von uns zum Leben erweckt werden und auch unsere Eigenarten/Eigenschaften beinhalten, beispielsweise unser Intelligenzniveau (Hebräer erschaffen Hebräer).

    Elementale ihrerseits sind aber nicht in der Lage, weitere Elementale zu erschaffen: "Ein Proselyt aber pflegt keinen Proselyten zu erschaffen", sie sind schon zufrieden damit, "dass sie existieren".

  • #4

    Jonas (in "Kreisgedanken 2" S. 36-39) (Freitag, 19 Mai 2017 09:56)

    Der Verfasser des Spruches, der dem gnostischen Philippusevangelium
    entnommen wurde, vergleicht darin vordergründig
    die Beziehung eines Sklaven zu seinem Herrn mit der ganz anders
    gearteten Beziehung eines Sohnes zu seinem Vater. Während
    für den Sohn der Eintritt in das Erbe seines Vaters die zentrale
    Aufgabe darstellt, ist das Sinnen des Sklaven ausschließlich darauf
    ausgerichtet, seine Freiheit zu erlangen. Es werden hier also
    zwei grundverschiedene Verhältnisse mit unterschiedlichen Zielsetzungen
    dargestellt, die aber trotzdem in einer Beziehung zu
    einander stehen, denn der Autor hat hier bewusst eine Verknüpfung
    im zweiten Satz hergestellt, nämlich mit der Bemerkung,
    dass der Sklave eben nicht am Besitz des Herren interessiert ist.
    Wie kann man das in einen spirituellen Kontext bringen?
    Betrachten wir die erste Beziehung einmal näher, die des versklavten
    Menschen zu seinem Herrn. Worin kann hier – spirituell
    betrachtet – die Sklaverei bestehen? Wohl am ehesten in der
    Anhaftung an die uns umgebenden materiellen Dinge, die ja auf
    viele Menschen eine starke Anziehungskraft ausüben und diese
    damit gleichsam in ihre Abhängigkeit bringen. Man sieht dies
    beispielsweise daran, wie schwer es uns fällt, auf lieb gewordene
    Gewohnheiten oder materielle Annehmlichkeiten zu verzichten.
    Leider ist das bloße Halten eines gewissen Lebensstandards
    für die meisten Menschen nicht genug. Die Gier nach „mehr“,
    nach immer größerem Besitz, nach immer mehr Dingen, die uns
    Erfüllung versprechen, aber diese uns letzten Endes nicht geben
    können, bedingt einen immer größer werdenden Aufwand an
    Ressourcen und Arbeitseinsatz, um diese Dinge zu erreichen. Ein
    sich selbst verstärkender Teufelskreis, der uns immer tiefer in die
    Versklavung führt.
    Es geht aber auch noch schlimmer, nämlich dann, wenn wir
    diese Dinge sogar als wesentlichen Teil unseres Selbstes betrachten,
    wenn wir uns also gleichsam durch unseren Besitz definieren.
    Wie oft treffen wir Menschen, die sich als erfolgreicher Geschäftsmann,
    Anwalt oder Spitzensportler sehen und damit voll
    identifiziert sind. Das Teuflische und Traurige daran ist, dass sie
    ihr Sklavendasein nicht einmal als solches erkennen, zumindest
    nicht bis zu dem Zeitpunkt, wo sie dies durch den Karmaprozess
    schmerzvoll vor Augen geführt bekommen. Massiver materieller
    Verlust, eine schwere Krankheit oder das Hinübergehen geliebter
    Menschen können hier die Wertigkeiten rasch und nachhaltig
    verschieben. Manche erkennen durch diese „Peitschenhiebe des
    Schicksals“ ihre Unfreiheit und Abhängigkeit, sehr wenige versuchen
    aus dieser Erkenntnis heraus, sich aus ihrem selbstgewählten
    Gefängnis zu befreien.
    Wir können uns dieser Art der Versklavung aber auch aus einem
    anderen Blickwinkel, nämlich dem Wirkungsgefüge unserer Persönlichkeitsstrukturen
    heraus, annähern: Es ist die Dominanz unserer
    Alltagspersönlichkeit, die über ihre permanenten niederen
    Impulse unserem höheren Selbst ihren Willen aufzuzwingen versucht.
    Die Alltagspersönlichkeit ist der Herr, der uns als höheres
    Selbst in der Sklaverei hält. Eigentlich sollte es ja umgekehrt sein,
    wir sollten versuchen, unsere Alltagspersönlichkeit mit liebevoller
    Strenge zu führen, aber Hand auf 's Herz, wie oft wedelt auch bei
    uns noch – bildlich gesprochen – der Schwanz mit dem Hund?

  • #5

    Jonas (in "Kreisgedanken 2" S. 36-39) 2. Teil (Freitag, 19 Mai 2017 09:57)

    Auch in diesem Aspekt der Versklavung ist es so, dass den meisten
    Menschen ihr Sklavendasein gar nicht bewusst ist. Sie versuchen,
    berauscht durch den Glanz der Materie, den Impulsen ihrer
    Alltagspersönlichkeit so weit wie möglich nachzukommen. Zum
    Beispiel findet man häufig das Phänomen, dass Alkoholiker ihre
    Krankheit vehement abstreiten, sie finden beispielsweise gar nichts
    dabei, wenn sie um zwei Uhr in der Früh zittrig wach werden,
    zur Whiskyflasche greifen und erst nach einem kräftigen Schluck
    weiterschlafen können. Wenn das keine Form von Versklavung
    ist, was dann? Interventionen des höheren Selbstes in Form von
    Gewissensbissen oder ernsthaftem Nachdenken werden nach kurzer
    Zeit von der Alltagspersönlichkeit gekonnt abgewiegelt oder
    bestenfalls in Form einer angenehmeren Ersatzhandlung rasch integriert,
    sodass letztendlich auch hier nur der schmerzhafte Karmaprozess
    die notwendigen Änderungen bewirkt. Der bewusste
    Einstieg in die aktive Modifikation unserer Alltagspersönlichkeit
    stellt hier den leider nur von wenigen beschrittenen Königsweg
    dar, der uns unsere Versklavung in den verschiedensten Aspekten
    unserer Persönlichkeit sukzessive vor Augen führt und uns die
    Tür zur Freiheit weist. Wenn wir diese einst durchschreiten werden,
    haben wir schon Gewaltiges vollbracht, wir haben unsere
    Herkulesaufgaben und damit einen wesentlichen Aspekt unserer
    Inkarnationsmission erfüllt.
    Da das Abschütteln unseres materiellen Sklavenjoches nur einen
    – wenn auch sehr wichtigen – Teil unseres selbstgewählten
    Ausbildungsprogrammes zur Menschwerdung darstellt, deutet der
    Verfasser des Spruches in den nächsten Sätzen auf ein weiteres,
    wichtiges Aufgabengebiet hin, das diesem nahtlos anschließt und
    somit auch mit diesem in Verbindung steht.
    Solange wir noch versklavt sind, besteht unser primäres Ziel
    einmal darin, frei zu werden. Rückt dieses schon in greifbare
    Nähe oder haben wir es bereits erreicht, ändert sich unser Status
    und damit auch unsere Zielvorgaben. Wir beginnen jetzt, nicht
    mehr als Sklave, sondern als von der Gängelung unserer Alltagspersönlichkeit
    und der materiellen Verhaftung freigewordener
    Sohn, der sich seiner Herkunft als Erzengel bewusst geworden
    ist, nach dem Erbe des Vaters zu trachten. Der Auftrag dazu wird
    uns vom Verfasser des Spruches klar dadurch mitgeteilt, dass „der
    Sohn aber nicht nur ein Sohn ist“, also unsere edle Herkunft alleine
    nicht ausreichend ist, sondern wir uns unser Erbe „zuschreiben“
    sollen.
    Was ist nun dieser Besitz des Vaters bzw. unser versprochenes
    Erbe? In einem Aspekt ist es paradoxerweise genau das, wovon
    wir uns in einem mühsamen Prozess erst befreien mussten, nämlich
    die materielle Welt! Wir müssen sie uns zu eigen machen,
    dadurch, dass wir ihre Gesetzmäßigkeiten erkennen und diese
    auch zu beherrschen lernen. Jetzt aber nicht mehr auf Basis eines
    gierbehafteten Besitzdenkens, nein, sondern auf der Ebene unseres
    höheren Selbstes in Einklang mit dem göttlichen Plan. Erst
    dadurch wird es uns einst gestattet werden, wie die Erzengel, die
    sich aller Aspekte ihrer Arbeit bewusst sind und damit fehlerfrei
    tätig sind, schöpferisch wirken zu können. Wir haben uns
    dann in aller Demut und reich an Erfahrung im wahrsten Sinne
    des Wortes die Erde untertan gemacht und damit als Söhne des
    Höchsten unser versprochenes Erbe angetreten.

  • #6

    Ruth Finder (Freitag, 19 Mai 2017 11:43)

    Ich finde, dass die folgende Geschichte gut zu dem Satz -"Der Sohn aber..." - passt:

    - Grundlage
    Die Grundlage der Lehren des Schargoroders war: "Ich will euch nicht zu sehr gläubigen Menschen machen. Ich will euch zu tief gläubigen Menschen machen. Sehr Gläubige hängen sehr an der Form. Tief Gläubige gründen tief und fest in der Wahrheit."

  • #7

    Clemens Satorius (Freitag, 19 Mai 2017 12:09)

    zu Spruch 1) Die guten Lehrer und Meister wenden sich anderen Menschen zu mit dem Ziel, sie auch zu guten Lehrern und Meistern zu machen und sich selbst dabei zu erfüllen und zu wachsen. In der Welt werden diese Volontäre und Aspiranten aber als "Schüler" gesehen und man nimmt aufgrund der linearen, dualistischen Sichtweise in der Regel an, das diese selbst keine Schüler haben.
    In der Spirituellen Gemeinschaft heißt es: "Wir sind einander Lehrer und Schüler zugleich!" Damit wird die lineare, dualistische Sichtweise aufgehoben und unsere Position in einem polaren Spektrum herausgestrichen, die JEDEM die Verantwirtlichkeit sowohl als Schüler als auch als Lehrer zuweist - und auch die Freude darüber.