Thomas 2.991

(102) Jesus sprach: „Wehe den Pharisäern, denn sie gleichen einem Hund, der im Futtertrog der Rinder schläft; denn weder frißt er, noch läßt er die Rinder fressen.“

 

(104) Sie sprachen [zu Jesus]: „Komm, laß uns heute beten und fasten.“
Jesus sprach: „Welches ist denn die Sünde, die ich begangen habe, oder worin bin ich besiegt worden? Aber wenn der Bräutigam das Brautgemach verläßt, dann laßt sie fasten und beten.“

(105) Jesus sprach: „Wer den Vater und die Mutter kennt, wird Sohn einer Hure genannt werden.“

(106) Jesus sprach: „Wenn ihr die zwei zu eins macht, werdet ihr Söhne des Menschen werden. Und wenn ihr sagt: Berg, bewege dich fort, wird er sich fortbewegen.“

(107) Jesus sprach: „Das Königreich gleicht einem Hirten, der hundert Schafe hatte. Eines, von ihnen, das größte, verirrte sich. Er verließ die neunundneunzig und suchte nach dem einen, bis er es fand. Nachdem er sich so abgemüht hatte, sprach er zu dem Schaf: ich liebe dich mehr als die neunundneunzig.“

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Kommentare: 7
  • #1

    Jonas (Freitag, 12 Mai 2017 12:27)

    zu 106): Wunderschönes Logion von der Überwindung der Dualität. Kann man auch als Ende der Verwechslung mit sich selber auffassen, die wiedererlangte Einheit von AP und HS. Jesus drückt es in anderen Worten auch so aus: "Der Vater und ich sind eins".

    zu 102): Wir müssen aufpassen, dass wir selber nicht in die Rolle des Hundes im Trog kommen. Wir sind immer gefordert, dort wo es angebracht ist, Wissen und Ausrichtung in geeigneter Form an andere Suchende weiterzugeben. Auch das selbstgefällige Schwelgen in Glaubensgebäuden (Liegen im Trog) birgt erhebliche Gefahren für die eigene Entwicklung, von den karmischen Konsequenzen ganz zu schweigen.

    In 107) wird uns eigentlich ein gnostischer Mythos präsentiert: Ursprünglich sind wir alle Erzengelwesen (100 Schafe) ohne besondere Differenzierung in der Einheit Gottes (als Hirten). Das größte Schaf, als Bild für die Erzengel mit dem Entwicklungsauftrag "Mensch", verirrt sich in den Welten der Trennung und versinkt in der Verwechslung. Gott wendet einige Mühe auf (z.B. in Form seiner Karmagesetze, Propheten, Heiligen) um uns wiederzufinden und hat große Freude daran, wenn wir wieder heimkehren, reich an Erfahrung und Einsicht. Wir werden durch diese zusätzliche Qualifikation über die anderen Erzengel gestellt (ich liebe dich mehr als die 99), das klingt auch schon vorher in der Bezeichnung des "größten" Schafes, das sich verirrt hat, an.

  • #2

    Ruth Finder (Freitag, 12 Mai 2017 15:29)

    zu 102) Und auch hier Ego (Hund) als Platzhalter: Es kann (will!) nicht die höheren geistigen Impulse umsetzen (das Futter), hindert uns aber andererseits daran teilzunehmen.
    Nur ein Haustier noch kann ihm den Platz streitig machen oder sich zu ihm gesellen - das allesfressende und auch zum Beißen fähige Schwein. ^^

  • #3

    Ruth Finder (Freitag, 12 Mai 2017 15:47)

    zu 107) Das Königreich gleicht dem Menschen, der alle göttlichen Eigenschaften in sich trägt (100 Schafe) - fähig sie zu verwirklichen. Selig ist aber der Mensch, der die größte von ihnen - die allumfassende Liebe (das größte Schaf) - gesucht und gefunden hat, denn sie ist am wertvollsten.

  • #4

    Ruth Finder (Freitag, 12 Mai 2017 20:44)

    zu 105) Wer sich zu Wahrheit bekennt, trifft oft auf Unverständnis und Ablehnung, im schlimmeren Fall wird er beschimpft und angefeindet.

  • #5

    Jonas (Freitag, 12 Mai 2017 21:59)

    104) bereitet mir vom Verstehen her doch erhebliche Probleme, das fügt sich irgendwie nicht schlüssig zusammen. Hier einige Gedanken dazu: Dass Jesus sich als -angenommen - reiner Ausdruck des Logos so gut wie nichts vorzuwerfen hat, da er eins mit dem Vater ist, ist ja noch einigermaßen verständlich. Er muss also nicht wirklich zu den üblichen Methoden der Einkehr in Form des Fastens und Betens greifen, er befindet sich in seinem Einssein quasi in einem permanenten Gebet. Daher lehnt er auch die Aufforderung seiner Anhänger dazu ab, da er keine Veranlassung dazu sieht.
    Beten und Fasten wäre aber seiner Ansicht nach sehr angebracht, wenn "der Bräutigam das Brautgemach verlässt". Das könnte man als die bewusste Abkehr eines Weg-Arbeiters vom bisherigen Weg auffassen, oder als Ausscheiden eines ESG Mitglieds aus der spir. Gemeinschaft. In diesem Fall wäre das Fasten und Beten der Gemeinschaft sicher sehr angebracht.
    Vielleicht ist das Logion so zu verstehen.

  • #6

    Jonas (Freitag, 12 Mai 2017 22:06)

    Ergänzung zu 104) Oder er deutet mit dem "Bräutigam, der das Brautgemach verlässt", seinen eigenen Tod an, da er ihnen dann nicht mehr zugegen ist und ihnen somit auch keine Führung geben kann.

  • #7

    K (Samstag, 13 Mai 2017 08:53)

    Zu 102) Der Hund schläft im Trog der Rinder. Dass er schläft, deutet ja darauf hin, dass er nicht wach ist. Das ist ein Bild für das Schlafen auf der spirituellen Ebene, das Erwachen hat noch nicht stattgefunden. Im Trog der Rinder gibt es Nahrung für die Rinder, die für den Hund ungeeignet ist. Er kann diese Nahrung nicht fressen, überlässt sie aber auch nicht den Rindern sondern beansprucht sie für sich, obwohl er sie gar nicht verdauen könnte. Das könnte auch ein Hinweis sein, für Menschen in religiösen Zusammenhängen. Sie beanspruchen die Wahrheiten, die in den religiösen Lehren verborgen sind für sich, können diese Wahrheiten aber noch gar nicht aufnehmen und verdauen, weil sie noch schlafen und weil sie als Hunde diese Wahrheit sowieso noch nicht aufnehmen können (müssen erst zu Rindern werden).
    Wir sollten darauf achten, nicht wie ein Hund zu sein, der noch nicht reif genug (erwacht genug) ist, um spirituelle Wahrheiten wirklich aufnehmen und wirklich verdauen zu können. Das zeigt sich dann auch im Verhalten. Wir sollten nicht auf dem „Wissen“ sitzen (mit dem wir noch nicht wirklich etwas anfangen können, das wir noch nicht wirklich durchdrungen haben) und es nicht weitergeben. Wären wir wie ein Rind, also weiter fortgeschritten, dann könnten wir die spirituelle Nahrung aufnehmen und verdauen und würden selbstverständlich andere an der Wahrheit teilhaben lassen und würden gemeinsam mit ihnen die Wahrheit aufnehmen und verdauen.