Selbstverurteilung

Es gibt einen fundamentalen Irrtum, dem Beschreiter des Karmapfades oft verfallen und der sie zu innerer Abwehr, Verleugnung und Schuldprojektion bewegt. Aber auch bewusstere Weg-Arbeiter können sich auf die selbe Weise irren, wenn sie in der Innenschau und Selbstanalyse oder bei der aufmerksamen Beobachtung ihres Alltagsgeschehens auf Spuren ihrer Schattenseiten stoßen und innere Leichtigkeit und Weiträumigkeit noch nicht ausreichen, um diese Erfahrung und Einsicht auf die richtige Weise einzuordnen.

 

Der Irrtum ist, dass wir uns als böse oder schlecht be- bzw. verurteilen, wenn wir mit unseren Schatten konfrontiert werden. Dieses Selbstempfinden bewirkt, dass auch noch vorhandene Reste von innerer Weite und Leichtigkeit zusammenschnüren und uns geistig eng, schwer und dumpf werden lassen. Und dann können wir kaum noch vermeiden, dass wir den oben erwähnten Verdrängungsmechanismen der Karmapfad-Beschreiter verfallen. Ja, wir werden dadurch Karmapfad-Beschreiter.

 

In Wirklichkeit sind wir nicht böse oder schlecht, wenn wir böse oder schlechte Anteile in unserer AP-Struktur entdecken, sondern wir müssen erkennen, dass wir durch diese Anteile leiden werden. Und dass wir darüber hinaus bei anderen Leid verursachen werden. Im Grunde wirken sich diese Schatten auf alle Bereiche der drei Säulen aus.

 

Mit innerer Weite und Leichtigkeit können wir hieraus die Motivation und die Fähigkeit zum Loslassen und Überwinden der Schatten und ihrer Wurzeln ziehen. Wir gewinnen Kraft und Ortskenntnis für das Beschreiten des Weges.

 

Selbstverurteilung bewirkt hingegen "bestenfalls" Erschlaffung, handlungsunfähiges Zusammensinken auf dem Pfad oder gar Abirrungen beispielsweise in Form der oben genannten Mechanismen von Abwehr, Verleugnung und Schuldprojektion.

 

Selbstverurteilung ist dadurch entlarvt als Trick der AP, die sich gegen die Verwandlung sträubt - selbst wenn der Preis dafür Leid ist. Legen wir sie - ebenso wie die Verurteilung anderer - einfach ab. Wenn wir sie wahrnehmen: benennen, loslassen, einen weiteren Schritt voran tun.

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