Thomas 2.95

(75) Jesus sprach: „Viele stehen an der Tür, aber die Einsamen sind es, die in das Brautgemach eintreten werden.“

(76) Jesus sprach: „Das Königreich des Vaters gleicht einem Kaufmann, der Ware hatte und eine Perle fand. Jener Kaufmann war schlau. Er verkaufte die Ware und kaufte sich die Perle allein. Sucht auch ihr den zuverlässigen und dauerhaften Schatz, dort, wo keine Motte hinkommt, um zu fressen, und wo kein Wurm zerstört.“

(77) Jesus sprach: „Ich bin das Licht, das über ihnen allen ist. Ich bin das All, das All ist aus mir hervorgegangen, und das All ist bis zu mir ausgedehnt. Spaltet ein Holz, ich bin da. Hebt den Stein auf, und ihr werdet mich dort finden.“

(78) Jesus sprach: „Warum seid ihr ausgezogen in die Wüste? Um ein Schilfrohr im Winde schwanken zu sehen? Und um einen Menschen zu sehen, der weiche Kleider anhat [wie eure] Könige und Vornehmen? Sie haben weiche Kleider an, und sie können die Wahrheit nicht erkennen.“

(79) Eine Frau aus der Menge sprach zu ihm: „Gesegnet der Schoß, der dich getragen hat, und die Brüste, die dich genährt haben.“
Er sprach zu ihr: „Gesegnet sind die, die das Wort des Vaters gehört haben und die es wahrhaft bewahrt haben. Denn es werden Tage kommen, da ihr sagen werdet: Gesegnet der Schoß, der nicht empfangen hat, und die Brüste, die nicht Milch gegeben haben.“

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Kommentare: 9
  • #1

    Ruth Finder (Donnerstag, 04 Mai 2017 13:23)

    zu 75) Auch hier geht es unter anderem um Entschlossenheit, um Beharrlichkeit, um den Willen, den Weg zu gehen, die Arbeit zu machen. Viele fangen an, sind inspiriert ("stehen an der Tür"), aber dann erschlafft ihr Wille, sie werden ungeduldig oder verlieren ihr Interesse, oder machen etwas anderes (gehen zu einer anderen Tür) und geben auf ("gehen von der Tür weg"). Die, die an der Tür stehen bleiben ("die Einsamen"), werden eintreten, werden erfahren, werden willkommen geheißen.

  • #2

    Ruth Finder (Donnerstag, 04 Mai 2017 13:59)

    zu 75) Oder, viele stehen an der Tür mit ihrem sperrigen Gepäck, mit ihren großen Anhängseln: Die AP ist von inneren und äußeren negativen Elementalen, Impulsen, Gedanken, Gefühlen, Taten überladen. So würden sie nicht durch die Tüt passen und hinter der Tür gibt es keinen Platz für dieses Gerümpel. Aber es ist ihr zum Teil erwachtes HS, das sie immerhin an der Tüt stehen lässt. Die mit weniger seelischem Ballast - die Einsamen - passen leichter durch die Tür.

  • #3

    Ruth Finder (Donnerstag, 04 Mai 2017 19:29)

    zu 78) Vielleicht so: Was macht ihr in der Welten der Trennung ("in die Wüste ausziehen")? Um dem Nichtigen, Unbeständigen und Vergänglichen nachzujagen ("Schilfrohr im Winde schwanken sehen")? Um euren weltlichen ("Könige und Vornehme") und religiösen ("ein Mensch, der Kleider - Priestergewand? - anhat") Führern zu folgen? Um an deren Form, Worten, Lügen und Autoritäten (deren "Kleider") anzuhängen? Aber sie sind von diesen Irrtümern umgeben ("haben welche Kleider an") und haben die Wahrheit nicht.

  • #4

    Jonas (Freitag, 05 Mai 2017 11:32)

    zu 75) Man könnte die Einsamen, die vor der Türe zum Brautgemach stehen und auch eintreten werden, als Menschen auffassen, die ihre karmischen Verbindungen/Verbindlichkeiten zu ihrer bisherigen Karmagruppe bzw. zur Welt schon größtenteils abgearbeitet haben. Sie haben die Klassenlektionen gelernt und sind soweit fortgeschritten, dass sie die künstliche Trennung ihrer AP von ihrem HS (zumindest graduell) überwunden haben und damit eins(am) mit sich selbst geworden sind.
    Sie haben dadurch Freiheit erlangt und sich qualifiziert für eine neue Art der Entwicklung, symbolisiert durch den Eintritt ins Brautgemach.
    Diejenigen, die sich in diesem Sinne einsam machen, kann man als die Volos und Aspis auffassen, die dann letztlich durch die Tür (Aufnahme) ins Brautgemach (ESG) eintreten werden.

  • #5

    Hendrik (Freitag, 05 Mai 2017 13:59)

    zu 76) Eine Perle ist mit Schönheit und Glanz überzogenes Leid. Der Schatz ist nicht die Perle, sondern das scharfkantige Sandkorn, das in das empfindliche Innere der Auster gelangt - und die Fähigkeit, es zur Basis von etwas Schönem und Wertvollem zu machen.

  • #6

    Hendrik (Freitag, 05 Mai 2017 14:20)

    zu 77) Gott ist der Ursprung von allem, vom Anfang der Zeiten bis zum Ende, alles umfangend und übersteigend und gleichzeitig dem Kleinsten innewohnend. Nicht zu übersehen, sollte man meinen.

    Die zeitweise Blindheit für dieses Faktum könnte aus zwei Quellen gespeist sein: Aus der Allgegenwart, die schließlich nicht mehr als Anwesenheit wahrgenommen wird, weil sie der Basiseindruck von jedweder Wahrnehmung ist. Oder aus der grundlegenden und zu überwindenden Unfähigkeit, auf die richtige Weise zu schauen.

  • #7

    Hendrik (Freitag, 05 Mai 2017 14:30)

    zu 79) Hier korrigiert Jesus eine romantische Vorstellung, eine Projektion einer "Frau aus der Menge". „Gesegnet sind die, die das Wort des Vaters gehört haben und die es wahrhaft bewahrt haben."

    Und als Beispiel für den Wankelmut der AP mit ihren Projetionen nennt er dann eine weitere Projektion, die in ihrer gegenteiligen Perspektive zwar auch eine berechtigte Warnung enthält, aber letztlich ebenfalls der von ihm genannten Richtigstellung widerspricht.

  • #8

    Ruth Gabriel (Freitag, 05 Mai 2017 15:50)

    Zu Spruch 77:
    Interessant finde ich, dass Jesus nicht sagt „Ich bin das Holz“ oder „Ich bin der Stein oder unter dem Stein“, sondern er spricht von Bewegung, davon, dass wir ihn beim Holzspalten finden oder beim Steinaufheben. Könnte man auch als Hinweis auf Weg-Arbeit deuten.

  • #9

    Maria (Samstag, 06 Mai 2017 22:32)

    (75) Jesus sprach: „Viele stehen an der Tür, aber die Einsamen sind es, die in das Brautgemach eintreten werden.“

    Es gibt eine alte Bedeutung des Wortes „einsam/einsamana“ und das bedeutet Einheit. Vielleicht ist das für diesen Satz Jesu‘ hilfreich. Es könnte damit gemeint sein, dass wir dann in das Brautgemach eintreten, wenn wir die schmerzhafte und leidvolle Zersplitterung in uns überwunden haben. Diese entsteht durch den Kampf der Alltagspersönlichkeit mit sich und gegen heilsamen und göttlichen Impulse durch das Höhere Selbst. Durch den Kampf der vielfältigen, teilweise sehr widersprüchlichen Elementale, heilsame wie unheilsame, die uns wie eine Armee begleiten und hin- und herreißen, solange wir nicht die Modifizierung und Läuterung der Alltagspersönlichkeit und den Zugang zum Höheren Selbst kontinuierlich ausbauen. Diese Einheit und Klarheit darüber, wer man wirklich ist, ist die Eintrittskarte in das Brautgemach.