Thomas 2.93

(62) Jesus sprach: „Ich sage meine Geheimnisse denen, die [würdig sind meiner] Geheimnisse. Was deine Rechte tut, soll deine Linke nicht erfahren.“

(63) Jesus sprach: „Es war ein begüterter Mann, der viel Reichtum hatte. Er sprach: Ich werde meine Reichtümer benutzen, um zu säen, zu ernten, zu pflanzen, meine Speicher mit Frucht zu füllen, auf daß mir nichts fehle. Das war es, was in seinem Herzen dachte. Und in jener Nacht starb er. Wer Ohren hat, möge hören.“

(64) Jesus sprach: „Ein Mann hatte Gäste; und als er das Mahl zubereitet hatte, sandte er seinen Diener, damit er die Gäste einlade.
Er ging zum ersten und sprach zu ihm: Mein Herr lädt dich ein. Der sprach: Ich habe Geld bei Kaufleuten, sie werden heute abend zu mir kommen, ich werde gehen und ihnen Anweisungen geben. Ich entschuldige mich für das Mahl.
Er ging zu einem anderen und sprach zu ihm: Mein Herr hat dich eingeladen. Er sprach zu ihm: Ich habe ein Haus gekauft, und man verlangt für einen Tag nach mir. Ich werde keine Zeit haben.
Er ging zu einem anderen und sprach zu ihm: Mein Herr lädt dich ein. Er sprach zu ihm: Mein Freund wird heiraten, und ich werde ein Mahl bereiten.
Ich werde nicht kommen können. Ich entschuldige mich für das Mahl.
Er ging zu einem anderen und sprach zu ihm: Mein Herr lädt dich ein. Er sprach zu ihm: Ich habe ein Gut gekauft und gehe, den Pachtzins zu erhalten. Ich werde nicht kommen können. Ich entschuldige mich.
Der Diener ging und sprach zu seinem Herrn: Die du eingeladen hast zum Mahl, lassen sich entschuldigen. Der Herr sprach zu seinem Diener: Geh hinaus auf die Straßen, bringe die, die du findest, damit sie speisen. Die Geschäftsleute und Händler werden die Orte meines Vaters nicht betreten.“

(65) Er sprach: „Ein rechtschaffener Mann hatte einen Weinberg. Er gab ihn Winzern, damit sie in ihn bearbeiteten und er die Frucht von ihnen erhielte. Er schickte seinen Diener, damit die Winzer ihm die Frucht des Weinbergs gäben. Sie ergriffen seinen Diener, schlugen ihn und hätten ihn fast erschlagen. Der Diener ging und sagte es seinem Herrn. Sein Herr sprach: Vielleicht hat er sie nicht erkannt. Er schickte einen anderen Diener und die Winzer schlugen auch diesen. Dann schickte der Herr seinen Sohn. Er sprach: Vielleicht werden sie Achtung haben vor meinem Sohn. Die Winzer, da sie erfuhren, daß er der Erbe des Weinbergs war, packten ihn und töteten ihn. Wer Ohren hat, möge hören.“

(66) Jesus sprach: „Zeigt mir den Stein, den die Bauleute verworfen haben: Er ist der Eckstein.“

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Kommentare: 6
  • #1

    Ruth Gabriel (Montag, 01 Mai 2017 19:18)

    Zu Spruch 66:
    Nicht die Dinge die wir gut können, die uns geschmeidig von der Hand gehen, die sich gut einpassen, sind die Dinge die uns wirklich weiterbringen, uns tragen. Aus dem Takt kommen und diese Irritation überwinden und wieder in den Takt kommen, gegen den Widerstand in die Umsetzung kommen, wieder und wieder, weiter und weiter. Das könnte der tragende Eckstein sein.

  • #2

    Ruth Finder (Montag, 01 Mai 2017 21:30)

    zu 64) "Der Herr sprach zu seinem Diener: Geh hinaus auf die Straßen (an die LUFT/ INS FREIE), bringe die, die du findest, damit sie speisen (Pneumatiker). Die Geschäftsleute und Händler (Hyliker und Psychiker) werden die Orte meines Vaters nicht betreten."

  • #3

    Ruth Finder (Montag, 01 Mai 2017 22:33)

    zu 66) Für viele war/ist die wahre Lehre "der Stein des Anstoßes" ("Eckstein"), weil sie oft zum Aufrütteln, zum Aufwühlen und zum Streit im Inneren vieler Menschen führt. Auch die Umwelt dieser Menschen reagiert darauf mit Unverständnis. Sie wollen dann die wahre Worte und Botschaften nicht hören und aufnehmen/ "aufheben" ("werfen den Stein weg"), um diese vermeintlichen Ärgernisse zu vermeiden.

  • #4

    Ruth Finder (Montag, 01 Mai 2017 22:41)

    zu 63) Wahrscheinlich der kürzeste Kommentar aller Zeiten. ^^

    "Tue es! Jetzt!"

  • #5

    Jonas (Dienstag, 02 Mai 2017 07:50)

    zu 65) gibt es meines Erachtens eine sehr naheliegende Interpretation:
    Der rechtschaffene Mann (Gott) übergibt seinen Weinberg (= die materielle Welt) den Winzern (die Menschen mit ihrem Entwicklungsauftrag), die hier (an sich) arbeiten sollen um Früchte hervorzubringen (ihre Weiter-/Höherentwicklung).
    Gottes Diener, die er schickt, um die Früchte einzufordern, wären dann die Religionsstifter und Propheten, die die Menschen mahnen, sich nicht einzurichten sondern ihrer Arbeit an sich selbst nachzukommen. Das kommt allerdings bei den Menschen, die tief in der Verwechslung mit ihrer AP stehen, gar nicht gut an, sie lehnen die Boten im günstigsten Fall ab oder schlagen sie sogar (Schicksal vieler Propheten). Die Wahrheit hört man halt nicht gern.
    Jesus, dem Sohn Gottes, ergeht es nicht besser, er ist sich darüber im klaren und kündigt in den letzten Sätzen den Jüngern seinen Tod an.

  • #6

    Hendrik (Donnerstag, 04 Mai 2017 11:07)

    zu 62) Hier thematisiert J. die Verborgenheit der ESG, die sich zu einem vertieften Verständnis der Wahrheiten bereit gemacht hat - die seiner Geheimnisse würdig (Wortherkunft von "wert") sind, also sinnvoll damit umgehen können. Die ESG ist "seine Rechte". Nicht im Sinne von rechts/links, sondern im Sinne von richtig/falsch und Recht/Unrecht. Und diese "Rechte" bleibt der anderen Fraktion in Tun und Existenz (möglichst) verborgen.