Thomas 2.91

(51) Seine Jünger sprachen zu ihm: „Wann wird die Ruhe der Toten eintreten, und wann wird die neue Welt kommen?“
Er sprach zu ihnen: „Was ihr erwartet, ist gekommen, aber ihr erkennt es nicht.“

(52) Seine Jünger sprachen zu ihm: „Vierundzwanzig Propheten sprachen in Israel, und sie alle sprachen in dir.“
Er sprach zu ihnen: „Ihr habt den Lebendigen, der vor euch ist, ausgelassen und habt von den Toten gesprochen.“

(53) Seine Jünger sprachen zu ihm: „Nützt die Beschneidung oder nicht?“
Er sprach zu ihnen: „Wenn sie nützte, würde ihr Vater sie beschnitten aus ihrer Mutter zeugen. Aber die wahre Beschneidung im Geiste hat vollen Nutzen gehabt.“

(54) Jesus sprach: „Selig sind die Armen, denn euer ist das Himmelreich.“

(55) Jesus sprach: „Wer seinen Vater nicht haßt und seine Mutter, kann nicht mein Jünger werden. Und wer seine Brüder und seine Schwestern nicht haßt und wer nicht sein Kreuz nimmt wie ich, wird meiner nicht würdig sein.“

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Kommentare: 8
  • #1

    Ruth Finder (Freitag, 28 April 2017 11:23)

    zu 51) Die Gegenwart Gottes ist in uns - "Ruhe" (HS) der "Toten"(noch nicht Erwachten) und um uns herum - "neue Welt" (wahre Wirklichkeit). Aber wir nehmen das nicht wahr.

  • #2

    Jonas (Freitag, 28 April 2017 12:19)

    Eine kurze numerologische Überlegung zur Zahl 24 in Logion 52:
    Die Zahl ergibt sich aus der Verdoppelung von 12, die als Sinnbild für die Ganzheit, Einheit und Vollkommenheit gesehen werden kann (z.B. die zwölf Apostel, 12 Stämme Israels etc.). Sie setzt sich nämlich aus 3 mal 4 zusammen, drei steht für das Göttliche/Geistige (die Trinität) und die Vier für das Weltliche/Materielle (z.B. 4 Elemente n. F. Bardon), in der Kombination also für die Einheit von beidem. Im übertragenen Sinn könnte man die 12 also auch als Symbol für die Einheit von AS und HS betrachten. Jesus verneint eine solche Deutung aber bezüglich der Propheten, indem er die diese als "Tote" bezeichnet, sich selbst aber als "lebendig" (im Sinne der 12).

  • #3

    Ruth Finder (Freitag, 28 April 2017 12:23)

    zu 55) "Den Vater, die Mutter, die Geschwister zu hassen" bedeutet, sich von den altbekannten, lieb- und innegewordenen Konventionen, Zwängen und negativen Gewohnheiten - in allen drei Säulen der spirituellen Entwicklung - sukzessive zu befreien. Das passiert nicht ohne inneren und äußeren Widerstand. Die Weg-Arbeit/Erlösung (Ablösung von der "Familie") ist schwer ("das Kreuz nehmen/tragen"). Wer das macht, wird seiner göttlichen Natur würdig sein.
    In der "Familie" (AP) gibt es auch Gutes, und das müssen wir unterstützen und weiter kultivieren. Die "Familie" können wir nicht auflösen, aber wir können sie modifizieren und transformieren. Aus Hass wird Liebe werden - auch das ist Gottes würdig.

  • #4

    Ruth Finder (Freitag, 28 April 2017 13:19)

    zu 52) 24 Stunden am Tag beschäftigen wir uns ("Israel"- unsere Seele) mit zweitrangigem (unwichtigem), was wir aber für erstrangig, richtig und wichtig halten: Wir glauben, ein reines Gewissen zu haben ("in Dir sprechen"). Wie aber der Rabbi Mosche Löb von Sasow sagte: "Ein Mensch, dem nicht an jedem Tag eine Stunde gehört, ist kein Mensch." Also diese "Lebendige Stunde" (die Gegenwart Jesu/Gottes in und um uns) lassen wir aus. Wir sollen mit einer Stunde anfangen und nach und nach einen ganzen Tag/Leben "lebendig" verbringen.

  • #5

    Hendrik (Freitag, 28 April 2017 14:22)

    zu 53) Beschneidung als Entsagung, Verzicht genommen... Oder auch als Einhalten von Speisevorschriften. Die FORMALE Entsagung, der FORMALE Verzicht, die FORMALE Einhaltung von Speisevorschriften nützen "nichts"(zumindest dem Individuum nicht - auf die zweite und dritte Säule bezogen müsste man nochmal genauer schauen). Gott hätte uns z.B. einfach wie Kühe als Gras(fr)esser schaffen können. Dann hätten wir beispielsweise kein Problem mit dem Verbot des Verzehrs von Schweinefleisch. Genauso könnten wir auch schon von "Natur" aus keinerlei Bedürfnis haben Flugreisen zu unternehmen, Auto zu fahren, uns mehr als satt zu essen usw..
    Wenn aber mit der Entsagung die richtige innere Haltung verbunden ist, dann ist sie von großem Nutzen! Sie ist sogar das eigentliche Ziel.

  • #6

    Ruth Finder (Freitag, 28 April 2017 14:45)

    zu 53) Durch die Beschneidung (hier als ein Oberbegriff für Form) werden wir kaum was lernen. Aber der Gottesplan, dass wir erst entzweit sind - in AP und HS (be)schnitten, hat vollen Nutzen, denn wir werden nur durch die Überwindung dieses Risses in der Seele/im Geiste lernen, wieder Eins zu sein.

  • #7

    Hendrik (Freitag, 28 April 2017 16:34)

    zu 54) Könnte auch ein Lob für die ESG sein. Die Armen haben Schwein, weil das Himmelreich (der spirituelle Zugang etc.) EUER ist. In der gewohnten Version heißt es ja wohl IHRER ist das...

  • #8

    Ruth Gabriel (Freitag, 28 April 2017 18:24)

    Zu Spruch 52:
    Ich verstehe das so, dass Jesus darauf hindeutet, dass Erkenntnis/Wissen/Lehre tot ist wenn sie nicht gelebt wird, keinen individuellen Ausdruck findet, nicht umgesetzt wird. Die Jünger erkannten die 24 Propheten in Jesus (Wissen, Lehre), doch das Wesentliche erkannten sie nicht - ihn (den Ausdruck) -. Sie ließen ihn aus. Und jegliches Wissen, jegliche Lehre ist doch nur der Finger, der zum Mond zeigt, aber nicht der Mond selbst.