Thomas 2.9

Läuft ja vorbildlich mit den Deutungen. Beeindruckend!

 

(46) Jesus sprach: „Von Adam bis Johannes dem Täufer gibt es unter den von Frauen Geborenen keinen Höheren als Johannes der Täufer, daß seine Augen nicht [vor ihm] niedergeschlagen werden sollen. Ich aber habe gesagt: Wer von euch klein wird, wird das Königreich erkennen und wird über Johannes erhoben werden.“

(47) Jesus sprach: „Es ist unmöglich, daß ein Mensch zwei Pferde besteigt, zwei Bogen spannt. Und es ist unmöglich, daß ein Diener zwei Herren dient, oder er wird den einen ehren und den anderen geringschätzen.
Kein Mensch trinkt alten Wein und wünscht sogleich, neuen Wein zu trinken. Und man gießt nicht neuen Wein in alte Schläuche, damit sie nicht zerbersten; noch gießt man alten Wein in einen neuen Schlauch, damit er ihn nicht verdirbt. Man näht nicht einen alten Flicken auf ein neues Gewand, da ein Riß entstehen würde.“

(48) Jesus sprach: „Wenn zwei miteinander Frieden schließen in diesem einen Hause, werden sie zum Berg sagen: Bewege dich fort, und er wird sich fortbewegen.“

(49) Jesus sprach: „Selig sind die Einsamen und Auserwählten, denn ihr werdet das Königreich finden, da ihr daraus seid und dorthin zurückkehren werdet.“

(50) Jesus sprach: „Wenn sie zu euch sagen: ‚Woher kamt ihr?’, sagt zu ihnen: ‚Wir kamen aus dem Licht, wo das Licht aus sich selbst entstand und sich begründete, und sich in ihrem Bild offenbarte.’
Wenn sie zu euch sagen: ‚Wer seid ihr?’, sagt: ‚Wir sind seine Söhne, und wir sind die Auserwählten des lebendigen Vaters.’
Wenn sie euch fragen: ‚Welches ist das Zeichen eures Vaters in euch?’, sagt zu ihnen: ‚Es ist Bewegung und Ruhe.’“

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Kommentare: 15
  • #1

    Jonas (Mittwoch, 26 April 2017 21:11)

    48) - Ein wunderschönes Logion: Meines Empfindens nach geht es bei den beiden, die im Haus (im Menschen) Frieden schließen, um die Einheit von AP und HS, die Wiedergeburt im Geiste, die unio mystica. Der Mensch wird zum vollkommenen Ausdruck Gottes in den Welten der Trennung. Damit verbunden ist die Herrschaft über die Materie, ausgedrückt durch das Berge-Versetzen.

    50) ist eine schöne Beschreibung der Dreifaltigkeit Gottes und deren Ausdruck in uns als Menschen. Das Licht, aus dem wir kommen und das unser ureigenstes Wesen ausmacht, steht für den Vater. Als Söhne des Höchsten sind wir in Christus, in seiner logoischen Einheit. Unser Zeichen ist "die Ruhe und die Bewegung". Letzteres steht für das Wirkende, Kraftvolle und Dynamische in uns, Sinnbild für den heiligen Geist. Dabei sind war aber auch gleichzeitig in der Ruhe, verankert in unserem Urgrund, aus dem wir heraus wirken.

  • #2

    Jonas (Mittwoch, 26 April 2017 21:14)

    Entschuldigung, ich sehe gerade, dass ich mich verschrieben habe. Der letzte Satz sollte heißen: Dabei sind wir aber...

  • #3

    L. (Donnerstag, 27 April 2017 07:22)

    Wahr gesprochen, Hendrik. Ich freue mich auch ueber neue Kommentatoren.

  • #4

    Hendrik (Donnerstag, 27 April 2017 09:38)

    zu 49) Nicht die Einsamen und DIE Auserwählten sondern die Einsamen und ZUGLEICH Auserwählten. Entsprechend der 95%-Regel sind die Beschreiter des Weges ja absolut gesehen relativ einsam. Auch in ihrem persönlichen Umfeld mögen sie relativ einsam sein. Die andere Seite ist automatisch die Ausgewähltheit - nicht weil sie per se besser sind, sondern weil sie sich selbst zu Auserwählten gemacht haben, indem sie einen für die AP unbequemen Weg eingeschlagen haben. Diesen wird besondere Unterstützung zuteil, denn die Beschreiter "der breiten Straße" sind gut mit den Automatismen des Karma-Pfades und der Gnade (wieder unter der 95%-Regel) bedient und geleitet.

    Und die Ankündigung der Rückkehr der Auserwählten ins Königreich ihrer Herkunft schließt die anderen auch nicht aus. Es wird hier nur explizit gemacht, was für die anderen inhaltlich ohnehin noch keine Rolle spielt.

  • #5

    Hendrik (Donnerstag, 27 April 2017 10:11)

    zu 48) Den von Jonas schön beschriebenen absoluten Frieden können wir im Kleinen zumindest temporär beispielsweise erfahren, wenn es uns gelingt, die AP durch die rechte Ausrichtung und/oder Einflussnahme des HS zum Verstummen zu bringen und eine Weile aus den üblichen Bewertungsmechanismen nach innen und/oder nach außen herauszunehmen. Selbstüberhebung und Selbstverurteilung wie auch Überhebung und Verurteilung äußerer Personen bewirken einen anhaltenden Spannungszustand, ein beständiges Sich-positionieren-müssen. Ohne dies kann seliger Friede erfahren (gevorgeschmackt ^^) werden.

  • #6

    K (Donnerstag, 27 April 2017 12:17)

    zu 48) Zu Hendriks Kommentar zu Spruch 48 möchte ich ergänzend zu den Bewertungsmechanismen bezüglich der eigenen Person und anderen Personen die Bewertungsmechanismen bezüglich Lebenssituationen und deren Herausforderungen nennen. Auch diesbezüglich gilt es, die AP zum Verstummen zu bringen, als Voraussetzung dafür „seligen Frieden“ zu erfahren. Als positive Beigabe wird man außerdem produktiver und handlungsfähiger.

  • #7

    Ruth Finder (Donnerstag, 27 April 2017 13:43)

    zu 48) Die Welt ist ein himmlisches Gericht ("dieses eine Haus"). Der Mensch ist ein Aufrührer/ein Rebell, der mit der Schöpfung und seinem Schicksal hadert, sich beklagt. Er sieht sich dem Chaos/der Willkür ausgesetzt. Zwar sieht er nicht, dass ihm der Große Richter vieles aus Gnade erlässt, aber er verlangt dem Menschen auch einiges ab. Wenn der Mensch das geistige Gesetz akzeptiert, wird der Richter ihm noch mehr helfen ("sie schließen Frieden miteinander"). Dieses Prozess geht dann gut und zügig zu Ende ("der Berg wird versetzt).

  • #8

    Ruth Finder (Donnerstag, 27 April 2017 14:05)

    zu 46) Johannes der Täufer galt als Vorbote der Lehre Christi. Wie keiner vor ihm, hat er Leute zu Umkehr aufgerufen. Aber Johannes wartete auf ein Messias und er hat das auch verkündet. Er hat sein Heil an jemand anderem/an den äußeren Umständen festgemacht, er hat gewartet. So gesehen, war seine Erkenntnis begrenzt. Wir aber sollen Erlösung in uns suchen ("uns klein machen"). Dann werden wir erkennen und SCHAUEN ( "werden aus der Enge erhoben").

    "Ich rief den Herrn aus der Enge, und er antwortete mir im freien Raum."

  • #9

    Hendrik (Donnerstag, 27 April 2017 19:10)

    zu 46) Hier taucht wieder das Wort "klein" auf. Wenn ein Kleiner höher (entwickelt) ist als Johannes der Täufer, dann könnte das bedeuten, dass entweder Johannes zwar unter den Psychikern der Höchste war, aber ein Pneumatiker "höher" als er wäre. Auch könnte man es so lesen, dass es vor Jesus keine Pneumatiker gab (geben konnte) - wobei das Kommen Jesu dann eine Zäsur in der gesammten Menschheitsentwicklung darstellen würde. Eine Art Halbjahreszeugnis mit anschließendem neuen Lernstoff auf das Versetzungszeugnis hin?

    Seltsam ist die für mich widersprüchliche Doppelübersetzung "daß seine Augen nicht [vor ihm] niedergeschlagen werden sollen." Mit oder ohne Klammer gelesen bedeutet es etwas sehr Unterschiedliches für mich. Auch das "seine Augen" lässt sich dann unterschiedlich verstehen.

  • #10

    Jonas (Freitag, 28 April 2017 08:06)

    Im ersten Teil von 47) kommt meines Erachtens zum Ausdruck, dass wir uns entweder unserer AP oder unserem HS zuwenden (uns danach ausrichten) können, wir können nicht beides gleichzeitig, also der Diener zweier Herren sein (siehe die Betrachtung über die Persona - Masken in Kreisgedanken I).
    Eine allgemeinere Deutung der ersten beiden Sätze wäre die grundsätzliche Ausrichtung an weltlich/materiellen Dingen (als Hyliker) im Gegensatz zur spirituellen/der Weg-Arbeit (als Pneumatiker), wobei hier natürlich viele Zwischenbereiche möglich und denkbar sind. Die Möglichkeit dieser Mischformen klingt auch im zweiten Satz an, wo es heißt, dass man zumindest einen ehren und den anderen geringschätzen wird.

    Im zweiten Teil von 47) wird auf den Unterschied von Form und Inhalt in verschiedenen Beispielen eingegangen und dargestellt, dass es unklug ist, wenn man Neues in alten Formen bzw. Altes in neue Formen darstellt. Meines Erachtens weist Jesus damit auf ein neues Zeitalter, einen neuen Weg, einen Paradigmenwechsel hin, der nicht ins bisherige hineinpasst sondern der aufgrund seines fundamental neuen Inhaltes auch neuer Ausdrucksformen bedarf. Ein neuer Lehrstoff, der sich nicht mit althergebrachtem erlernen lässt.

  • #11

    Hendrik (Freitag, 28 April 2017 11:00)

    Ah, da habe ich noch auf den 47er Kommentar gewartet und mir bei der Arbeit waszurechtgelegt - und schupps! hat Jonas heute früh schon alles detailliert durchgearbeitet. Da kann ich ja gleich die nächsten Sprüche einstellen.

    Ein Punkt ist mir - nachdem ich J.s Überlegungen gelesen habe - noch aufgefallen. Es heißt: "Kein Mensch trinkt alten Wein und wünscht sogleich, neuen Wein zu trinken." Hier klingt vielleicht die Schwierigkeit an, bei sich selbst/bei Personen den Paradigmenwechsel zu bewirken. Die vorangehende alte AP-Prägung kann nur nach und nach abgebaut und durch eine neue Prägung ersetzt werden. Ungeduld und der Wunsch nach schnellen Lösungen wären demnach unrealistisch.

  • #12

    Ruth Finder (Freitag, 28 April 2017 11:02)

    zu 47) Man könnte sagen, dass es hier auch um das Treffen einer Entscheidung geht. Und um deren Umsetzung.

  • #13

    Ruth Gabriel (Freitag, 28 April 2017 17:52)

    Zu Spruch 47:
    Als Ergänzung zu Jonas´Deutung fiel mir folgendes ein:
    Würden wir versuchen zwei Pferde zu besteigen, zwei Bogen zu spannen, zwei Herren zu dienen, dann wäre dies ja immer nur abwechselnd und nicht zeitgleich möglich. Dies würde zur Folge haben, dass wir immer zwischen zwei Richtungen hin- und herpendeln. Und das verursacht, im Hinblick auf das „Vorwärtskommen“ Zögerlichkeit. Hin und Her statt Voran, „Erfahrungsvakuum“ statt Erfahrungssammlung.

  • #14

    Ruth Gabriel (Freitag, 28 April 2017 19:29)

    Zu Spruch 50:
    Zu Bewegung und Ruhe fällt mir Entwicklung und Weg-Arbeit ein, die immer mehr auch mit Ruhe einhergeht. Siehe Jonas´Deutung. Und dann erfasste mich plötzlich der „Gedanke“, dass unsere Entwicklung eigentlich nie aufhören kann. Denn wenn wir Gott immer mehr widerspiegeln sollen, und Gott allmächtig, allliebend und allumfassend ist, dann KANN unsere Entwicklung eigentlich nie aufhören, sie muss ewig weitergehen.

  • #15

    Hendrik (Freitag, 28 April 2017 20:41)

    zu 50) Interessante Überlegung RG. Linear sicher nicht möglich. Würden wir neben Gott vollkommen Gott werden, dann gäbe es ja zwei. Was wir tun können ist, Gott in unserem begrenzten Einflussgebiet zunehmend vollkommen zu offenbaren. Tun wir dies vollkommen, bleibt nur noch Wachstum des Einflussgebietes, aber da gibt es wohl/wahrscheinlich/vielleicht Grenzen. Darüber hinaus bliebe als letzte Möglichkeit - wenn wir also neben und gleichzeitig in Gott alle Entwicklungsmöglichkeiten oder -bedürfnisse abgeschlossen haben - dann nur noch die Theose.