Thomas 2.4

(18) Die Jünger sprachen zu Jesus: „Sage uns, wie unser Ende sein wird.“
Jesus sprach: „Habt ihr denn schon den Anfang entdeckt, daß ihr nach dem Ende fragt? Denn dort, wo der Anfang ist, dort wird auch das Ende sein. Selig, wer am Anfang stehen wird, und er wird das Ende erkennen und den Tod nicht schmecken.“

 

(20) Die Jünger sprachen zu Jesus: „Sage uns, wem das Himmelreich gleicht.“
Er sprach zu ihnen: „Es gleicht einem Senfkorn, kleiner als alle Samen. Wenn es aber auf beackerte Erde fällt, bringt es einen großen Zweig hervor und wird zum Schutz für die Vögel des Himmels.“

(21) Mariham sprach zu Jesus: „Wem gleichen deine Jünger?“
Er sprach: „Sie gleichen kleinen Kindern, die sich auf einem Feld niedergelassen haben, das nicht ihnen gehört. Wenn die Besitzer des Feldes kommen, werden sie sagen: Gebt uns unser Feld zurück. Sie entkleiden sich vor ihnen, damit sie es ihnen überlassen und ihnen ihr Feld zurückgeben. Deswegen sage ich: Wenn der Herr des Hauses weiß, daß er kommen wird, der Dieb, wird er wachen, ehe er kommt, und wird ihn nicht eindringen lassen in das Haus seines Königreiches, damit er seine Sachen hinfortträgt. Ihr aber, seit wachsam angesichts der Welt, gürtet eure Lenden mit großer Kraft, damit die Räuber keinen Weg finden, zu euch zu kommen. Denn der Nutzen [Mangel?], den ihr erwartet, wird eintreten. Möge unter euch ein weiser Mann sein. Als die Frucht reifte, kam er schnell mit seiner Sichel in der Hand, und mähte sie. Wer Ohren hat zu hören, möge hören.“

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Kommentare: 3
  • #1

    Jonas (Montag, 17 April 2017 21:17)

    In 18) wird die Frage erörtert, die sich eigentlich jeder Mensch einmal stellt, nämlich wo komme ich her und wo gehe ich hin. Es wird ein kompletter Bogen gespannt von unserer Erschaffung über die Reifung in den Welten der Trennung bis letztlich hin zur Theose. Das Ende wird also so wie der Anfang sein, die Einheit in Gott. "Denn dort, wo der Anfang ist, dort wird auch das Ende sein."
    "Selig, wer am Anfang stehen wird, und er wird das Ende erkennen und den Tod nicht schmecken.“ Meister Eckhart hätte das "am Anfang stehen" als das Eintauchen in den Urgrund formuliert, als das Eintreten ins Sein in dem wir waren, als wir noch nicht waren. Ohne Körper, Gefühle, Gedanken, in der unendlichen Stille, im unendlichen Nichts. Wer hier eingetreten ist, der "wird das Ende erkennen", da es wie der Anfang ist.
    Mit dieser Erfahrung wird man wahrhaft "den Tod nicht schmecken".

  • #2

    Jonas (Dienstag, 18 April 2017 10:43)

    zu 20) sind mir folgende Dinge aufgefallen: Das Senfkorn als Sinnbild für das Reich Gottes, das klein und unscheinbar in uns zu wachsen beginnt, kann sich nur dann in uns entfalten, wenn es auf BEACKERTE Erde fällt. Das heißt Arbeit an uns selbst, an unserer AP, also Weg-Arbeit. Von allein geht da nichts. Das steht im Gegensatz zu manchen religiösen Lehren, die uns weismachen wollen, dass der bloße Glaube ohne innere Veränderung uns erlösen wird. Wir finden das auch zuhauf in der Wohlfühl-Esoterik, wo manche sich ein "schönes" spirituelles Ego aufbauen.
    Was könnte mit den Vögeln des Himmels gemeint sein, die im Schutz des großen Zweiges stehen? Man könnte sie als himmlische Elementale auffassen, gute Charaktereigenschaften und Fähigkeiten, die sich aus unserer inneren Entwicklung heraus schrittweise bei uns einstellen. Vögel sind ja ein Sinnbild für die Verbindung zwischen Erde und Himmel (AP und HS), sie sind auf beiden Ebenen Zuhause.

  • #3

    Ruth Finder (Dienstag, 18 April 2017 19:58)

    Zu 21) "Mariham sprach zu Jesus: „Wem gleichen deine Jünger?“
    Er sprach: „Sie gleichen kleinen Kindern, die sich auf einem Feld niedergelassen haben, das nicht ihnen gehört. Wenn die Besitzer des Feldes kommen, werden sie sagen: Gebt uns unser Feld zurück. Sie entkleiden sich vor ihnen, damit sie es ihnen überlassen und ihnen ihr Feld zurückgeben."

    So wie die Kinder, freudvoll und frei von Konventionen, sind seine Jünger losgezogen und haben die Botschaften Jesu im Volk verbreitet. Sie haben quasi die Gedanken der Leute (ihr "geistiges Feld") besetzt. Für die war das neu, unerwartet und eigentlich nicht willkommen. Sie wollten ihre Ruhe haben. Und doch waren sie aufgewühlt und verunsichert (ihre Seele "nackt" gemacht) nach diesen Gesprächen. Die Jünger aber haben damit ihr Ziel erreicht und ließen die Leute erstmal zum Nachdenken zurück.

    "Deswegen sage ich: Wenn der Herr des Hauses weiß, daß er kommen wird, der Dieb, wird er wachen, ehe er kommt, und wird ihn nicht eindringen lassen in das Haus seines Königreiches, damit er seine Sachen hinfortträgt. Ihr aber, seit wachsam angesichts der Welt, gürtet eure Lenden mit großer Kraft, damit die Räuber keinen Weg finden, zu euch zu kommen."

    Hier aber dreht Jesus sozusagen den Spieß um, und sagt, dass in der gleichen Weise - also wenn man nicht auf "geistige Verführung" diesmal negativer Art vorbereitet ist - könnte es einem auch ergehen. Die "Diebproblematik" haben wir schon im ersten Deutungsdurchgang des Thomasevangeliums erarbeitet (Logion 103).

    "Denn der Nutzen [Mangel?], den ihr erwartet, wird eintreten. Möge unter euch ein weiser Mann sein. Als die Frucht reifte, kam er schnell mit seiner Sichel in der Hand, und mähte sie."

    Hier sagt er, dass man, wenn man sich wie der Herr des Hauses verhält (lese dazu nochmal diesen Kommentar oben), die positiven Resultate in der eigenen spirituellen Entwicklung sehen wird. Das soll man sich in weiser Voraussicht merken und so schnell wie möglich in seine innere Haltung integrieren.