Thomas 2.3

(13) Jesus sprach zu seinen Jüngern: „Vergleicht mich, sagt mir, wem ich gleiche.“
Simon Petrus sprach zu ihm: „Du gleichst einem gerechten Engel.“
Matthäus sprach zu ihm: „Du gleichst einem weisen Philosophen.“
Thomas sprach zu ihm: „Meister, mein Mund ist völlig unfähig auszusprechen, wem du gleichst.“
Jesus sprach: „Ich bin nicht dein Meister. Da du getrunken hast, bist du trunken geworden von der sprudelnden Quelle, die ich vermessen habe.“
Und er nahm ihn und zog sich zurück und sagte ihm drei Worte.
Als Thomas aber zu seinen Gefährten zurückkehrte, fragten sie ihn: „Was hat dir Jesus gesagt?“
Thomas sprach zu ihnen: „Wenn ich euch eines der Worte sage, die er mir gesagt hat, werdet ihr Steine nehmen und sie nach mir werfen, und ein Feuer wird aus den Steinen hervorkommen und euch verbrennen.“

(14) Jesus sprach zu ihnen: „Wenn ihr fastet, werdet ihr euch eine Sünde erschaffen; und wenn ihr betet, werdet ihr verurteilt werden; und wenn ihr Almosen gebt, werdet ihr an euren Geistern Schlechtes tun.
Wenn ihr in irgendein Land geht und in den Gebieten wandert, wenn man euch aufnimmt, dann eßt, was man euch vorsetzt, und heilt die Kranken unter ihnen. Denn das, was hineingeht in euren Mund, wird euch nicht verunreinigen. Aber das, was euren Mund verläßt, das ist es, was euch verunreinigen wird.“

(15) Jesus sprach: „Wenn ihr den seht, der nicht geboren ist vom Weibe, werft euch auf euer Antlitz und verehrt ihn, jener ist euer Vater.“

(16) Jesus sprach: „Die Menschen denken wohl, daß ich gekommen bin, um Frieden auf die Welt zu bringen. Und sie wissen nicht, daß ich gekommen bin, um Zerwürfnisse auf die Erde zu bringen, Feuer, Schwert, Krieg. Denn es werden fünf sein in einem Hause: drei werden gegen zwei und zwei gegen drei sein, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater. Und sie werden allein dastehen.“

Kommentar schreiben

Kommentare: 6
  • #1

    Ruth Finder (Sonntag, 16 April 2017 23:15)

    Zu 16):
    Hier wird es auf den inneren Kampf des Menschen hingewiesen. Durch die Worte (den Ruf) der Lehre wird er aufgeweckt statt in einem Traumschlaf weitergelassen. Sein Gemüt wird aufgewühlt sein und der Mensch wird anfangen, mit seinem bisherigen Leben zu ringen. Manchmal wird das ein ungleicher Kampf ("drei gegen zwei und zwei gegen drei") werden. Das ist auch ein Kampf des Alten gegen das Neue ("Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater"). Und diesen Kampf muss der Mensch allein mit sich selber/ in sich selber durchstehen und entscheiden, und niemand sonst.

  • #2

    Ruth Gabriel (Montag, 17 April 2017 11:33)

    Zu Spruch 14:
    Ich deute dies als Darstellung von Form – Inhalt, Religiösität – Spiritualität, Einrichtung – Ausrichtung.
    Der Weg des Menschen wird nicht durch die Form diktiert (fasten, beten, Almosen, usw.) sondern ist in sich immer gleich. Befreiung vom Egoismus, Reinigen des „Kanals“, die eigene Weg-Arbeit und der Weg-Arbeit der Anderen und der Welt dienen. Dies muss seinen Ausdruck finden, doch lässt der Ausdruck allein keine Rückschlüsse auf die innere Haltung zu. Wahre Präsenz ist spontan und frei von Stereotypien. Nur die Tatsache, dass wir z.B. kein Fleisch essen, macht uns nicht zu „Heiligen“. Unser Wunsch, Gott auszudrücken und Anderen dabei zu helfen, ist das, was uns, unsere Mitmenschen und die Welt „heil“ macht.

  • #3

    Hendrik (Montag, 17 April 2017 11:50)

    Zu 15) Hier könnte man annehmen, dass gemeint ist, dass, wenn wir jemandem begegnen, der sich schon aus eigenem Willen einen Leib schaffen kann, ohne durch den Schoß einer Mutter zu müssen und ohne die Last eines jahrelangen reduzierten Aufwachsens tragen zu müssen, wir getrost davon ausgehen können, dass er entwicklungsbezogen schon so fortgeschritten ist, dass wir ihn recht weitgehend als Leitfigur annehmen können, ohne dass hier Vater mit Gott gleichgesetzt wäre. Ein passabler Vertreter für ihn wäre er auf unserem Entwicklungsniveau aber wohl.

    Nicht gemeint ist meiner Ansicht nach, dass wir, wenn die technische Entwicklung so weitergeht, und Rechner schließlich vielleicht eine Form von Bewusstsein mit überragender Intelligenz paaren, wir sie frag- und klaglos als unsere gnädigen Herren annehmen sollen... Aber wer weiß? Was bliebe uns übrig?

  • #4

    Hendrik (Montag, 17 April 2017 13:03)

    Zu 15) Man kann es natürlich auch höchstmöglich nehmen. Wenn wir den absoluten, allumfassenden Gott wahrnehmen/erkennen, dann dürfen wir uns getrost auf das Gesicht fallen lassen und ihn anbeten.

  • #5

    Jonas (Montag, 17 April 2017 14:37)

    zu 13) Ich frage mich, welche Worte Jesus dem Thomas gesagt hat. Dieser war offensichtlich der Einzige, der das Göttliche/die Quelle in Jesus erkannt hat und das nicht in Worten ausdrücken konnte. Es geht uns ja oft genau so, wenn wir anderen eigene Erfahrungen mitteilen und verständlich machen wollen, die diese selbst noch nicht gemacht haben.
    Mit seiner Aussage hat sich Thomas qualifiziert, von Jesus eingeweiht zu werden. Für ihn selbst stellen diese Worte offenbar kein Problem dar, er hat sie offenbar angenommen. Die Worte müssen in der damaligen Zeit für die Anderen wohl eine Art Gotteslästerung gewesen sein, sonst hätte Thomas die vermeintlichen Reaktionen der anderen nicht so dramatisch dargestellt. Hat Jesus zu ihm vielleicht gesagt:"Ich bin Gott" oder "Du bist Gott"?

  • #6

    Ruth Finder (Montag, 17 April 2017 14:37)

    Zu 14):
    Im ersten Satz wird die Aufzählung der "Tätigkeiten" durch Semikolon getrennt, d.h. dass das keine Reihe ist, sondern jede Aussage steht für sich allein. Das wiederum könnte bedeuten, dass es nicht förderlich ist, sich nur auf das körperliche Heil ("fasten"), oder nur auf das Geistige/auf die Gelehrsamkeit ("beten"), oder nur auf das Tun ("Almosen geben") zu konzentrieren.
    Wir müssen versuchen, alles in vernünftigem Maße einzubeziehen ("in den Gebieten wandern"), und das Mögliche/Notwendige tun ("essen, was man uns vorsetzt, Kranken heilen"). Denn die Vielseitigkeit unserer spirituellen Entwicklung - das, was wir auf uns/in uns aufnehmen - macht uns nicht zerstreut, weniger konzentriert und weniger rein in der Haltung und Ausrichtung. Im Gegenteil, das Zusammenspiel jeder einzelnen Seite mit den anderen ergibt etwas Lebendiges, was uns "gut bekommt". Aber nach außen getragene, mit Hochmut behaftete, starre Einseitigkeit stößt uns früher oder später im buchstäblichen Sinne sauer auf.