Philixi

Hier die letzten drei gut lesbaren Philis. Wie wollen wir dann weiter vorgehen? Zweiten Durchlauf bei Thomas und Philippus? Oder die Gesamttexte angehen?

 

Spruch 124: Jetzt haben wir die offenbaren Dinge der Schöpfung. Wir sagen: ,,Sie sind die wertvollen Starken. Die verborgenen Dinge aber sind die wertlosen Schwachen." So verhält es sich mit den offenbaren (Dingen) der Wahrheit. Schwache sind es, und sie sind verachtet. Die verborgenen (Dinge) hingegen sind die Starken, und sie sind wertvoll. Offenbar aber sind die Mysterien der Wahrheit, indem sie Sinnbilder und Abbilder sind. Das Brautgemach aber ist verborgen. Es ist das Heilige im Heiligen.

Spruch 125: Der Vorhang verdeckte zwar zuerst, wie Gott die Schöpfung einrichtete. Wenn aber der Vorhang zerreißt und die Dinge des Inneren zum Vorschein kommen, wird man dieses Haus verlassen, so dass es leer ist, und zudem wird man es zerstören. Die ganze Göttlichkeit aber wird aus diesen Orten fliehen, nicht hinein in die Heiligen der Heiligen. Denn sie wird sich nicht mit dem unvermischten Licht und dem makellosen Pleroma vermischen können, sondern sie wird gelangen unter die Flügel des Kreuzes und unter seine Arme. Die Arche wird ihr zur Rettung werden, wenn die Wasserflut über sie Macht gewinnt. Wenn einige im Stamm der Priesterschaft sind, werden diese hineingehen können in die Innenseite des Vorhangs mit dem Hohepriester. Deswegen zerriss der Vorhang nicht allein oben, da er sich denen von oben allein geöffnet hätte. Er zerriss auch nicht nur unten, da er sich denen von unten allein gezeigt hätte, sondern er zerriss von oben nach unten. Die von oben öffneten uns, denen von unten, damit wir in das Verborgene der Wahrheit hineingehen. Das ist wahrhaftig das Wertvolle, das stark ist. Wir werden dort aber hineingehen durch wertlose Sinnbilder und Schwachheiten. Sie sind wertlos gegenüber der vollkommenen Herrlichkeit. Es gibt Herrlichkeit, die Herrlichkeit übertrifft. Es gibt Kraft, die Kraft übertrifft. Deshalb hat sich das Vollkommene uns geöffnet und das Geheime der Wahrheit. Und die Heiligen der Heiligen haben sich offenbart, und das Schlafgemach hat uns hereingerufen. Solange es zwar verborgen ist, ist die Bosheit unwirksam, sie wurde aber nicht aus der Mitte des Samens des Heiligen Geistes entfernt. Sie sind Sklaven der Bosheit. Wenn es sich aber offenbart, dann wird sich das vollkommene Licht über jeden einzelnen gießen, und alle, die in ihm sind, werden die Salbung empfangen. Dann werden die Sklaven frei werden und die Gefangenen erlöst werden.

Spruch 127: Wenn jemand Kind des Brautgemaches wird, wird er das Licht empfangen. Wenn es jemand nicht empfängt, während er an diesen Orten ist, so wird er es nicht empfangen können an einem anderen Ort. Wer jenes Licht empfangen wird, wird nicht gesehen werden können, noch wird er festgehalten werden können. Und niemand wird einen solchen belästigen können, wenn er auch in der Welt lebt. Und auch wenn er hinausgeht aus der Welt, hat er schon die Wahrheit empfangen in Abbildern. Die Welt wurde zum Äon, denn der Äon ist für sie das Pleroma. Und er ist so, indem er offenbar ist ihm allein, indem er nicht in der Finsternis und in der Nacht verborgen ist, sondern indem er verborgen ist in einem vollkommenen Tag und einem heiligen Licht.

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Kommentare: 5
  • #1

    Jonas (Dienstag, 11 April 2017 09:06)

    In Spruch 127 wird darauf hingewiesen, dass das Licht (Durchbruch, Gott zum Ausdruck bringen, permanent mit Gott verbunden sein, in der Ruhe sein, die unio mystica ) nur im Brautgemach (ESG) empfangen werden kann. Das hört sich nach Ausschließlichkeit an, so, als ob es eigentlich keinen anderen Rahmen als die ESG zum Erreichen dieses Zieles gibt.

    Wenn es erreicht ist, kann man nicht mehr "gesehen, festgehalten oder belästigt (=mit einer Last belegt)" werden, man ist frei , in materiellen Dingen nicht mehr verwickelt. Eine weitergehende Deutungsmöglichkeit liegt im Erlangen von außergewöhnlichen Fähigkeiten wie Materialisation/Dematerialisation, Bilokation etc.

    Die Welt ... wird für diese Menschen schon hier zum Pleroma, zur Fülle, nicht erst auf höheren Ebenen. Der zum Meister gewordene ist weiterhin in der Welt aktiv tätig, grundsätzlich für alle sichtbar, aber trotzdem nicht erkennbar, da er sich über die Geschicktheit der Mittel verbergen kann, er ist "nicht in der Finsternis und in der Nacht verborgen ist, sondern ... in einem vollkommenen Tag und einem heiligen Licht."

  • #2

    Hendrik (Dienstag, 11 April 2017 10:18)

    Ich möchte die Anfangsüberlegung von Jonas noch etwas weiterspinnen: Die Ausschließlichkeit, die sich in den ersten zwei Sätzen von 127 anklingt (eine etwas andere Deutung des zweiten Satzes unten), ist recht schön abgemildert durch die Aussagen von L., dass 1.) Aspiranz Mitgliedschaft sei, und 2.) alle Menschen Aspiranten (- sie wissen es bloß nicht). Im Buddhismus wird hier von der Buddha-Natur aller Menschen gesprochen. Wir müssen sie nicht eigentlich ERLANGEN, sondern uns ihrer bewusst werden, sie erfahren. Insofern gibt es also bezüglich der Aspiranz/Mitgliedschaft einmal eine formale Ebene und dann noch eine innewohnende.

    Der zweite Satz von 127: "Wenn es jemand nicht empfängt, während er an diesen Orten ist, so wird er es nicht empfangen können an einem anderen Ort." könnte auch als Hinweis auf das Nicht-Erkennen der eigentlich vorhandenen Wesensnatur gelesen werden.

    Einerseits: Wenn es (Aspiranz/Mitgliedschaft) jemand nicht empfängt, während er an diesen Orten (Brautgemächer hier als Mehrzahl gedacht, weil jeder einzelne ein eigenes hat) ist, so wird er es nicht empfangen können an einem anderen Ort (in der Welt). - Hier ist für alle schon das Sein in Brautgemächern vorgegeben.

    Andererseits: Wenn es (Aspiranz/Mitgliedschaft) jemand nicht empfängt, während er an diesen Orten (in der Welt) ist, so wird er es nicht empfangen können an einem anderen Ort (im Brautgemach). - Hier wird ebenfalls der Zugang zum Brautgemach als für jeden möglich angedeutet.

  • #3

    Ruth Finder (Dienstag, 11 April 2017 10:19)

    Zu (124):

    Und wieder geht es hier am Anfang, meiner Sicht nach, um die "Verkehrtheit" der Welt, um die Verwechslung. Die Welt über der Welt ist uns wichtiger und unsere einzige Wirklichkeit. Aber dem ist nicht so. Sie ist nämlich Mittel zum Zweck (Sinnbilder und Abbilder der Mysterien der Wahrheit), damit wir lernen den verborgenen Sinn aller Dinge, das Göttliche in und um uns zu finden und zu verstehen.

  • #4

    Hendrik (Dienstag, 11 April 2017 10:54)

    zu Spruch 124: Jetzt haben wir die harten Fakten der Trennungswelten. Wir sagen: ,,das sind die Tatsachen!" Schauen wir aber genauer hin, so sehen wir nur Wandel, Vergänglichkeit und Bedeutungslosigkeit. Mit den sichtbaren Fakten der höheren Wahrheit ist es anders herum. Sie sind nur Worte, Abbilder und Rituale und erscheinen dem Auge der Welt schwach. Der verborgene Gehalt aber ist stark. Er ist das Heilige im Heiligen.

  • #5

    Ruth Gabriel (Dienstag, 11 April 2017 14:44)

    Zu Spruch 125: Der Vorhang verdeckte zwar zuerst, wie Gott die Schöpfung einrichtete. Wenn aber der Vorhang zerreißt und die Dinge des Inneren zum Vorschein kommen, wird man dieses Haus verlassen, so dass es leer ist, und zudem wird man es zerstören. Die ganze Göttlichkeit aber wird aus diesen Orten fliehen, nicht hinein in die Heiligen der Heiligen. Denn sie wird sich nicht mit dem unvermischten Licht und dem makellosen Pleroma vermischen können, sondern sie wird gelangen unter die Flügel des Kreuzes und unter seine Arme.
    Zu diesem Teil fällt mir folgendes ein:
    Wenn wir immer mehr den inneren Sinn erkennen, hat das zur Folge, dass wir auch immer mehr dem inneren Sinn entsprechend handeln. Die Materie verliert ihre Bedeutung insofern, dass sie nurmehr für den Ausdruck des Inneren genutzt wird. Ansonsten „verlässt man dieses Haus“ und „man wird es zerstören“, indem die eigenen Handlungen rein auf den Prozess der inneren Entwicklung abgestimmt werden. Was nicht ohne Folgen für die materielle Welt bleibt, denn man nährt keine negativen Elementale mehr, ob nun individuelle oder Gruppenelementale, und "zerstört" durch diese Verwandlung (Schaffen positiver Elementale) die Welt.
    „Die Göttlichkeit, die unter die Flügel des Kreuzes“ gelangt, könnte eine Beschreibung dieser Weg-Arbeit sein.