Gesetzestreu

Rabbi Jakov ben Katz hatte vor, einem Chassiden, der früher jeden Tag im Bethaus in der ersten Reihe saß, später aber immer seltener kam, bis er sich schließlich gar nicht mehr dort blicken ließ, einen Besuch abzustatten. Er wollte wissen: Warum?

An dessen bescheidenem Haus angekommen, vernahm er das Gespräch dieses Mannes mit einem Kunden, denn der Chassid war Matzenbäcker. Obwohl selber arm und auf jeden Schekel angewiesen, hatte er dem Besucher gesagt, dass die Bäckerswitwe nebenan das Geld nötiger habe, und dass er lieber bei ihr die Matzen kaufen möge.

Als der Käufer weg war, fragte der Rabbi den Chassid nach dem Grund für sein Fernbleiben im Bethaus.

Der Mann trug Folgendes vor: "Rabbi, in den Schriften und in Gebeten ist die Rede von Großem und Herrlichen. Diese Worte lasten schwer auf meinem Gewissen. Wie kann meine Wenigkeit eine Entsprechung dessen erlangen?! Ich bin nicht würdig!"

Der Zaddik - gerade erst Zeuge einer großartigen Tat - sagte sanft zu dem Mann: "Es gibt keine großen und schweren Worte. Es gibt aber auch keine nichtigen. Das sind nur Worte, aber sie sind das Gesetz. Der Große Richter freut sich gleichermaßen an allen, die sein Gesetz befolgen - ob im Kleinen oder im Großen."


(Ruth Finder)

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