Philix

Spruch 117: Fragt uns über ihn, da es schwierig ist, diesen aufzurichten. Wie werden wir dieses große Werk vollbringen können?

Spruch 118: Wie wird er (oder: man) einem jeden Ruhe geben? Vor allen Dingen darf man niemanden betrüben, sei es ein Großer, sei es ein Kleiner, ein Ungläubiger oder Gläubiger; sodann (ist es nicht angemessen), nur denen Ruhe zu geben, die im Guten ruhen. Es gibt welche, für die gut ist, dem Ruhe zu geben, der gut ist. Dem, der das Gute tut, ist es nicht möglich, diesen Ruhe zu geben. Denn er kommt nicht nach seinem Belieben. Es ist ihm aber unmöglich zu betrüben, da er nicht veranlasst, sie zu bedrängen. Aber der, der gut ist, betrübt sie manchmal. Er ist nicht so, sondern ihre (eigene) Schlechtigkeit ist es, die sie betrübt. Wer die (entsprechende) Natur hat, gibt Freude dem Gutem. Einige aber betrüben (sich) darüber auf schlechte Weise.

Spruch 122: Niemand kann wissen, an welchem Tag sich der Mann und die Frau miteinander vereinigen, außer sie allein. Denn ein Geheimnis ist die Hochzeit der Welt für die, die eine Frau genommen haben. Wenn (schon) die Hochzeit der Befleckung verborgen ist, um wieviel mehr ist die unbefleckte Hochzeit ein wahrhaftiges Mysterium? Nicht fleischlich ist sie, sondern rein. Sie gehört nicht zur Begierde, sondern zum Willen. Sie gehört nicht zur Finsternis oder (zur) Nacht, sondern sie gehört zum Tag und zum Licht. Wenn eine Hochzeit entkleidet ist, ist sie Unzucht geworden. Und nicht nur, wenn die Braut den Samen eines anderen Mannes empfängt, sondern auch wenn sie ihr Schlafgemach verlässt und gesehen wird, begeht sie Unzucht. Nur ihrem Vater und ihrer Mutter und dem Freund des Bräutigams und den Kindern des Bräutigams soll sie sich zeigen. Diesen ist es erlaubt, täglich in das Brautgemach hineinzugehen. Die anderen aber mögen begehren, auch nur ihre Stimme zu hören und ihre Salbe zu genießen, und sie mögen sich nähren von den Abfällen, die von der Tafel fallen, wie die Hunde. Bräutigame und Bräute gehören zum Brautgemach. Niemand wird den Bräutigam und die Braut sehen können, außer er wird zu diesem.

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Kommentare: 7
  • #1

    Hendrik (Sonntag, 09 April 2017 20:12)

    zu Spruch 117: "Fragen stellen" S. 14 in "Kreisgedanken 2"

  • #2

    Jonas (Montag, 10 April 2017 09:31)

    Ich versuch´s einmal mit 122:
    In den ersten Sätzen wird meines Erachtens auf den Unterschied einer üblichen weltlichen Hochzeit mit körperlicher Vereinigung zur unio mystica eingegangen. Letztere ist ein "Mysterium", sie ist rein, "gehört zum Tag und zum Licht". Auf das Verborgene, Geheime, auch zeitlich undefinierte wird mehrfach hingewiesen, man könnte hier auch einen Hinweis auf eine Arkanumpflicht herauslesen. So könnte man auch den Hinweis auf das bloße Verlassen des Schlafgemaches verstehen, das -extrem dargestellt- als Unzucht bezeichnet wird.
    Die Vorbereitung auf die coniunctio, die mystische Vereinigung, ist etwas sehr intimes und persönliches, ein innerer Prozess, Außenstehende/Nichteingeweihte sind hiervon ausgeschlossen. Der Zugang zum Brautgemach ist daher streng begrenzt, es dürfen nur der Vater (Gott), die Mutter (hl. Geist), der Freund des Bräutigams (der Meister?) und die Kinder des Bräutigams (ESG) hinein. Alle anderen (Hyliker, Psychiker) sind grundsätzlich ausgeschlossen, werden aber immer wieder auf den Weg hingewiesen (dürfen die Stimme hören = spirituelle Informationen erhalten, ausgerichtet werden; die Salbe genießen = weitergehende Unterstützung erhalten, Übernahme ihres Leides; Abfälle der Tafel = geistige Nahrung).
    "Niemand wird den Bräutigam und die Braut sehen können, außer er wird zu diesem. " Die, welche schon in der Ruhe sind, erkennen einander. Außenstehenden bleiben sie verborgen.

  • #3

    Ruth Finder (Montag, 10 April 2017 11:32)

    Zu (122):

    Ich meine hier folgendes herauszulesen:

    Ein Durchbruchs- bzw. Erleuchtungserlebnis wird uns aus Gnade gegeben: Wir wissen nicht wo und wann, aber wenn es passiert, wissen wir das. Dieser Moment der Entzückung - kurzer oder längerer - übertrifft alle Hochgefühle, die wir im Alltag erleben. Wenn er vergeht, sollten wir uns nicht stolz daran "hochziehen" und in Erinnerungen daran festhalten, denn diese werden, je mehr sie verblassen, desto mehr ausgeschmückt, und letztendlich verlieren sie ihren ursprünglichen Inhalt - damit entwerten wir dieses Geschehen. In Freude und Dankbarkeit sollten wir es empfangen und danach unser Inneres an den neuen Impulsen immer wieder neu ausrichten.
    Dieses Mysterium denen, die das noch nicht erlebt haben, zu erklären, ist schwierig für beide Seiten: Und so müssen die Außenstehende sich mit dem Bruchhaften und für sie Unverständlichen zufrieden geben, es sei denn sie erleben das selber.

  • #4

    Ruth Gabriel (Montag, 10 April 2017 13:06)

    Zu Spruch 118:
    Mir fällt folgendes dazu ein: Ein Durchbruchserlebnis auf HS-Ebene ist etwas, mit dem man sich nicht über Andere erheben soll (niemanden betrüben). Dessen „Inhalt“ kann man nicht vermitteln an jemanden, der dieses nicht erlebt hat. Dennoch kann es sein, dass jemand betrübt ist, da er seine eigenen Schwächen im Zusammensein klarer erlebt und dies dem Anderen vorwirft (auf schlechte Weise betrübt) anstatt sich mitzufreuen und dadurch teilzuhaben.

  • #5

    Jonas (Montag, 10 April 2017 13:34)

    zu 117: Vielleicht noch ein Gedanke zu der Formulierung "diesen aufzurichten", da es mir nicht gleich verständlich war: Es geht hier meines Erachtens um das Aufrichten von Jesus IN uns, also um Ausrichtung und das verankern und verwirklichen seiner Lehre. Ohne die richtigen Fragen bleibt vieles unverständlich und im Dunkel.

  • #6

    Ruth Finder (Montag, 10 April 2017 14:39)

    Beim Lesen des einleuchtenden Kommentares von J. ist mir folgendes Bild in den Sinn gekommen:

    Um sein Werk auf Erden zu vollbringen, WOLLTE und MUSSTE Christus das Kreuz tragen und am Kreuz aufgerichtet sein. Das "Tragen des Kreuzes" ist Weg-Arbeit, an ihm aufgerichtet werden ist die Vollendung des Ziels. Das Beispiel Jesu (das Erforschen seiner Lehre) hilft uns dabei.

  • #7

    Hendrik (Montag, 10 April 2017 14:54)

    zu Spruch 118: Wer ist "er"? Jene in den Trennungswelten, die Gott vollkommen offenbaren. Im gnostischen Zusammenhang dann vor allem Jesus Christus als Sohn. Und Ruhe? Die Eigenschaft der ESGler, die nicht mehr an Äußerlichem hängen, die in Gott ruhen.

    "Vor allen Dingen darf man niemanden betrüben, sei es ein Großer, sei es ein Kleiner, ein Ungläubiger oder Gläubiger." - Offensichtlich wieder die Geschicktheit der Mittel, die allen das Ihre und das Mögliche zukommen lässt. Keiner wird ausgeklammert.

    "Sodann (ist es nicht angemessen), nur denen Ruhe zu geben, die im Guten ruhen." - Klar, dass wäre, als ob man den Satten Nahrung reichen würde. Überflüssig und nutzlos.

    Gleichwohl gibt es Leute, die genau dies tun. Diesen Leuten kann "er", der das Gute tut, selbst keine Ruhe geben. "Denn er kommt nicht nach seinem Belieben." - Sondern nach Verdienst. Und die Satten speisen ist kein Verdienst.

    Aber: "Es ist ihm (wieder ist "er" gemeint) aber unmöglich zu betrüben, da er nicht veranlasst, sie zu bedrängen." - Er drängt seine Weisheit nicht auf, er arbeitet nicht mit Zwang. Freiheit ist ein hohes spirituelles Prinzip.

    "Aber der, der gut ist, betrübt sie manchmal." - Der gut IST ist Gott. Er betrübt sie jedoch manchmal. Mit karmischen Stacheln.

    "Er ist nicht so, sondern ihre (eigene) Schlechtigkeit ist es, die sie betrübt." - Hier nochmals der Verweis auf die KARMISCH-reaktiven Stacheln, die kein Ausdruck des göttlichen Wesens sind.

    "Wer die (entsprechende) Natur hat, gibt Freude dem Gutem. Einige aber betrüben (sich) darüber auf schlechte Weise." - Gesagt wie es ist!